Zwischenzeit

linseb blutwurst 11Jetzt ist es also wieder soweit. Die Sonne hat, wenn sie sich gnädig zeigt, schon wieder Kraft zu wärmen. Schneeglöckchen, Krokus und Co. strecken ihre Blüten tapfer dem Licht entgegen und wir murmeln uns langsam aus dem Winterschlaf, der dieses Jahr zum Glück nicht allzu lange währte. Mit der Lust auf Licht und Leben wächst bei mir auch die Lust auf frisches Grün. Ich scharre ungeduldig mit den Hufen und packe auf dem Markt dann doch wieder nur Wurzelwerk ein. Geduld ist gefragt. Gerade in dieser Zeit ist für mich Soulfood, das sich Dorotheé/ Bushcook zum 3. Bloggeburtstag wünscht, herzlichen Glückwunsch, liebe Dorotheé!, besonders wichtig. Wenn es nicht um Süßspeisen geht, stehen für mich Hülsenfrüchte aller Art sehr weit oben auf der Soulfood-Hitliste. So wie diese süßsaure Linsensuppe mit gebratener Blutwurst.

Für die Linsensuppe:

  • 100 g braune Linsen, gewaschen
  • 50 g durchwachsener Speck, fein gewürfelt (ich: 1/2 TL Rauchpaprika)
  • 1 Schalotte, fein gewürfelt
  • 300 g Hühnerbrühe
  • 3 Kartoffeln, gewürfelt (ich: 1 Süßkartoffel, vielleicht 400 g, geschält, in kleine Würfel geschnitten
  • 2 Stangen Staudensellerie, geputzt, in kleine Würfel geschnitten
  • 1 EL brauner Zucker
  • Salz, schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen
  • 20 g Apfelessig
  • 2 Blutwürste, gehäutet, in Scheiben geschnitten
  • 2 Liebstöckelstängel, Blättchen gezupft, fein gehackt (ich: Petersilie)

zutaten serieWer besser planen kann als ich, weicht die Linsen am Vorabend in reichlich kaltem Wasser ein. Sie garen dann (angeblich) später gleichmäßiger. Ich wusch sie einfach gründlich unter fließendem Wasser, bis sich an der Oberfläche kein Schaum mehr bildete und ließ sie abtropfen. Gemeinsam mit Herrn H. bereitete ich das Gemüse vor. Dann schwitzte ich die Schalottenwürfel in etwas Rapsöl glasig, fügte Linsen und Hühnerbrühe zu und ließ alles abgedeckt ca. 20 Minuten köcheln.

Nun gab  ich Selleriewürfel, Süßkartoffelwürfel und Rauchpaprika zu den Linsen und ließ sie weitere 25 Minuten garen. Herr H. häutete die Blutwurst, die ich seltsamerweise schon als Kind geliebt habe, obwohl sie gebraten nicht an Schönheit gewinnt und versuchte, sie in Scheiben zu schneiden. Sie bröckelte dabei arg. Herr H. betrachtete das Foto im Kochbuch und schüttelte leicht frustriert den Kopf. Ich sah mir die Wurstscheibe auf dem Bild genauer an und tröstete ihn. Nie im Leben sei das eine echte Blutwurst. Da hätten die Damen und Herren Food-Fotografen mal wieder geschummelt. Denn Blutwurst würde sich beim Braten schwarz verfärben. Quod esset demonstrandum. Die abgebildetete Wurst hingegen war appetitlich dunkelrot. Er erhitze etwas Öl und gab die Blutwurstscheiben hinein. Ich schmeckte derweil die Suppe mit Salz, Pfeffer, Essig und Zucker ab. Lautes Fluchen.

Ich spähte hinüber in die Pfanne. Herr H. wedelte hektisch mit dem Pfannenwender, laut schimpfend. Die Blutwurstscheiben sahen aus, wie gebratene Blutwurstscheiben. Leicht zerbröckelt und rabenschwarz. Es gelang mir, ihn zu beruhigen. Ich forderte ihn auf, eine Scheibe zu kosten. Er tat es und sah mich erstaunt an. Die sei ja gar nicht angebrannt. Natürlich nicht, antwortete ich, Blut, das gebraten wird, werde nun einmal sehr schnell sehr dunkel, was jedoch nichts am köstlichen Geschmack ändere. Wenn es ihm optisch unerträglich sei, so müsse er eben mit geschlossenen Augen essen.

linseb blutwurst 13Fazit: Das war dann doch nicht nötig. Die Suppe, die während des Fotografierens erfreulich heiß blieb, schmeckte auch ihm einfach köstlich. Der leicht an Leber erinnernde Geschmack der Blutwurst harmonierte vortrefflich mit der perfekt ausgewogenen süßsauren Linsensuppe. Auch die Süßkartoffel fügte sich brav ein. Als die Schale geleert war, verdrückten wir beide glatt noch den kompletten Rest. Echtes Soulfood eben!

3 Jahre Bushcooks Kitchen - Blog-Event Winter-Soulfood

Frei nach: Linsen – Das Kochbuch Achim Schwekendiek, Barbara Lutterbeck

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20 Gedanken zu „Zwischenzeit

  1. Liebe Eva;
    Linsen und Blutwurst – da kann ja keiner nein sagen. Das ist so ein schönes Gericht und macht ganz warm in der Seele. Vielen Dank für Deinen schönen Beitrag.

    • Danke, Dorotheé. Dann habe ich deinen Geschmack ja getroffen, freut mich. 🙂 Und jetz kann der Frühling von mir aus kommen – hier ist er dieses Wochenende schon da.
      Liebe Grüße,
      Eva

  2. … und wieder einmal der selbe Kommentar: Ich liebe Linsen! Welch herrliche Variante mit gebratener Blutwurst. Hier gibt es leider keine Gute zu kaufen – aber in zwei Wochen bin ich ja im Rheinland und da ess ich wieder Flöns!
    Ein schönes Wochenede wünscht
    Toettchen

    • Was soll man denn auch sonst immer sagen? 😉 Blunze heißt also im Rheinland „Flöns“, das klingt fast ein bisschen wie Flöz und damit passt es ja irgendwie.
      Ich wünsche euch auch ein schönes Wochenende, hoffentlich habt ihr genauso schönes Wetter!
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Linsensuppe mag ich sehr! Könnte ich auch mal wieder kochen 🙂 Nur die Blutwurst, das wird nix. Damit können weder der Italiener noch ich mich anfreunden…

    Und wenn wir gerade bei süsssaurer Linsensuppe sind – während Oma, Bruder & Papa früher Essig zur Suppe gaben, gab es bei Mama & mir nur einen Löffel Zucker rein – ich mache das noch heute gerne *g*

  4. Linsen mag ich sehr, wie hin und wieder in Kommentaren erwähnt, da in letzter Zeit einige Linsenrezepte aufgetaucht sind. Hätte ich mitgegessen, hätte ich mich an der Süsskartoffel gefreut, denn mit Kartoffeln in Suppe habe ich Probleme im Hals, ausser sie wären nicht verkocht, wie in Gulasch, komisch, aber seit meiner Jugend kratzt mich Kartoffelsuppe. Die Suppe mit der angebratenen Blutwurst sieht oberlecker aus.

    • Danke, Erich. Ja, das ist mir schon aufgefallen. 😉
      Kartoffeln, die im Hals kratzen? Sachen gibt’s. Ich bin allerdings auch kein großer Fan von Kartoffeln in der Suppe, die durch’s Rühren „rundgeschlifen“ werden. Die Idee zur Süßkartoffel kam notgedrungen, andere waren schlicht nicht da.

      • Ich liebe Kartoffelpüree (Herdöpfelstock) und alle anderen Arten von Kartoffeln, von Salzkartoffeln bis Pellkartoffeln, gebratene, aus dem Ofen, was immer, kein Problem, nur wenn die Kartoffel aufgeschlossen in der Suppe ist, d.h. es kratzen mich wohl die Stärke- oder was immer -Körnchen unangenhem im Hals zusammen mit der Suppe. Komisch, dachte ich auch schon, bin halt nicht normal.

      • Wer ist schon normal? Ich habe z. B. eine unüberwindbare Aversion gegen Geschmack und Konsistenz von hardgekochtem Eigelb. 😉

  5. Ich liebe Linsensuppe! War schon als Kind im samstäglichen Suppenreigen mein Liebling. Und schön säuerlich ist sie am besten … Gebratene Blutwurst ist wirklich eine optische Herausforderung – aber Ihr habt sie perfekt gemeistert. Vor allem das erste Foto finde ich wunderschön. Und so frühlingshaft, obwohl das Gericht ja noch recht winterlich ist.

  6. Linsen! Und Blutwurst! Klasse! Fast schon nachgebaut. Dind die Blutwürste tatsächlich so lang und schmal? Hier im Süden sind die eher gedrungen.
    Und das mit den Fotos…komisch, in letzter Zeit fällt mir immer mehr auf, wie da geschummelt wird.

    • Ich hatte geahnt, dass dir das gefällt. 😉
      Die Blutwürste waren schlesische, unsere hier sind auch eher kürzer und dicker, aber genauso krümelig, wenn gebraten.
      Das mit den Fotos nervt enorm, ich war schwer versucht, die Wurstscheibe abzufotografieren und anzuhängen!

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