Quiche as Quiche can

linsenquiche 1Bei den Quiches, die ich in meinem bisherigen Leben gekostet und/ oder zubereitet hatte, störte mich immer eins, der Boden. Entweder bestand er aus fettig durchgeweichtem Mürbeteig oder aus ebenso fettig durchgeweichtem Blätterteig. Deshalb hakte ich nach einigen Versuchen das Thema „Quiche“ für mich ab und hielt mich an Pizza. Wobei es auch dort Varianten, wie die klassisch italienische, gibt, die ich einfach nicht hinunter bringe. Kürzlich, in Berlin, aß ich abermals eine solche, wagenradgroß. Gewiss, der Rand war knusprig, der Belag wohlschmeckend, aber in der Mitte war sie matschig, wirkte auf mich nicht durchgebacken genug. Mag sein, dass das so gehört, aber bitte nicht auf meinem Teller. Verständlich also mein Unbehagen, als Herr H. mir verkündete, er wolle die Linsen-Quiche unbedingt zubereiten. Er sah mich jedoch so flehentlich an, dass ich ihm den Wunsch nicht abschlagen konnte. Linsen-Quiche also.

Für den Hefeteig (reichte für eine 26er + eine 10er Tarteform) :

  • 200 g Weizenmehl 550er
  • 130 g Wasser
  • 10 g Weizensauerteig, aufgefrischt (war gerade da, kann aber auch weg gelassen werden)
  • 2 g Hefe
  • 4 g Salz

Ich knetete alle Zutaten von Hand ca. 10 Minuten lang, bis sich ein halbwegs ordentliches Klebergerüst gebildet hatte. Dann legte ich den Teig abgedeckt für 2 – 3 Stunden in eine Schüssel und dehnte und faltete ihn zwischendurch zwei Mal.

Für die Füllung:

  • 150 g braune Linsen, am Vorabend eingeweicht
  • 1 Lorbeerblatt
  • 2 Stangen Staudensellerie, in Brunoise geschnitten
  • 1 Möhre, in Brunoise geschnitten
  • 1 Lauchzwiebel, in feine Ringe geschnitten
  • 1 mittelgroße orange Chili, fein gewürfelt
  • 450 g Fleischbrühe (ich: Wasser)
  • 1 knapper TL Salz, Pfeffer (ich: Kubeben)
  • 3 Eier Gr. L
  • 150 g Saure Sahne
  • 50 g Crème Fraîche
  • 1 EL Honig
  • 1 EL mittelscharfer Senf
  • Petersilie, fein gehackt, nach Belieben
  • 1 Kohlwurst, gehäutet, in Scheiben geschnitten
  • 1 große Handvoll Käse, gerieben (ich: mittelalter Gouda)

zutaten serieNachdem ich mich dem meditativen Schneiden der Brunoise gewidmet hatte, goß ich die eingeweichten Linsen in ein Sieb und spülte sie gründlich ab. Dann erhitzte ich etwas Öl im Topf, schwitzte die Brunoise einige Minuten darin an, fügte die Linsen hinzu und goss das Wasser an. Bereits nach einer halben Stunde hatten die Linsen das Wasser vollständig aufgenommen und waren gar. Normalerweise brauchen meine braunen Linsen dafür mindestens eine Dreiviertelstunde, das Einweichen scheint sich zu lohnen, zumal sich beim Aufkochen auch nicht so viel Schaum bildete wie üblich. Ich gab die Linsenmischung in eine Schüssel und ließ sie abkühlen.

Inzwischen war auch Herr H. heimgekehrt. Er gab die restliche Zutaten in eine Schüssel, rührte sie glatt und gab die ausgekühlte Linsenmasse hinzu. Ich hatte in der Zwischenzeit den Teig ausgerollt, die Formen gefettet und den Teig hinein gelegt. Dort durfte er noch eine Viertelstunde gehen.

füllen serieIch heizte den Backofen auf 180°C vor, verteilte die Linsenmasse auf dem Teig, steute den geriebenen Käse darüber und legte die Wurstscheiben auf. Kohlwürste sind in der Regel kräftig geräuchert, falls man auf sie verzichten möchte, kann man einige Prisen Rauchpaprikapulver auf die Füllung geben. Ich schob die beiden Formen in den Backofen und räumte auf. Herr H. bearbeitete derweil die Fotos. Nach einer halben Stunde durchzog ein unwiderstehlicher Duft die Wohnung. Da der Käse noch recht blass wirkte, erhöhte ich die Temperatur auf 200°C. Nach weiteren 10 Minuten waren die Oberflächen kräftig gebräunt. Ich nahm sie aus dem Backofen und ließ sie ein wenig abkühlen.

linsenquiche 2Fazit: Auch dieses Mal war das Fotografieren wieder etwas quälend. Ich richtete derweil einen Tomaten-Avocado-Salat. Dann konnten wir endlich essen. Der Boden, dass hatte ich bereits gesehen, als ich das Fotostück heraus schnitt, war knusprig, gut gelockert und komplett durchgebacken. Kein Klitsch, herrlich. Ich kostete den ersten Bissen und war absolut begeistert. Saftige Füllung, ausgewogener Geschmack, knuspriger Boden und eine herzhafte Rauchnote. Auch Herr H. verdrehte genießerisch die Augen. Natürlich konnten wir nicht alles aufessen. Die beste Nachbarin bekam das übrige Drittel der großen Quiche und Herr H. nahm die kleine am nächsten Tag mit zur Arbeit. Beide bestätigten, dass die Quiche auch kalt noch umwerfend schmecke. Und für mich steht fest, es wird definitiv öfter Quiche geben!

Sehr frei nach: Linsen – Das Kochbuch Achim Schweekendiek, Barbara Lutterbeck

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28 Gedanken zu „Quiche as Quiche can

    • Danke für den Tipp, Sabine. Aber auch dort: einfach zuviel Butter. 🙂
      Und ich hatte es ja schon bald vermutet, dass du der saftigen Seite angehörst, shame on you! 😉

  1. Ich mag ja Quiches mit jedwedem Teig, Hefeteig liegt mir in der Zubereitung mehr als der salzige Mürbeteig der sich mir wiederspenstig zeigt. Mit dem Durchmatschen hab ich auch selten Probleme…

    • Den Mürbeteig habe ich nun endlich bezwungen, allein ich mag ihn für solche Zubereitungen einfach nicht. Hatte heute gerade die 2. Quiche mit Hefeteig, Rosenkohl und Kohlwurst – sagenhaft! 🙂

  2. Der Quicheteig aus Hefeteig erinnert mich an den Boden, den wir immer für den Zwiebelkuchen verwenden und den ich vor Kurzen auch für einen Sauerkrautkuchen verwendet haben. Wobei ich ja Mürbeteig bei Quiches auch sehr gerne mag, vor allem wenn ein Anteil Einkornmehl dabei ist :-)…Liebe Grüße Melanie

    • Sauerkrautkuchen? Klingt nach einer echten Alternative zur Suppe von Andy – oder ich muss eben noch einmal mehr Kraut kaufen. Für Zwiebelkuchen hingegen bin ich nicht unbedingt zu haben, ist irgendwie zu eintönig.
      Liebe Grüße,
      Eva

    • Wie, keine Quiche im Hause „Magentratzerl“? 😉 Naja, mit Hefeteigen hast du ja keine Schwierigkeiten und das mit dem Mürbeteig ist auch gar nicht so schwer, selbst ich habe es nach einigen Versuchen gemeistert!

  3. Wow! Auf die Idee, Germteig für Quiche zu verwenden, bin ich noch nicht gekommen. Muss ich einmal probieren.

    Ab die Sache mit den unerfreulichen Böden kannte ich auch. Bei mir waren es ein paar Tipps, die mich mit dem Mürbteig versöhnt haben: Gewürze bereits in den Teig einarbeiten, das mache ich je nach Quiche unterschiedlich. Den Teig blind backen, dann den Boden mit Eigelb einstreichen, nur für 1-2 Minuten so ins Rohr schieben, damit das Ei stockt und eine Trennschicht zwischen Boden und Fülle macht. Nun hab ich auch immer gute Mürbteigböden, die einerseits schmecken und andererseits nicht durchweichen.

    • Danke, Susi. War ja gar nicht meine Idee, aber sie ist auf jeden Fall gut!
      Dass mit dem Ei werde ich mir für den nächsten Käsekuchen merken. Bin gespannt, ob es klappt, aber wenn du es sagst. 🙂

  4. Ich nehme für eine Quiche Mürbeteig, der wird blind vorgebacken. Aber was mich mehr interessieren würde, wäre der flehende Blick vom Herrn H.
    Einen schönen Sonntag wünscht
    Toettchen

  5. Wie alle anderen Kommentarorinnen vor mir wundere auch ich mich über den Hefeteig. Da ich ja aber Dingen immer gern auf den Grund gehe, habe ich mal nachgeschaut: Die klassische Quiche wird mit Mürbeteig zubereitet, die Ursprungsvariante der Quiche Lorraine aber hatte einen Brotteig als Unterlage – also einen Hefeteig. Ich habe mich gedanklich noch nicht entschieden, ob ich deine Quiche vielleicht doch eher mit Mürbeteig zubereiten würde. Für den Hefeteig spricht aber ganz klar der etwas leichtere Charakter zu der ja recht gehaltvollen Füllung. Die Füllung wiederum gefällt mir sehr. Und in der vegetarischen Variante könnte ich mir Scheiben vom Scamorza statt Kochwurst bestens vorstellen.
    Genieße den Sonntag! Lieben Gruß, Antje

    • Du hast den gleich Wiki-Artikel gelesen. 😉 Scamorza ist überhaupt eine großartige Idee. Ich habe noch eine Kugel aus Südtirol im TK, die wandert definitiv auf die Quiche. Danke! Ich hoffe, du hattest bislang einen schönen Sonntag. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  6. Bei mir wird immer eher der Hefeteig kletschig 😉 Aber mit Mürbteig funktioniert das ganze sicher auch. Nur für den Staudensellerie muss ich mir einen Ersatz überlegen, den mag ich nicht so. Ansonsten klingen Linsen + Wurst super!

    • Liegt vielleicht am Teig. Ging mir früher bei Pizza auch so. Seit ich mit Vorteigen und sehr wenig Hefe arbeite, ist es plötzlich kein Thema mehr. Staudensellerie? Knollensellerie geht sicher auch. 🙂

  7. Genau wie Cheriechen finde ich es auch interessant, dass du einen Quicheboden aus Hefeteig machst; meine waren bisher immer aus Mürbeteig und eigentlich auch immer gut durchgebacken und nicht ‚matschig‘ – aber Hefeteig wäre doch figurfreundlicher, muss ich also mal testen.

    Die Linsenfüllung mal was ganz anderes, aber da ich Linsen sehr gerne mag …..=danke fürs Rezept!

    • Gerne, Eva. Ich weiß nicht, wie ihr das hinbekommt mit dem Mürbeteig. Bei mir klappt es nicht, egal ob mit oder ohne Blindbacken. Was soll’s, in Zukunft setze ich eben einfach auf den bewährten Hefeteig. 🙂 Und, ja, die Füllung ist wirklich super!

  8. Eine Quiche mit Hefeteig, das ist mal etwas anderes. Auf alle Fälle leichter, da ja die Buttermenge fehlt. Wobei meine Böden immer durchgebacken sind, spätestens dann, wenn ich „blindbacke“. Die Füllung mit den Linsen und der Wurst obendrauf klingt sehr deftig und lecker!
    Einen schönen Sonntag euch!
    Cheriechen

    • Ja, ich glaube, das ist es auch, was mir gut daran gefällt, die Leichtigkeit. Mürbeteig als Sättigungsbeilage hat irgendwie etwas „dekadentes“. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

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