Die Sache mit dem Ei

kichercurry 14Die Wege des menschlichen Verstandes sind oft unergründlich. Zumindest die des meinen für mich. Ich traute und traue mir alle möglichen Sachen zu. Ich laufe 21 km am Stück, bastele Hermé-Torten und bade im Winter in der 0°C warmen Ostsee. Aber meine Angst vorm Eierpochieren war riesig. Über ein Jahr schon schlich ich immer wieder darum herum, las alle möglichen Theorien und Erklärungen dazu und drückte mich. Im Nachhinein betrachtet nimmt sich das nunmehr seltsam aus. Denn was konnte schlimmstenfalls passieren? Vor einigen Tagen fasste ich mir endlich ein Herz, las noch einmal hier und hier nach und entschied, beide Methoden zu testen. Anlass war ein köstliches Spinat-Linsen-Curry mit Kichererbsen und Raita, dass Herr H. ausgesucht hatte, weil ihn bei seiner Ankunft kein Abendessen, sondern eine völlig vom Rezeptüberfluss überforderte Ehefrau erwartete.

Für die Raita:

  • 1 Minigurke oder 1/3 Salatgurke, geschält, entkernt gerieben oder fein gewürfelt
  • 150 g Joghurt (ich: 100 g 1,5%iger + 50 g Schmand)
  • 1/4 TL gemahlener Kreuzkümmel
  • 2 EL fein gehackte Minze
  • Meersalz

raita serieNachdem Herr H. die Gurke fein gewürfelt hate, bestreute ich sie mit etwas Salz und ließ die Würfel ein Weilchen abtropfen, bevor ich sie mit den restlich Zutaten vermengte. Die fertige Raita durfte dann eine gute Stunde im Kühlschrank durchziehen.

Für das Curry:

  • 100 g gelbe Linsen, gut abgespült
  • 200 g gegarte, enthülste Kichererbsen
  • 1 Handvoll Kartoffeln, geschält, in kleine Würfel geschnitten
  • Öl oder Ghee
  • 1 kleine Knoblauchzehe, fein gewürfelt
  • 1 Stück frischer Ingwer (2cm), fein gewürfelt
  • 1 große Prise gelbe Senfkörner (ich: braune)
  • 1 große Prise Kreuzkümmelsamen
  • je 1 große Prise Kreuzkümmel und Koriander
  • 150 g Spinat, aufgetaut, püriert
  • frisches Koriandergrün, gehackt, nach Belieben (ich: weg gelassen, keins da)
  • Meersalz, Pfeffer
  • 1 EL Zitronensaft
  • 3 Eier, pochiert (oder hart gekocht, wer mag)
  • Reis nach Belieben

zutaten serieZunächst wusch ich den Reis (Basmati, 100 g) gründlich und gab ihn dann mit 200 g Wasser in den Reiskocher. Herr H. stellte alle weiteren Zutaten bereit und kochte Linsen und Kartoffelwürfel auf. Nach 10 Minuten gab er die Kichererbsen hinzu und ließ alles noch 5 Minuten köcheln. Ich erhitzte etwas Öl in der Pfanne, schwitzte Knoblauch, Ingwer Senf- und Kreuzkümmelsamen darin an und gab anschließend die gemahlenen Gewürze, den Spinat und die abgegossene Linsen-Kichererbsen-Kartoffelmischung hinzu. Ich pfannenrührte alles wenige Minuten, würzte mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft und stellte die Pfanne abgedeckt warm.

schmurgeln serie

Nun war der große Moment gekommen. Ich piekste zwei Eier mit dem Eierpieker an, gab etwas Essig in Wasser und legte die Eier hinein. Dann zählte ich langsam bis 10, holte sie wieder heraus und schlug sie nun direkt in das leicht siedende Wasser. Ich könne nun wieder atmen, merkte Herr H. an. Gebannt beobachtete ich die Eier. Eins sah ganz OK aus, aber das andere wirkte reichlich zerfranst. Nach 3 Minuten holte ich die Eier mit dem Schaumlöffel heraus und parkte sie auf einem vorgewärmten Teller. Nun rührte Herr H. das leicht siedende Wasser, so dass ein Strudel entstand. Ich schlug das dritte Ei direkt hinein und er schrie entsetzt auf. Du hättest es erst in eine Schüssel geben müssen! Mist. Das hatte ich in all der Anspannung völlig verdrängt. Das Eiweiß verteilte sich in eleganten Schleiern im Topf. Nach 3 Minuten fischte ich es heraus und seufzte. Immerhin sah eins der Eier ganz passabel aus. Ich richtete Reis und Curry in Schüsseln an.

kichercurry 17Fazit: Ich bin unendlich froh, meine Eierpochier-Angst überwunden zu haben! Und werde in Zukunft alle möglichen Kombinationen damit ausprobieren. Herr H. war sehr froh, dass er nun doch noch zu einem köstlichen Abendessen gekommen war. Das Curry schmeckte wunderbar ausgewogen und wird hier sicher noch öfter auf den Tisch kommen. Falls man jungen, frischen Spinat verwendet, kann man ihn auch ungegart unter die Hülsenfrüchte mengen. Dann wird das Gericht noch frühlingsfrischer und leuchtend grün.

Aus: Casual Cooking – Kochen für die ganze Familie Pete Evans

 

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33 Gedanken zu „Die Sache mit dem Ei

  1. Zur Zeit habe ich eine große Spinat-Liebe, den gibt es jede Woche… Und frisch ausgesät habe ich ihn auch schon, der dürfte auch bald soweit sein 🙂

    Schön, dass Du Deine Angst überwunden hast, so ein samtig, weiches Ei ist bestimmt großartig!
    Das Curry-Rezept ist schon ausgedruckt, wird es sicherlich auch bald hier mal geben, wenn auch für mich ohne Ei 😉

  2. Die Sache mit dem pochierten Ei… weisst Du, wenn Du dann irgendwann mal 30 Eier pochiert hast, dann lachst Du über Deine Anfangsschwierigkeiten. Das Küken und ich essen pro Woche je 2 bis 3 pochierte Eier auf Salat… göttlich und sowas von einfach 😉

  3. Ich verstehe den Respekt vor dem Pochieren voll und ganz, einmal ausprobiert und noch nicht wieder, weil das Ergebnis „so-lala“ war.. aber vor dem Bad in der gefrierenden Ostsee ziehe ich mein Hütchen aber ganz tief!

  4. Nee, nee, du outest dich nicht mit was peinlichem: ich hab mich da auch noch nicht rangetraut und an manch anderes auch nicht!!
    21 km gelaufen bin ich bis vor 4 Jahren auch noch oft, aber im 0° kalten Wasser baden = nee, nie und nimmer! 🙂

    Dein komplettes Gericht sieht wieder köstlich aus!

    • Danke, Eva. Dann bin ich noch beruhigter. 😉
      Das mit dem Eisbaden ist schon ein paar Jahre her. War überhaupt nicht schlimm, sondern sehr belebend, aber ich weiß nicht, ob ich das jetzt noch machen würde, ich bin schon eine arge Frostbeule…

  5. Die Methode von Lamiacuccina ist auch die, die Vincent Klink empfiehlt. Damit habe ich fast immer gute Resultate. Das hängt aber auch von der Frische des Eis ab.
    Ansonsten mache ich es auch manchmal so wie Houdini beschrieben hat.
    Wir lieben pochierte Eier. Am liebsten mag ich sie am Sonntagmorgen auf einem kleinen „Ratatouille“ oder Spinat-Käsegemisch oder …. – Es gibt da unendlich viele Varianten.

    • Genau, WIR lieben pochierte Eier… Wir lieben grundsätzlich Eierspeisen am Sonntag zum Frühstück. Toettchen ist zuständig für sämtliche sonntäglichen Eierspeisen. Da ist er echt Weltmeister. Allerdings französisches Omelette ist meine Spezialität… Weltmeister hin oder her 😉 Aber eben, jeder macht das, was er am besten kann und der ander schätzt das!

  6. Meine Mutter gab Essig ins leicht siedende Wasser, dann koaguliere das Eiweiss besser/rascher. Sie schlug die Eier in eine Tasse und von dort sachte ins Wasser.
    Wenigstens hast Du die Eier nicht verloren, auch wenn sie so genannt werden 🙂

  7. Wieder was dazu gelernt. Deine beiden Methoden kannte ich noch nicht. Die finde ich allerdings auch irgendwie abenteuerlich – ich glaub, das traue ich mich nicht. Nun esse ich aber auch ganz selten Eier (abgesehen von Kuchen). Und die vielleicht drei Male in meinem Leben, als ich pochierte Eier zubereitete, waren zufällig alle gelungen: Eier in eine Tasse aufschlagen, vorsichtig ins (auf keinen Fall sprudelnde) Essigwasser gleiten lassen und nach drei Minuten wieder rausholen. Wichtig ist meiner Erinnerung nach, dass die Eier superfrisch sind, weil: Je älter das Ei, desto flüssiger das Eiweiß (und das kriegt dann schnell mal Fransen).

  8. mein Anspruch an die Ästhetik ist zum Glück weniger hoch, deshalb gibt es schon immer mal pochierte Eier und mittlerweile gelingen sie auch meist recht gut. Das Curry liest sich gut…. ich muß doch auch mal wieder an solche Sachen ran, irgendwie ist Asien aus meiner Küche verschwunden…. zugunsten USA und Mittelmeer…..

    • Danke, Nini. Ja, mein Fokus verschiebt sich gen Sommer hin auch eher ans Mittelmeer, aber gerade, wenn es im Frührjar noch nichts richtig „Aromatisches“ gibt, schätze ich solche Gerichte sehr.

  9. Spannende Methode – kannte ich noch nicht. Diese Pochiererei ist für mich nämlich auch noch Buch mit sieben Siegeln. Und die 21km sollte ich endlich mal „unter Aufsicht“ laufen… 😉

  10. Ich gestehe: Ich hasse pochierte Eier. Das hat allerdings auch den Vorteil, dass ich mir dieses Gefriemel nicht antun muss (frühere Versuche endeten alle in einer Stracciatella-Suppe). Aber das Curry schmeckt ja sicher auch ohne Ei.

  11. Komischerweise klappt bei mir das Pochieren von Eiern immer schon. Ausnahmsweise kein Angstgegner. 😉
    Und wenn ich es wirklich perfekt machen will, dann nehm ich die Variante, die ich beim Mörwald im Kochkurs gelernt habe, da wickelt man das Ei in Folie, da schauts dann auch noch schön aus. Schmeckt halt dann nicht nach Essig.

    *flüster* Dein erster Link geht nicht, wo du nachgeschaut hast wegen des Pochierens.

    • Ja, die Talente sind nicht „gerecht“ verteilt. 😉 das mit der Folie habe ich auch gelesen, aber das erschien mir allzu umständlich. Eine weitere Methode war noch, einen Dessertring ins Kochwasser zu stellen, nun denn…
      Link sollte repariert sein!

  12. Ja Eier pochieren, das ruft bei mir auch immer gewisse Verspanntheit hervor. Aber diese Strudel-Methode funktioniert gut.
    In England gibt es so hochgefährliche Küchenläden wie „Lakeland“, da konnte ich vor Jahren an so Silikon-Dingern (Egg-Poacher) nicht vorbeigehen, in die man die Eier aufschlägt und sie dann ins Wasser gibt. Naja,,,,,,,pochiert ist anders.

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