Aus alt mach neu!

maronengnocchi 8Ja, eigentlich ist die Saison für Maronen und Rosenkohl längst vorbei. Zur Zeit stehen Bärlauch und Co. hoch im Kurs. Aber dank der modernen Kühltechnik befand sich beides noch in meinen Vorräten und die müssen bekanntlich peu à peu abgebaut werden. Außerdem kann ich lang anhaltenden, penetranten Nachgeschmack von Bärlauch nicht ausstehen und irgendwie muss die Zeit bis zur Spargelsaison ja überbrückt werden. Also taute ich Rosenkohl, Maronenpüree, Wildpilze und schlesische Wurst auf und legte los.

Für die Maronengnocchi (4 Portionen, den Rest kann man wunderbar fertig gekocht einfrieren und den gewonnen Platz im TK wieder auffüllen):

  • 500 g Kartoffeln, in der Schale gegart
  • 250 g Maronenpüree (meines war aus einer Dose und stichfest)
  • 150 g Mehl (ich: 100 g Mehl 40er + 30 g Kartoffelmehl, muss auch weg und bindet viel Feuchtigkeit)
  • 2 Eigelb
  • 1 TL Salz, einige Striche Muskat
  • 50 g Parmesan (ich: 30 g)

maronengnocchi teigling serie kleinAls die Kartoffeln gar waren, schreckte ich sie kurz unter fließend kaltem Wasser ab und pellte sie. Dann gab ich sie gemeinsam mit dem Maronenpüree durch die Kartoffelpresse in eine Schüssel, würzte, fügte Eigelbe, Mehl und Kartoffelmehl hinzu und vermengte alles grob. Nun kam noch der Parmesan hinein und nach kurzem Kneten formte ich auf der begriesten Arbeitsfläche ca. 2cm dicke Rollen. Herr H. kam neugierig in die Küche. nach einem kurzen Blick strahlte er, Gnocchi, die hätten wir viel zu lange nicht mehr gehabt. Ich schnitt ca 1,5cm lange Stückchen von den Rollen ab und verpasste ihnen mit der Gabel das typischen Rillenmuster. Die fertigen Gnocchi durfen auf einem begriesten Tuch warten. Gries hat gegenüber Mehl den Vorteil, dass er sich nicht an den Gnochhi festsaugt. Er fällt beim Kochen einfach ab. Als alle Gnocchi fertig waren, ließ ich sie in sanft köchelndem Wasser garen, bis sie an die Oberfläche stiegen. Dann schreckte ich sie eiskalt ab und lagerte sie auf einem Tablett.

Für Wildpilzsauce und Rosenkohl:

  • 150 g gemischte Wildpilze
  • 1 Schalotte, fein gehackt
  • 1 TL Butter
  • 100 g Weißwein
  • 100 g Sahne
  • 1 TL frische Rosmarinnadeln, grob gehackt
  • Salz, Kubebenpfeffer, frisch gemörsert
  • 400 g Rosenkohl
  • 2 rohe Bratwürste
  • 2 EL Trüffelbutter

zutaten serieAls erstes garte ich den Rosenkohl im Dämpfeinsatz in ca. 12 – 15 Minuten. Dann schwitzte ich die Schalottenwürfel in der Butter glasig. Nun gab ich die Pilze, Rosmarin und Salz hinzu, ließ sie kurz schmurgeln und löschte mit Weißwein ab. Nachdem er fast vollständig reduziert war, goß ich die Sahne an und ließ die Sauce noch ein Weilchen köcheln. Als die gewünschte Konsistenz erreicht war, schmeckte ich mit Pfeffer und Salz ab und stellte die Sauce im Backofen warm. Herr H hatte inzwischen die Würste gebraten und in schräge Streifen geschnitten. Ich erhitzte die Trüffelbutter in der Wokpfanne, schwenkte die Gnocchi und Rosenkohl darin, bis die Gnocchi leicht gebräunt und wieder warm waren und schon war das Essen fertig.

maronengnocchi 5Fazit: Zu dumm, dass ich die restlichen Gnocchi bereits vor dem Essen eingefroren hatte. Wir hätten beide gern noch einen Nachschlag gehabt. Die cremige, wunderbar aromatische Pilzsauce passte perfekt zum Rosenkohl und den ganz schwach süßen Maronen-Gnocchi. Ein echtes Wohlfühlessen, auch wenn wir der Zeit damit ein wenig hinterher hinken.

Gnocchi nach: Der große Lafer Johann Lafer

 

 

 

Advertisements

38 Gedanken zu „Aus alt mach neu!

  1. Habe gestern auf dem Markt, neben dem allgegenwärtigen Bärlauch, den ersten Beelitzer Sparegl gesehen, habe aber noch keinen Appetit drauf gehabt, so Ende März..
    Dein Gericht liest sich sehr lecker, besonders die Gnocchi lachten mich an..

    • Danke, Richensa. Ich habe auch schon welchen gesehen und mich hat er auch so gar nicht angesprochen – obwohl, es sit schon alles etwas früher dieses Jahr. Ich habe gestern die ersten Rapsblüten gesehen und dachte, was? Blüht der nicht sonst erst so Mitte/ Ende April???

  2. Hier sind auch noch ein paar Maroni im Tiefkühler. Danke fürs Erinnern! 🙂 Deine Gnocchi muss ich endlich ausprobieren.

    Maroni und Kohlsprossen (=Rosenkohl) sind immer eine tolle Kombination.

  3. Ich bin auch nicht des Bärlauchs größter Fan. Im letzten Jahr habe ich die Knoblauchrauke entdeckt. Die wächst ja nun wirklich überall bis in den Sommer hinein. Keine Ahnung, warum der Bärlauch so gehypt und die viel leckere Knobirauke ignoriert wird. ich sag auch nix dazu, nachher wird mein Geheimtipp noch Gemeinwissen und ihr futtert mir alles weg …

      • Ich muss sagen, dass ich da recht schmerzbefreit bin. Den Feinstaub und das Karnickelpipi wasch ich ja ab. Und die Rauke ist ja nicht mein Hauptnahrungsmittel.

        Wer weiß, neben welchen Hauptstraßen das Gemüse vom (Super-)Markt so angebaut wird …

      • Ich bin schon auch schmerzfrei und Karnickel stören mich auch nicht, eher die „lieben“ Vierbeiner, die Köter, davon hat’s mehr als genug und sie heben ihre Beine wirklich überall.
        Supermarktgemüse – point taken! 😉

  4. Yum! Natürlich orientiert man sich meistens jahreszeitlich, aber zum einen passts ja durchaus noch mit dem Rosenkohl und zum anderen ist es doch am wichtigsten, worauf man gerade Lust hat, oder?
    Das mit dem Bärlauch geht mir genauso – nach einer Überdosis im letzten Jahr habe ich echt noch eine Woche gut davon gehabt, seitdem ist er in Ungnade…

    • Danke, Sönke! Das ist absolut richtig und ich habe im Dezember tatsächlich z. B. keine Lust auf frische Erdbeeren, aber im Februar eben manchmal auf Tomaten. Die Zeit lässt sich halt nicht zurückdrehen. Und das ist eigentlich auch ganz gut so, ich hätte keine Lust, meine Wäsche per Hand zu waschen. 😉

  5. Saison, oder nicht – wilde Pilze bekomme ich hier nur getrocknet, leider. Und der Bärlauchwahn (wild garlic) ist in diesen Breiten bisher noch nicht angekommen (aus meinen Aussähversuchen ist leider nichts geworden).
    Die Gnocchi sehen aber sehr verführerisch aus, ich habe bisher einmal welche gemacht, aber nur die Feld- Wald- und Wiesenvariante.

  6. die Gnocchi gefallen mir sehr gut, die mache ich nach, wo ich sowieso einen Rest Maronipüree von den kürzlich gebackenen Buchteln übrig habe, die auch nicht saisonal „korrekt“ waren 😉
    lg

    • Danke, Friederike. Das mit der „Korrektheit“ geht mir sowieso zunehmend auf den Zeiger (siehe Yushkas Artikel von heute). Jeder wie er mag, so lange es keinem schadet. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  7. Deine Rosenkohlvariante des Tages würde ich definitiv nicht vom Teller schubsen. Vor allem die Gnocchis nicht. Ich habe die noch nie richtig hinbekommen. (Kein Wunder bei erst einem Versuch) 😉

    • Ich deine auch nicht. 😉 Nach diesem Rezept (und den anderen, die ich gepostet habe) funktionieren die Gnocchi tadellos! Die Basilikum-Variante ist auch richtig schön und vielleicht etwas saisongemäßer. 🙂

  8. Normalerweise bin ich küchentechnisch ja ziemlich saisonorientiert und auch relativ stur, was das anbelangt 🙂 Aber wenn ich mir deinen Teller so anschaue, kriege ich gerade richtig Lust darauf! Vor allem auch, weil ich Marroni-Gnocchi tatsächlich noch nie probieren durfte! Wandert auf die Nachkochliste bis spätestens im kommenden Herbst 😉

    • Man kann alles „ins rechte Licht“ rücken. 😉 Ich bin normal auch sehr saisongeprägt, obwohl mich heute wirklich nach einem kräftigen Gulasch gelüstet. Leider ist das Fleisch noch im Eis, das wird also nicht. Hilfe, was koche ich bloß. 😉

  9. Rosenkohl geht immer – in dieser Kombination ist es der letzte Gruß vom Winter. Nun sei wohlgemut, denn der Spargel kommt bald. Gestern hatte ich die ersten Spargelstangen des Jahres, so ganz pur mit einem Buttersößchen. Wo ich ihn herhabe? Keine 10 Fahrminuten von mir, wird bereits der erst gestochen – die Hügel waren fast immer unter einer Folie. Das ist eh klar. Es war ein Genuss.
    Liebe Grüße
    Toettchen

    • Danke, Toettchen. Er ist ja jetzt auch alle und ich plane nicht, vor dem Herbst neuen zu kaufen. Ich beneide dich um die warmen Spargeljagdgründe. Hier habe ich bislang erst grünen Spargel aus Spanien gesehen und den muss ich nicht haben.
      Liebe Grüße,
      Eva

  10. Ein paar Maronen hätte ich auch noch zuhause… Um den Rosenkohl machen wir, nach wie vor einen großen Bogen, aber der Rest *seufz* Am Wochenende wird das zeitlich nix, mal schauen, wie das Wetter nächste Woche wird, vielleicht stürze ich mich dann in die Maronen-Gnocchi-Produktion 🙂

    Und die Tage war es zumindest bei uns noch mal ordentlich kalt – da kann man auch „Winter“-Soulfood genießen 😀

    • Ich weiß auch, was du am Wochenende zu tun hast. 😉 Macht ja nichts, das Püree läuft nicht weg. Einzige Schwierigkeit: was nehmen statt Rosenkohl als Begleiter. Ich habe schon einiges getestet (Rotkohl + Wurst, buntes Wurzelgemüse mit Backpflaumen), aber alles war nicht 100%ig stimmig. Bin also gespannt, was dir dazu einfällt. Und ja, kalt ist’s noch, soll am Wochenende besser werden. 🙂

  11. Also die aktuellen Temperaturen da draußen rufen eher nach wärmendem Rosenkohl als nach frischen Frühlingskräutern, bibber 😉 Außerdem hat der Rosenkohl sehr wohl noch Saison – gerade gestern fischte ich welchen aus meiner Bio-Abokiste (und die Röschen kommen direkt vom Feld hier in der Region). Also alles im Lot, liebe Eva 😉 Und Maronen-Gnocchi müssen auch unbedingt auf meine Gnocchi-Nachkoch-Liste (um den 37 anderen Gesellschaft zu leisten).

    • Danke, Antje. Ich war tatsächlich zu faul zu recherchieren, ob’s noch frischen Rosenkohl gibt. 😉 Die Gnocchi habe ich tatsächlich erst letzte Woche gemacht, obwohl’s ja Frühling ist, aber mir war danach, lässt sich nur schwer „verkaufen“, wenn alle im Bärlauchwahn schwelgen. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s