Bolognese auf Chinesisch?

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Gibt es eigentlich das geschmackliche Pendant zum absoluten Gehör? Ich konnte darüber nicht viel in Erfahrung bringen, weiß aber, dass ich definitiv nicht zu den glücklichen Menschen gehöre, die sich Geschmackskombinationen vorstellen können. Rosa Beere und Kardamom? Langer Pfeffer und Basilikum? Keine Ahnung. So muss ich also jedes Mal auf’s neue ausprobieren. Ein gewisser Erfahrungsschatz hat sich im Laufe der letzten Jahre zwar herausgebildet, treten jedoch neue Verbindungen auf, bleibt mir nichts als der Versuch, Scheitern inklusive. Manchmal jedoch, ganz selten, gibt es Rezepte, denen ich schon beim Durchlesen anschmecke, dass sie einfach köstlich sind. Kürzlich passierte mir das bei Pete Evans Spaghetti Bolognese auf chinesische Art. Herr H. war noch nicht nach Hause zurückgekehrt und alle Zutaten waren da, also legte ich schon einmal los.

Für die Spaghetti Bolognese chinesischer Art:

  • 180 g chinesische Weizennudeln
  • 150 g g Rinderhackfleisch
  • 1 kleine Aubergine, in kleine Würfel geschnitten
  • 1 rote Spitzpaprika, in kleine Würfel geschnitten
  • 150 g Edamame (oder Erbsen)
  • 3 getrocknete Shiitake-Pilze, 30 Minuten in heißem Wasser eingeweicht, Stiel entfernt, in feine Streifen geschnitten
  • 1-3 Frühlingsziebeln (je nach Größe), in feine Ringe geschnitten
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 2 EL Ingwer, fein gehackt
  • 1 kleine rote Thai-Chili, entkernt, in feine Ringe geschnitten
  • 35 g Shao Xing (zur Not trockener Sherry)
  • 2-4 EL gelbe Chili-Bohnenpaste (Doubanjiang) (ich: 1 EL rote Thai-Chili-Bohnenpaste)
  • 30 g helle Sojasauce
  • 3 EL Chinkiang Essig (schwarzer chinesischer Essig)
  • 150 g Hühnerbrühe
  • frischer Koriander nach Belieben

zutaten serieAls erstes weichte ich die Shiitake-Pilze ein. Danach bereitete ich das komplette Gemüse vor, stellte die Würzsaucen bereit und hörte den Schlüssel im Schloss. Herr H. hatte sich zumindest einmal erfolgreich vor der Schnippelei drücken können. Neugierig, und natürlich auch sehr hungrig, lugte er in die Küche. Asia, rief er freudig, nachdem er die Zutaten gescannt hatte. Ich solle einen kleinen Moment warten, er hätte noch Fotos zu machen. Ich erhitzte schon einmal etwas Rapsöl in der Wokpfanne, drückte das Hackfleisch platt und briet es beiseitig an. Erst dann zerteilte ich es und fügte Lauchzwiebeln, Ingwer, Knoblauch und Chili hinzu. Nach 2 Minuten gab ich die Gemüsewürfel, Edamame und Shiitake-Streifen in die Pfanne, löschte mit Shao Xing ab und ließ ihn vollständig einreduzieren. Nun goss ich Sojasauce, Essig und Brühe an und gab die Bohnenpaste hinein. Anschließend durfte die Bolognese ca 15 Minuten öffen köcheln. In der Zeit kochte ich die Nudeln nach Packungsanleitung, schreckte sie kalt ab und gab sie zur Bolognese. Nachdem sie sich dort in ca. 2 Minuten erwärmt hatten, verteilte ich alles auf zwei Schalen und bestreute es mit Koriander.

bolo 9Fazit: Herr H. stöhnte leicht während er fotografierte. Es röche so verlockend, dass er sich kaum konzentrieren könne. Endlich konnten wir die Stäbchen in das Essen senken und ich hatte mich nicht getäuscht. Es schmeckte so dermaßen fantastisch, dass wir sofort beschlossen, das Gericht auf unsere Top10-Liste der Lieblingsgerichte aufzunehmen. Einfach, schnell gemacht und sicher nichts, mit dem man Gäste beeindrucken könnte, aber so wohlig köstlich, dass wir es am nächsten Abend fast wieder zubereitet hätten!

Frei nach: Casual Cooking – Kochen für die ganze Familie Pete Evans

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22 Gedanken zu „Bolognese auf Chinesisch?

  1. Ich würde mich auf alle Fälle damit beeindrucken lassen! So ein „schlichtes“ Essen ist mir lieber, als alles andere 🙂 Rezept nehme ich mal mit, vielleicht kann ich den Italiener überzeugen… Wir schwierig, er ist ein totaler Bolognese-Junkie, aber natürlich nur die nach Papas Art 😉

    • Danke, Susi.
      😀 Das habe ich mir gerade bildlich vorzustellen versucht, ich hoffe, du hast für heute noch etwas mindestens genauso köstliches geplant – à propos, oje, was sollen wir bloß heute kochen??? Immer diese Luxusprobleme. 😉

    • Soweit ich es verstanden habe, wird er aus schwarzem Klebreis gemacht. Er ist mild und hat eine leicht karamellige, rauchige Note. Und man kann nach ihm süchtig werden. 😉

  2. Das Gericht muss ja fantastisch schmecken, das kann ich mir beim Lesen der Zutaten und der Zubereitung sehr gut vorstellen, auch ohne absoluten Geschmackssinn 🙂
    Das mit dem Bolognese mag so sein, wie Du schreibst, Eva, hier ist es zumindest so. Die Schälchen und Stäbchen haben für mich japanische Klasse, nicht geschmacklos wie das Chinesenzeug.

    • Das tat es, ich könnte es wirklich mehrmals pro Woche essen, ohne dass mir langweilig würde. 🙂
      Die Schalen kommen wie die Stäbchen (via Stockholm) aus Japan und es stimmt, die, die es hier in den Asia-Läden gibt gefallen mir auch nicht sonderlich.

  3. Was sind das für Gäste, die sich von einem köstlichen Essen nicht beeindrucken ließen? Vielleicht müsste man dem einen oder der anderen alternativ Löffel und Gabel dazulegen, aber dann müsste es doch klappen 😉
    Was den Namen des Gerichts betrifft, bin ich ähnlich empfindlich wie Toettchen. Und ich habe deshalb mal die Bolognese etwas genauer unter die Lupe genommen: Wikipedia sagt dazu, die Sauce hieße ja mit vollständigem Namen „Ragù alla bolognese“ – wobei „bolognese“ eindeutig der Stadt Bologna zuzuordnen ist. Bleibt noch das „Ragù“, was im weitesten Sinne „Schmorgericht“ bedeutet. Mein Vorschlag: Ragù alla cinese! 😉

    • Naja, für Gäste macht man doch meist etwas Aufwendigeres. Gabeln oder Löffel sind hingegen kein Problem. 😉
      Achja, die Namen. Wie gesagt, ich habe ihn einfach ohne darüber nachzudenken aus dem Buch übernommen, darauf vertrauend, dass die Leute vom Rolf-Heyne-Verlag schon wüssten, was sie taten und von daher bleibt die Bolognese wie sie ist. 🙂

    • Eben, Namen sind Schall und Rauch. 😉
      Die Stäbchen habe ich mir einst aus Japan mitgebracht, die Auswahl vor Ort war so unglaublich groß, dass mir die Entscheidung reichlich schwer viel…

  4. Wa-ha-ha! Absoluter Geschmacksinn her oder hin: Die Art der Beschreibung allein genügt – die Zutaten, das Foto – dass mir ganz pawlow’sch wird! Und dabei bin ich gerade hochgradig (kuchen-)satt… das hat sich gerade dermaßen weit oben auf meine Nachkochliste katapultiert… 😀

  5. Ach Eva – das schmeckt sicher sehr gut und sieht schon so fantastisch aus. Aber warum Bolognese? Wird das in den chinesischen Vierteln von Bologna gekocht?
    Ich bin da empfindlich, seit ich in einem anderen Leben mit einer Frau verheiratet war, die immer Cheese & Nut Burgers machte. Da war alles mögliche drin (sofern es kalorienarm war) – nur Nüsse und Käse fehlten.
    Deine „Nudeln“ sind dagegen natürlich der Himmel! Aber warum „Bolognese“?

    • Lieber Toettchen,
      der Titel des Gerichts stand einfach so in dem Buch. Ich weiß nicht, was sich Autor und/oder Übersetzer dabei dachten. Vielleicht ist im englischsprachigen Raum eine Hackfleischsauce synonym mit Bolognese?
      Egal, wie auch immer man das Gericht nennt, es schmeckt definitiv himmlisch! 🙂

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