Für ein langes, glückliches Leben?

miso 8Als Herr H. und ich am letzten Freitag beratschlagten, was es zum Abendessen geben sollte, stellten wir verwundert fest, dass wir schon lange nicht mehr japanisch gekocht hatten. Wir rätselten eine Weile, woran das gelegen haben könnte und kamen schließlich zu dem Ergebnis, dass wir uns einfach in zu vielen unterschiedlichen „Länderküchen“ bewegen. Das Studium einer einzelnen „Küche“ nimmt jeweils unsere ganze Aufmerksamkeit gefangen, so dass meist alles andere, bis auf die Tortenproduktion, in den Hintergrund gedrängt wird. Erschwerend hinzu kommt, dass eine spezifische Küche meist ein ganzes Arsenal an bestimmten Gewürzen und Zutaten mit sich bringt, die dann auch aufgebraucht werden wollen. Ein kurzer Streifzug durch die Vorratskammer offenbarte jedoch, dass wir bestens ausgerüstet waren und ein japanisches Kochbuch war glücklicherweise auch zur Hand. Wir entschieden uns für eine Soba-Nudelsuppe. Der Sylvesterabend, an dem sie in Japan traditionell gegessen wird, ist zwar schon ein Weilchen her, aber für gute Wünsche für das neue Jahr ist es nie zu spät.

Für die Dashibrühe:

Für die Misosuppe:

  • 650 g Dashibrühe (oder 650 g Wasser plus 1 TL Instant-Dashipulver)
  • 60 g Misopaste (ich: weiße)

Für die Sobanudelsuppe:

  • 700 g Misosuppe
  • 150 g Sobanudeln
  • 1 Möhre, in Julienne gehobelt
  • 1 kleine Pastinake, in Julienne gehobelt
  • 1 Stückchen Steckrübe, in feinste Stifte geschnitten
  • 1 Stange Sellerie, in feine Scheibchen geschnitten
  • 1 kleines Stückchen Ingwer, fein gewürfelt
  • 1 Lauchzwiebel, in feine Röllchen geschnitten
  • Korianderblätter, nach Belieben
  • 2 EL Sojasauce
  • 1 EL Mirin
  • 1 TL Zucker
  • Shichimi-Toragashi, nach Belieben
  • (optional: gebratene Hackbällchen, Tofu, Hühnchenbruststreifen etc.)

zutaten serieAls erstes bereitete ich die Dashibrühe zu. Ich gab Kombu und Wasser in einen Topf und kochte es bei starker Hitze auf. Sobald das Wasser zu kochen begann, entfernte ich den Kombu (kann aufgehoben und wiederverwendet werden) und gab die Bonitoflocken hinzu. Nun durfte die Brühe 15 Minuten leise köcheln. Herr H. hatte inzwischen das Gemüse vorbereitet. Ich seihte die Dashibrühe durch ein sehr feines Sieb, gab sie zurück in den Topf, fügte Gemüse (bis auf die Lauchzwiebelröllchen), Mirin, Zucker und Sojasauce hinzu und ließ alles ca. 10 Minuten köcheln, bis das Gemüse gar war, aber noch Biss hatte. In der Zwischenzeit kochte ich die Sobanudeln 4 Minuten und schreckte sie kalt ab. Anschließend verrührte ich die Misopaste mit einigen Löffeln Brühe, zog den Topf von der Platte, rührte die Paste in die Suppe und würzte sie mit Shichimi Toragashi. Herr H. hatte in der Zwischenzeit noch ein paar schlichte Hackbällchen mit Wasabi gebraten. Ich verteilte die Nudeln auf zwei Schalen, schöpfte die kochend heiße Misosuppe darüber und verteilte Zwiebelröllchen und Koriander darauf. Fertig!

miso 11Fazit: Nachdem wir die Suppe schweigend geschlürft, stets ein Zeichen für besonderen Genuss, und die Nudeln und Gemüse mit Stäbchen herausgepickt hatten, lehnte Herr H. sich, nach einem Blick in die leeren Töpfe, seufzend zurück. Ob ich ihm, bitte, versprechen könne, in Zukunft wieder häufiger japanisch zu kochen? Ich tupfte mir den Mund mit einer Serviette ab, Suppe zu schlürfen kann seine Tücken haben, und gab ihm das verlangte Versprechen. Ob wir dadurch unsere Lebenserwartung steigern können, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall macht uns ein Essen wie dieses glücklich.

Aus: Das Japan Kochbuch Kenichi Kusano, Tian Tang

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41 Gedanken zu „Für ein langes, glückliches Leben?

  1. Pingback: Wie ein Kochbuch entsteht III: Mein persönliches Making of Seelenfutter vegetarisch | Schmeckt nach mehr

  2. Tolles Foto! Und sehr sympatisch geschrieben :). Mit der japanischen Küche habe ich mich tatsächlich noch nie näher befasst, hachja, zu viele Dinge, die darauf warten ausprobiert zu werden 🙂

  3. Japanische Nudelsuppe – eine Schicksalssuppe von einem meiner Söhne und mir. Er hat das erste mal mit 10 Jahren mit mir den Film „Tampopo“ geschaut. ( Filmausschnitte aus Tampopo bei http://toettchen.eu/?page_id=4859) – Danach haben wir versucht, das Gesehene im Kochtopf umzusetzen. Das wiederholten wir alle zwei Monate: der Film – dann die Suppe.
    Vor einem Jahr habe das erste mal frische Soba Nudeln im Asia Markt gefunden. Sie waren Köstlich.
    Euch wünsche ich an langes glücklcihes Leben.

  4. Japanisch habe ich noch nie selbst gekocht, aber euer Süppchen sieht köstlich aus – auch wenn ich ja nicht so die große Suppenesserin bin. Aber man muss sich ja noch ein paar Länderküchen für die nächsten Jahrzehnte aufbewahren 😉

  5. mir erging es beim ersten Lesen ähnlich wie der wilden Henne und ich habe gestaunt, was sich so ganz zufällig in eurem Vorrat findet, ich müsste fürs Nachkochen erstmal eine Einkaufsrunde starten.

  6. Ob Lebensverlängernd oder nicht – ich täte auch gerne so ein Nudelsüppchen schlürfen. Aber wenn ich mir da die Zutatenliste anschaue… sowas habt ihr einfach standardmässig zu Hause? Wahnsinn! 😉

    • *rüberschieb* 😉
      Ja, das haben wir immer da, weil wir es für’s Sushi brauche, dass wir, wenn es wärmer ist, mindestens einmal pro Woche essen. Und es ist auch wirklich nicht besonders viel und die einzelnen Sachen halten nahezu ewig…

  7. Diese Art Küche ist zwar nicht so meins (oder vielleicht auch „was der Bauer nicht kennt…“), aber allein die Aufbereitung wieder, die tollen Fotos…..ich bin immer wieder begeistert davon, wie schön ihr das macht!

    • Danke, Eva. Ich hatte es leicht, einen Zugang zur japanischen Küche zu finden, weil ich direkt vor Ort eintauchen konnte und eine japanisch sprechende Begleitung, meine Schwester, hatte. Das war sehr hilfreich. 🙂

  8. Und ich wünsche euch ein langes, gesundes, glückliches Leben und ich wünsche euch (und mir 😉 ) dass ihr noch lange so lecker kocht und es verblogt…!!
    Misopaste habe ich noch im Kühlschrank (braune weiche), Hatcho-Miso hatte ich auch schon, das hat eher eine Konsistenz wie Lakritz. Wie soll ich mir weißes Miso vorstellen? Kannst du den Geschmack beschreiben, es scheint eine Wissenschaft für sich zu sein, die ich leider noch nicht durchschaue…
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    • Danke, Cheriechen, es sieht ganz danach aus. 😉
      Zum Miso steht in meinem Kochbuch: „Es gibt drei Grundsorten: Mamemiso, das nur aus Sojabohnen besteht, Komemiso, das aus Sojabohnen und Reis besteht und Mugimiso, das aus Sojabohnen und Gerste besteht. Diese Gruppen lassen sich darüber hinaus nach Farbe (rot: aka miso, weiß: shiro miso) und Geschmack (scharf: kara miso, und süß: ama miso trennen).“ Ich habe shiro miso verwendet, was recht mild und universell einsetzbar ist. Von den kräftigeren Sorten nimmt man einfach etwas weniger, dann sollte es passen.
      Liebe Grüße,
      Eva

  9. Die Suppe schaut großartig aus. Ich müsste sogar, bis auf die Fleischeinlage, alles zuhause haben 😀 Da werde ich die Tage wohl mal Süppchen kochen, perfekt für die Erkältung… Und Stäbchen sind so eine Sache, da brauche ich noch etwas Übung.

    • Danke, Sandra. Die Fleischeinlage war eher aus der Verlegenheit geboren, da das Hack weg musste. Und für eine Erkältung ist die Suppe bestimmt klasse! 🙂 Und das mit den Stäbchen – tja, ich hatte keine Wahl. Als ich damals meine Schwester in Japan besuchte, gab’s nur Stäbchen… 😉 Und da ich nicht hungern wollte, lernte ich recht schnell.

  10. Stimmt, wenn man sich entschließt, Rezepte eines bestimmten Landes nachzukochen, dann braucht man in der Regel jede Menge Zutaten. Was mich dann schon oft hindert, muss ich ehrlich zugeben. Zu viele Gewürze sind mir schon ausgeraucht.
    Deine Nudelsuppe klingt sehr schön! Und die Fotos schauen auch wieder gut aus. Wenn ein Essen so glücklich macht, bin ich mir ganz sicher, dass es auch das Leben verlängert. 🙂

    • Danke, Susi. Es stimmt schon, ich besitze auch eindeutig zu viele Gewürze, die ich selten benutze und die auch nicht besonders vielfältig einsetzbar sind – Langpfeffer, z. B. 😉
      Für die japanische Küche braucht es allerdings nicht besonders viel. Misopaste, Sojasauce, Mirin, Reisessig und Kombualgen. Das alles habe ich immer da, da wir im Sommerhalbjahr sehr gern Sushi essen. 🙂

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