Wie es zum grünen Huhn kam

huhn 9Kürzlich, ich wollte gerade ein Salat-Dressing zusammen rühren, stellte ich fest, dass der Senf, der im Kühlschrank wohnt, verschwunden war. Ich ging noch gut gelaunt zum Vorratsschrank, da ich felsenfest davon überzeugt war, rechtzeitig für Nachschub gesorgt zu haben. Ich fand Masa Harina (schon seit über einem Jahr abgelaufen), getrocknete Azuki-Bohnen (noch bis zum Juni haltbar), grünes Pesto aus Südtirol (falls man mal ganz schnell Nudeln essen wollte), Hafergrütze (schon seit zwei Jahren abgelaufen) und vieles, vieles andere mehr, aber keinen Senf. Mist, ich hatte doch ganz sicher welchen gekauft, oder? Mit gesunkener Laune improvisierte ich rasch das Dressing. Herr H. sah mich erstaunt an. Ich umriss das Problem mit wenigen Worten und er beschied sogleich, alle Vorräte aufbrauchen, also zumindest die, die nicht regelmäßig benutzt werden, inklusive der Gefrierschrankinhalte. Das sei doch ganz einfach, deswegen müsse man doch den Kopf nicht hängen lassen und als erstes müsse eine Hühnerbrust weichen.

Für das Huhn Harra Masala*:

  • 2 mittelgroße Zwiebeln, in feine Streifen geschnitten
  • Öl zum Frittieren
  • 4 kleine grüne Chilis
  • 1/2 Bund Minze, grob zerkleinert
  • 1/2 Bund Koriandergrün, grob zerkleinert
  • 25 g Cashewkerne
  • 100 g Joghurt
  • 1 TL fein geriebener Ingwer
  • 1 TL fein gehackter Knoblauch
  • 1/2 TL Salz
  • 1/2 Hühnerbrust ohne Haut (ca. 500 g), in ca. 4cm große Stücke geschnitten

masala serieAls erstes erhitzte ich Rapsöl in der Wokpfanne, ca. 2cm hoch. Darin fritttierte ich in 10-15 Minuten die Zwiebelstreifen goldbraun und ließ sie anschießend in einem Sieb über einer Schüssel abtropfen. Immer wieder faszinierend, wie aus den schlaffen braunen Zwiebelstreifen nach dem Abkühlen knusprige Köstlichkeiten werden. Herr H. bereitete Kräuter und Gemüse vor und gab alles zusammen mit den Cashews und dem Joghurt in den Zerkleinerer. Ich fügte etwa die Hälfte der Röstzwiebeln hinzu und ließ alles zu einer feinen Paste zerkleinern, die übrigens nicht so grün wurde, wie auf dem Foto in dem Buch, was vermutlich am Joghurt lag.

Für die trockene Gewürzmischung:

  • 1/2 TL Zimt
  • 2 grüne Kardamomkapseln, Hülse entfernt
  • 4 schwarze Pfefferkörner
  • 1/2 TL Kreuzkümmelsamen
  • 1 TL Koriandersamen

masala pulver serieNach kurzen Rösten mahlte ich die Gewürze und rührte sie in die grüne Masala. Eigentlich sollte das Huhn eine halbe Stunde darin im Kühlschrank marinieren. Aber ich verzichtete darauf, da es danach angebraten und das Masala erst ganz zum Schluss kurz mitgegart wird. So hoffte ich, das schwache Grün erhalten zu können. Ich erhitzte Butterschmalz in der Wokpfanne, briet die Hühnerwürfel darin an und gab ca. 200 g Wasser, etwas Salz und eine Prise Kurkuma hinzu. Nun durften die Würfel unbedeckelt ca. 10 Minuten garen. Dann rührte ich die Masala unter, goß einen Schuss Sahne an und ließ alles noch einige Minuten leicht köcheln, bis die Konsistenz cremig war.

Herr H. hatte inzwischen den Basmati-Reis gegart und noch etwas Gemüse für uns gedünstet. Ich schöpfte das grüne Huhn in Schalen und garnierte mit Tomatenvierteln und Röstzwiebeln. Es roch wieder einmal so gut, dass das Fotografieren für Herrn H. zur Qual wurde.

huhn 1Fazit: Auch wenn das Masala eher olive als leuchtend grün war, schmeckte es einfach nur großartig. Ich hatte angenommen, dass so viel Minze und Koriander jeden anderen Geschmack überlagern würden, aber durch das kurze Erhitzen war ihre Dominanz gemildert worden und sie verbanden sch perfekt mit dem Rest. Selten habe ich ein so ausgewogenes, feines indischen Gericht gegessen! Wir vertilgten tatsächlich alles bis auf das letzte Stückchen Huhn. Dabei kommen wir ansonsten locker mit der Hälfte an Fleisch aus. Somit ist ein Stückchen Platz gewonnen und wir können uns nun den nächsten Mohikanern widmen.

Aus: Die indische Küche – Originalrezepte aus dem Land der Gewürze Kumar und Suba Mahadevan

*“Hähnchen mit Koriander und Minze. Ein Klassiker aus Nordindien mit frischen grünen Kräutern und einer unterschwellig würzig-pikanten Note. Diese Kombination gibt dem Gericht einen frischen, leichten und anregenden Anstrich. Harra bedeutet schlicht grün.“

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37 Gedanken zu „Wie es zum grünen Huhn kam

  1. Sieht sehr lecker aus und schmeckt auch sicher so. Ich liebe indisches Essen, zumal ich schon zweimal in Indien war. Wenn ich Appetit darauf habe, koche ich lieber selber, da es leider in den meisten Restaurants nicht wirklich indisch schmeckt…schade eigentlich..

    Liebe Grüße
    Lisa

    • Hey, da hast du mir definitiv etwas voraus. Ich kann mich dem „Originalgeschmack“ nur durch Bücher nähern und weiß noch nicht einmal, ob es wirklich klappt! Essen gehe ich generell nicht mehr gern, habe in den letzten Jahen selten Gutes in einem Restaurant erlebt, eben, schade eigentlich. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  2. Das mit dem grossen Huhn ist auch mein Kommentar! Dann wurde das bereits geschrieben, aber weil ich sonst nur wiederhole, wie schön gemacht und gut geschrieben der Beitrag sei, alle Beiträge hier immer sind, liess ich es beim grossen Huhn bewenden.

    • Wer zu spät kommt… 😉
      Das Huhn wird von der Schwiegermutter einer Arbeitskollegin von Herr H. gepäppelt, sie hält immer nur zwei, drei Dutzend und die scheinen recht lang zu leben. Vom Fleisch her (schön ausgeprägte Muskelfasern) das Beste, was ich je bekam.

  3. Ich kann mich nur immer wiederholen: deine Art zu schreiben ist eine ganz besondere, die Art, wie ihr alle einzelnen Zutaten so hübsch fotografiert, aber auch die Rezeptauswahl = einfach etwas Besonderes, euer Blog!

    • Danke. Magst du keinen Koriander? Das ist überwindbar, ich habe ihn bis Anfang letzten Jahres auch zutiefst verabscheut und jetzt liebe ich ihn!
      Zu den Vorräten: ich hoffe, den Club bald wieder verlassen zu können und ich kann sehr diszipliniert sein. 😉

  4. Boah, bin gerade etwas neidisch auf deine frischen Kräuter. Bekomme ich hier am Stadtrand für spontane Nachkochgelüste leider nicht zusammen und ehe auf Balkonien was wächst, dauert noch viel zu lange. Und grüne Chilis fehlen mir sowieso immer. Was mach ich jetzt nur???? 😉

    • Es muss ja auch irgendeinen Vorteil haben, so mitten drin zu wohnen. 😉 Dafür kann ich hier nichts sammeln, was am Boden sprießt, weil es gefühlte 3 Millionen Hunde gibt…
      Ich schlage vor, du machst einen „Ausflug“ in die Stadt und deckst dich für’s Wochenende ein. Grüne Chilis gibt’s bei unserem Asia-Laden mit roten gemischt, bei euch doch bestimmt auch?

  5. Oh, das grüne Huhn ist klasse…was so alles werden kann, aus Dingen, die weg müssen… 🙂
    Aber mir geht es wie dir. Ihc bin auch oft felsenfest überzeugt, das ich doch (bitte etwas passendes einsetzen) gekauft habe, und dann finde ich….reden wir nicht drüber 😉

    • Danke, Susanne. Es war wirklich überraschend anders, von dieser Seite kannte ich „die“ indischen Küche noch nicht. Und das mit den Vorräten? Ich gehe das jetzt wirklich ernsthaft an, mal sehen, ob es gelingt…

  6. Das muss an der Jahreszeit liegen (oder daran, dass ich noch nicht außer Haus zum Einkaufen war), denn ich habe auch angefangen, alle Vorräte durchzuschauen und wundersame Lebensmittel gefunden. Jetzt köchelt eine Suppe auf dem Herd aus einer Beinscheibe und drei Markknochen aus dem Tiefkühler.
    Zu Deinem Huhn: ich liebe ebenfalls indisches Essen und will demnächst mit Ingrid zu indischen Freunden. Aber ich glaube nicht, dass die so gut kochen wie Du.
    Liebe Grüße Toettchen

    • Ja, es hat wahrscheinlich was mit Frühjahrputz zu tun, alten Ballast abschmeissen, sich „erleichtert“ zu neuen Ufern aufschwingen. Ich hoffe, es geht dir inzwischen wieder besser und ich hoffe auch, dass eure indischen Freunde hier nicht mitlesen, ich dilettiere doch bloß. 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  7. Es macht mir immer wieder großen Spaß deinen Blog zu lesen. Yuki sogar noch mehr, sie notiert sich immer eifrig Dinge. Dann verbannt sie mich aus der Küche und legt los 😉 Nein, natürlich ist das nur unser üblicher Spaß. Auf diese Weise von dir und einigen anderen netten Bloggern leckere Gerichte zu lernen finden wir supergut! Das gilt es zu vertiefen.

    • Danke, Susi. Das fand ich auch, wollte aber nicht zu sehr darauf herumreiten. 😉
      Ja, die Hühner sind schon der Hammer, aber manchmal ist es eben auch blöd, vor allem, wenn ich es nicht selbst zerlegen kann. Dann bekomme ich alles schon eingefroren und dann sind es eben nur zwei riesige Bruststücke, die für uns eigentlich viel zu groß sind…

  8. Schade, dass alles aufgefuttert ist. Ich hätte gerne auch bei dieser Schrankräumung mitgefuttert.

    Ich finde solche Räumaktionen toll, bei mir kommt dabei immer was leckeres raus. Leider schaffe ich es selten, das Gericht ein zweites Mal so hinzubekommen. Auch wenn ich mir genau notiere, was ich alles reingekippt habe.

    • 🙂 Danke Henne.
      Ja, das ist eine weitere Schwierigkeit, zumal ich meist vergesse, irgendetwas ganz wichtiges zu notieren. Dann sehe ich die Zutatenfotos und bin ganz erstaunt, was ich noch alles verwendet habe. 😉

  9. Das mit der Vorratshaltung kommt mir irgendwie bekannt vor… 😉

    Ab und zu fange ich auch an, die Vorräte aufzubrauchen, bevor sie zu alt werden. Manches hält sich ja sehr lange. Und das, was ich brauche, findet sich da eh nicht…

    Das indische Hühnchen sieht super aus, so schön grün. Mag ich.

    • Danke, Barbara. Ha. So geht es mir auch oft. Ich denke, ich habe wirklich alles und dann kommt das nächste Rezept und, Pustekuchen. Aber jetzt ist erstmal Kaufstopp!

  10. Das klingt sehr lecker und sieht wunderschön aus!

    Und das mit den Vorräten kommt mir bekannt vor. Im „normalen“ Schrank mit Dingen, wie Kokosmilch, Thunfisch oder Mais-Dosen hälte es sich in Grenzen, da verkommt in der Regel nichts.

    Schlimmer ist da der mittlerweile vorhandene Vorrat zum Brotbacken, von Kernen und Samen über sämtlich Varianten an Pseudo-Getreiden und die vielen Mehle… Da habe ich mir angewohnt monatlich auf Entdeckungsreise zu gehen und mir Zutaten, die bald ablaufen, rauszustellen 🙂

    • Danke, Sandra. War es auch wirklich. Ich war die indische Küche ein wenig leid, weil ich es eine zeitlang damit übertrieben habe, aber dieses Harra Masala war wirklich fein.
      Bei den „Durchlaufsachen“ habe ich auch keine Probleme, aber allein die ganzen Gewürze, die man nur seltenst benutzt… da muss auch reduziert werden. Dann gibt es halt nur drei Pfeffersorten. 😉

  11. Das ist ja wirklich komplett grün 😉 Die Kombination kannte ich noch gar nicht, werde das aber bei Gelegenheit mal ausprobieren, das hört sich in jedem Fall sehr lecker an und indisch habe ich sowieso schon viel zu lange nicht mehr gekocht..
    Das mit dem Vorratsschrank kommt mir auch sehr bekannt vor… ich habe letztens festgestellt, dass ich schon die zweite Flasche Orangenblütenwasser besitze, die ich mal wieder spontan irgendwo eingekauft hatte… 😉 Zum Glück ist das Mindesthaltbarkeitsdatum ja meist nicht gleichbedeutend mit „nicht mehr essbar“…

    • Du solltest mal sehen, wieviel grüner es auf dem Foto im Buch ist – da ist garantiert kein Joghurt drin, obwohl er im Rezept steht. 😉
      Das mit dem MHD stimmt, aber wenn Sachen schon zwei Jahre abgelaufen sind… ich arbeite jedenfalls weiter fleißig an der Räumnung! Ein Ziel ist die Abschaltung des Keller-TKs…

  12. Das liest sich gar köstlich, die indische Gewürze-Küche mag ich sehr! Und das Problem mit den Vorratsschränken und vor Allem der Gefrierschrank, oh jeh! Ich hab schon beschlossen keinesfalls mehr frische Früchte einzufrieren- die verbrauche ich nie! Besser gleich Kuchen backen um den dann einzufrieren.

    • Danke, Nini. Ich koche auch viel zu selten indisch, hatte es vielleicht anfangs etwas übertreiben und war es dann leid. Früchte im TK? Jein. Manchmal braucht man sie einfach (für Torten), aber selbst geerntete verarbeite ich immer gleich zu Marmelade. Dann bin ich damit durch und freue mich über jedes Glas. 🙂

      • Ich kann zum Glück inzwischen ganz gut abschätzen, was wir verbrauchen und ein Glas selbst gemachte Marmelade ist auch immer ein gutes Mitbringsel. 🙂

  13. Toll sieht das aus! Auch sehr schön fotografiert! Da läuft mir das Wasser im Mund zusammen! Ich würd statt Rapsöl (ich mag es nicht so gern) Sesamöl nehmen. Würde auch als Gründonnerstagsessen passen, anstatt Fisch 😉 oder Fisch statt Hühnchen? 😉
    lg
    Reni

    • Danke, Reni. Ich habe das Glück, nicht selbst fotografieren zu müssen. 😉
      Und ich habe auch schon über eine Fischvariante nachgedacht, allerdings werde ich wohl nicht bis Gründonnerstag warten. 😉

      • Ah, toll, wenn solche Fotos gemacht werden….ein Profi nehm ich an 🙂
        Ja und Fisch schmeckt immer….warum warten 😉

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