Comme il faut

brioche 16Viel fand ich auf die Schnelle nicht über die Geschichte des ei- und butterreichen Gebäcks heraus. Es stamme nicht, wie vermutet aus Paris, sondern aus der Bretagne, aus der eben auch die besonders gute Butter komme. Ich aß sie einst vor Ort und war hingerissen von der luftigen Kompaktheit und dem buttrigen Geschmack und dann vergaß ich sie wieder. Es gibt einfach zu viele andere Dinge, denen man sich widmen kann. Letzte Woche postete Mari ihren Artikel über das wundervolle Gebäck (eine Brioche Nanterre) und ich erinnerte mich an Geruch und Geschmack und hatte das sofortige Bedürfnis, mir ein Stückchen abzubrechen. Das ging natürlich leider nicht. Also trollte ich mich in die Küche, der derzeitige Ei-Überschuss musste zudem abgebaut werden, und holte am nächsten Vormittag ein wunderbar duftendes Gebilde aus dem Backofen. Da sie noch abkühlen mussten und der Geruch sich verlockend in der ganzen Wohnung verteilt hatte, machten Herr H. und ich uns noch zu einem Spaziergang auf.

Für die Brioche nach Bertinet via Plötzblog:

  • 500 g Weizenmehl 1050er (ich: je 250 g 550er und 1050er)
  • 50 g Zucker
  • 15 g Hefe
  • 10 g Salz
  • 350 g Ei (ca. 6 Stück)
  • 250 g Butter
  • Ei zum Bestreichen

brioche serieDie Zubereitung des Teiges ist denkbar einfach. Man sollte allerdings darauf achten, die Zutaten möglichst kalt zu verarbeiten. Zunächst gab ich alle Zutaten bis auf die Butter in die Rührschüssel der Maschine und ließ sie ca. 10 Minuten auf langsamster Geschwindigkeit zu einem homogenen Teig verkneten. Dann gab ich die kalte Butter würfelweise hinzu und ließ die Maschine dabei weiter kneten, bis die gesamte Butter eingearbeitet war und der Teig sich teils vom Schüsselboden löste. Ich formte den Teig zur Kugel und ließ ihn ca. 2 Stunden bei Zimmertemperatur gehen. Dann dehnt und faltete ich ihn in der Schüssel, teilte ihn in zwei Hälften und stellte eine abgedeckt für 12 – 14 Stunden in den Kühlschrank. Die andere Hälfte fror ich ein.

Am nächsten Morgen ließ ich den Teig ca. 1 Stunde lang Raumtemperatur annehmen. Dann teilte ich 6 Stücke à 85 g ab und formte sie zunächst zu Kugeln und dann zu länglichen „Brötchen“. Ich legte sie in die gefettete Kastenform (unten gemessen 18 x 8 x 7cm), bepinselte die Oberfläche mit verquirltem Ei und ließ die Form abgedeckt ca. 2,5 Stunden stehen. Aus dem restlichen Teig formte ich eine größere und eine kleinere Kugel, die ich aufeinander in die kleine Tartform (10cm) setzte, daraus wurde beim Backen der „schiefe Turm von Pisa“.

Nach der Gehzeit hatte der Teig fast den Rand der Form erreicht, sprich sein Volumen mehr als verdoppelt. Ich bepinselte die Oberfläche erneut und schob die Form für 30 Minuten in den auf 190°C vorgeheizten Backofen. Und staunte. Der Laib wurde größer und größer und ragte schließlich um ein Drittel der Höhe aus der Form hinaus. Hammer. Nach dem Abkühlen, versuchte ich die Brioche aus der Form zu lösen, aber leider hatte sich die Eistreiche untrennbar mit ihr verbunden, obwohl ich großzügig gebuttert hatte. Nächstes Mal noch besser buttern und eventuell mit Gries ausstreuen!

brioche serie 2Fazit: Aber das war auch schon das einzige Manko dieses unglaublich süchtig machenden Gebäcks. Die niedrige Zuckermenge lässt durchaus einen herzhaften Belag zu und die Scheiben schmeckten auch am nächsten Tag (ungetoastet) noch genauso wie am ersten Tag. Ich bin gespannt, wie der eingefrorene Teig sich verhalten wird und werde berichten. Auch die beste Nachbarin war schwer begeistert von der „wie hieß sie gleich nochmal“. Wann ich die denn mal wieder backe. Mal sehen. Es sind immer noch über 20 Eier da.

Nachtrag:

Die zweite Teighälfte ließ ich ca. 3 Stunden bei Raumtemperatur auftauen und legte sie dann über Nacht in den Kühlschrank. Am nächsten Morgen ließ ich den Teig eine Stunde lang Raumtemperatur annehmen. Dann teilte ich ihn in 12 Portionen à 50 g und formte kleine „Schnuller“daraus. Das lange Ende führte ich von unten durch das Loch, et voilà, eine Mini-Brioche!

minibri serie 2Ich legte die Teiglinge in die gebutterte und mit Gries ausgestreute Muffinform und ließ sie ca. 3 Stunden gehen. In der Zeit hatten sie ihr Volumen bereits mehr als verdoppelt. Ich heizte den Backofen auf 190°C vor, bepinselte die Teiglinge mit verquirltem Ei und buk sie ca. 20 Minuten. Die fertig gebackenen Brioche ließen sich anstandslos aus der Form lösen. Dadurch, dass beide Teigenden noch miteinander verbunden waren, bildete sich ein perfekte Brioche-Form. Nach dem Auskühlen kosteten wir und seuzfen. Kann denn Butter Sünde sein? Auch die Schwiegereltern waren schwer angetan vom Wohlgeschmack der Mini-Brioche. Gut zu wissen, dass der fertige Teig sich problemlos einfrieren und weiterverarbeiten lässt!

minibri serie 1

Advertisements

42 Gedanken zu „Comme il faut

  1. So, Frau kochpoetin, ich habe die Brioche nachgebacken und der einzige Fehler war, dass ich bis Ostern damit gewartet habe.
    Das gehaltvolle Dingelchen war sehr, sehr lecker, kein Wunder bei den guten Zutaten. Habe etwas variiert, denn ich habe einen Würfel frische Hefe genommen, ihn in 50 ml lauwarmer Milch aufgelöst.
    Danke für das feine Rezept!

    • Danke, Richensa. Ja, man sollte nie lange mit der Umsetzung seiner Pläne warten, sonst ist es irgendwann womöglich zu spät. Aber du warst ja auch auf Reisen. Freut mich, dass sie geschmeckt hat!

  2. eine briocheliebhaberin. eine, die richtig anständige eier verwendet. ich habe hier also noch viel zu lesen. danke fürs kommentieren, sonst wäre ich jetzt nicht hier gelandet.

    • Und was für eine. 🙂 Das mit den Eiern war reine Glückssache. Ich kannte den guten Geschmack von den Eiern des Nachbarn meiner Mutter und habe mich kopfschüttelnd durch sämtliche kaufbaren Bio-Eier geschmeckt. Taugt alles nix. Viel Freude noch beim Stöbern und liebe Grüße,
      Eva

  3. Oh wie wunderbar liest sich das… wobei die Vorgehensweise so ähnlich ist wie ich neulich die pain Chocolat brioche hatte und ich war schon da fasziniert wie die viele Butter in diesen Teig geht! Als Brioche ohne Chocolat und mit einer Scheibe Käse oder Brie kann ich mir das super vorstellen, noch ein Klacks Orangenmarmelade dazu. Hmmm.

  4. Dein tolles Rezept habe ich zu spät fürs Sonntagsfrühstück gelesen. Aber der nächste Sonntag kommt bestimmt. Ich werde es mal mit Einkorn probieren…

  5. Ein halbes Pfund Butter und sechs Eier auf ein Pfund Mehl ist natürlich schon eher ein ‚Kuchen‘ als ein ‚Brot‘. Braucht es da wirklich noch Belag? Sieht wunderbar aus.

  6. Das sieht nach einem wunderbaren Vorschlag für das Osterfrühstück aus. Frau muss ja schließlich planen…
    Bislang habe ich eher die klassischen Hefezöpfe gemacht, aber deine Brioche ist eine prima Alternative.

  7. Toll sieht sie aus, Deine Brioche, liebe Eva! Deine Erfahrungen mit dem Einfrieren des Teigs würde mich interessieren – ich backe immer mal wieder Vollkorn-Brioche und fänd’s durchaus praktisch, nur einmal die bei meinem Rezept sehr lange Knetprozedur zu haben, aber danach zweimal backen zu können…

  8. oh, Brioches! Sie stehen bei mir auch noch auf der Do-it-again-Liste, allerdings mit einem Rezept mit Sauerteig und Übernachtgare. Da bin ich dann nie so spontan!
    Deiner sieht perfekt aus! Klasse…
    Liebe Grüße
    Cheriechen

  9. Eine Brioche steht für mich bzw. für den Signore auch schon länger auf der Wunschliste und deine schaut köstlich aus und liest sich auch einfach in der Zubereitung. Nun warte ich noch ab, wie das Nachbackergebnis bei dir aussieht, wenn du vorher die Form mit Gries ausstreust, denn mit dem Klebenbleiben in der Form liest sich das schon wieder kompliziert. So lasse ich dir den Vortritt – danach folge ich dir gerne 😉

  10. Ah, da ist ja dein Briochebrot. Immer wieder toll zu erleben, wie so ein Teig an Volumen zunimmt.
    Und deiner ist wirklich schön gewachsen.
    Liebe Grüße aus Berlin,
    Mari

    • Danke, Mari. Ja, ich war absolut von den Socken. Zuerst dachte ich, naja, so richtig dolle sind die geformten Teiglinge ja nicht gewachsen, aber dann im Ofen – Hammer!
      Liebe Grüße,
      Eva

  11. Brioche kann ich immer essen! Vor allem Sonntagsfrühstück ohne Brioche ist nur das halbe Vergnügen. Das mit dem Pickenbleiben in der Form kenne ich allerdings auch. Sogar in einer beschichteten Form zeigt mir Brioche oft die lange Nase. Das ist auch der Grund, warum ich noch nie ein Rezept verbloggt habe, weil ich immer Bestandteile aus der Form raushole.

    • Das war tatsächlich meine erste, Susi. Aber ich bin schwer angefixt. 🙂
      Das mit dem Klebenbleiben liegt ganz sicher am Eigelb von der Streiche. Mal sehen, ob es mit mehr Butter und zusätzlicher Begriesung klappt. Ich werde berichten!

  12. So. Jetzt. Habe. Ich. Hunger. 🙂
    Sieht wirklich lecker aus. Und ich bewundere eure Standhaftigkeit. Ich hätte es wohl nicht geschafft, dem guten Stück den Rücken zu kehren und es abkühlen lassen….

    • Danke, Sarah Maria. Zu früh gefrühstückt? 😉
      Und ohne Standhaftigkeit würden wir bald nicht mehr durch die Haustür passen, bei dem was wir ständig so herstellen. 🙂

  13. Ah, Brioche! Mein absolutes Lieblingsbrot! Das Rezept muss ich unbedingt nachbacken, Eva. Wie immer ist dir das Brot ganz wunderbar und appetitlich gelungen. Danke für das tolle Rezept. Der Drucker läuft schon 😉
    Liebe Grüße Maren

    • Danke, Maren. Aha, was für den einen Kuchen ist, ist für den anderen Brot. 😉 Ich war aber auch wirklich schon nach dem ersten Stückchen absolut süchtig. Gutes Gelingen!
      Liebe Grüße,
      Eva

  14. Schaut wirklich großartig aus! Nix für mich, wegen der vielen Eier, aber ich werde mir das Rezept gleich mal ausdrucken – sicherlich ein perfektes Gebäck als Mitbringsel für den Osterbrunch 😀

    Ob man noch Rosinen rein mogeln könnte? Der Italiener würde mir sicherlich die Füsse dafür küssen 😉

    • Danke, Sandra. Einen Zopf kann man gewiss auch gut daraus flechten, wobei der Teig ja einen unglaublichen Tieb entwickelt. Ich weiß also nicht, ob die Form dann noch erkennbar wäre. Und Rosinen? Klar, erlaubt ist, was gefällt. 😉

  15. Wirklich ‚comme il faut‘!! – Könnte ich auch mal wieder backen, gut, dass du mich erinnerst! – Ich frage mich immer wieder bei euren Fotos, wie ihr es schafft, so direkt von ‚oben drüber‘ zu fotografieren? Das bedarf doch eines sehr hoch gestellten Stativs oder ihr müsst die Schüsseln sehr tief stehen haben oder ich denke wieder vollkommen falsch?!

  16. Das ist ein Genuss für den Sonnntagmorgen! Ja, so etwas behalte ich mir für eine ruhige Stunde (oder zwei oder drei) im kleinen Kreise auf. Dazu leckere Konfis und Honig und der Tag wird perfekt.

    • Ja, genau. Für Sonntag werde ich die zweite Hälfte des Teigs auf dem Kälteschlaf erwecken. 🙂 Mir schmeckt übrigens ein Scheibchen mit Käse auch ganz vorzüglich.

  17. Ich erinnere mich daran diese Art Kuchen schon gegessen zu haben. Mit Butter und Marmelade. Lecker! Das ist schon einige Jahre her. Aber dein Bericht ist wie immer spannend zu lesen. Hätte ich den geschrieben, so wäre es wieder „großes Kung Fu“ geworden. 😉

  18. Der sieht extrem lecker aus! Aber warum sollen die Zutaten kalt verarbeitet werden? Ich kenne das mit Hefeteig eigentlich genau anders herum: Möglichst alles auf Zimmertemperatur. Aber es scheint ja funktioniert zu haben 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s