Ente im Klops

entenfrikadellen 1ßHerr H. liebt Frikadellen aller Art, egal ob mit oder ohne Fleisch. Und da ich keinen Schlachter persönlich so gut kenne, dass ich ihm 100%ig trauen würde, was genau er zu Hackfleisch verwurstet, war es lange mein Traum, selbst einen Fleischwolf zu besitzen und mein Hack selbst zu machen. Dieser Traum wurde mit Herrn H.s letztjährigem Weihnachtsgeschenk Wirklichkeit. Andere mögen einen Fleischwolf als Geschenk für die Liebste vielleicht etwas unromantisch finden, aber wir waren, was materielle Dinge angeht, schon immer eher pragmatisch. Statt eines Eherings schenkten wir uns seinerzeit hochwertige Regenjacken für die bevorstehende Radreise. Einigermaßen trocken im Regen zu radeln erschien uns wichtiger, als ein Metallband um den Finger gewunden zu tragen. So sind die Menschen verschieden. Der Fleischwolf harrte einige Wochen des ersten Einsatzes und da der Gefrierschrank nur eine kapitale Entenbrust hergab, musste sie dran glauben.

Für die Entenfrikadellen:

  • 1/2 altbackenes Brötchen (ich: 30 g Panko, gemörsert)
  • 50 g lauwarme Milch (ich: weg gelassen)
  • 2 kleine Schalotten, fein gewürfelt
  • 1 kleine Knoblauchzehe
  • 10 g Butter
  • 250 g Entenbrust mit Haut, vom Metzger frisch durchgedreht (oder mit dem eigenen Fleischwolf)
  • 1 kleines Ei
  • 1 TL süßer Senf (ich: 1/2 TL Dijonsenf + 1/2 TL Honig)
  • 10 g frischer Ingwer, gerieben
  • 1 kleine rote Chili, fein gehackt
  • 1 EL Sesamsaat, geröstet
  • Salz, Pfeffer

zutaten FrikadellenNachdem die Brust aufgetaut war, wusch ich sie und tupfte sie (nicht gründlich genug) trocken. Nun war der große Moment gekommen. Ich montierte den Fleischwolf an die Küchenmaschine, legte die mittlere Scheibe ein und schnitt die Brust mit Haut in Streifen. Ich hatte vorher recherchiert, dass Entenhack ca. 30% Fett enthalten solle, die Haut entfernt, beides gewogen. Passte. Ich schaltete die Maschine ein und gab den ersten Streifen Fleisch hinein. Anstandslos kam es am anderen Ende als Hackfleisch heraus. Ich war begeistert. Herr H hatte inzwischen die restliche Zutaten bereit gestellt, Schalotten und Knoblauch angeschwitzt, den Ingwer gerieben und die Chili gehackt. Er gab alle Zutaten zum Entenhack, knetete den Teig gründlich durch und formte etwa golfballgroße Frikadellen und drückte sie leicht flach. Anschließend briet er sie in Butterschmalz rundherum gar und goldbraun und betreute sie mit dem gerösteten Sesam.

Für das Gemüse:

  • 1 rote Paprika, in feine Streifen geschnitten
  • 1 mittlere Möhre, in Julienne gehobelt
  • 1 Handvoll Edamame (oder Erbsen)
  • 1/4 von einem kleinen Chinakohl, quer in feine Streifen geschnitten
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 entsprechend großes Stück Ingwer, fein gewürfelt
  • 1 Frühlingszwiebel, in feine Ringe geschnitten
  • 1 EL Shao Xing (oder trocknener Sherry)
  • 2 EL helle Pilzsauce
  • 2 EL thailändische Pflaumensauce (90 g milder Essig, 60 g Zucker, 6 Trockenpflaumen)
  • 1 TL Zucker
  • 100 g frische Hühnerbrühe (ich: weg gelassen)

asiagemüse serieDa  sich zwischen den ganzen Saucenflaschen und Gläsern keine thailändische Pflaumensauce befand, stellte ich sie als erstes her. Ich ließ Zucker und Essig 15 Minuten köcheln und pürierte den Sirup danach mit den Pflaumen. Fertig. Herr H. hatte in der Zwischenzeit das Gemüse vorbereitet und den Reiskocher mit Jasminreis bestückt. Ich erhitzte etwas Erdnussöl in der Wokpfanne, briet zunächst Knoblauch, Ingwer, Chili und Lauchzwiebel unter Rühren an, bis sie zu durften begannen (ca. 30- 60Sekunden) und fügte dann Paprika, Möhren und Edamame hinzu. Ich pfannenrührte einige Minuten, bis das Gemüse gar, aber noch bissfest war, dann gab ich den Chinakohl in den Wok und garte ihn ca. 1 Minuten. Anschließend gab ich Shao Xing, Pilz- und Pflaumensauce, Zucker und 1 – 2 EL Wasser in den Wok und ließ alles noch kurz durchziehen. Dann richtete Herr H. die im Ofen warm gehaltenen Frikadellen mit Gemüse und Reis an.

entenfrikadellen mit detailsFazit: Hätte ich gewusst, welcher Genuss mir die ganze Zeit entgangen ist, hätte ich schon viel früher in den Fleischwolf investiert. Die Entenfrikadellen waren saftig, aromatisch und einfach nur köstlich. Das Gemüse passte perfekt dazu. Ich hatte befürchtet, es würde einiges übrig bleiben, aber nachdem wir uns zufrieden zurücklehnten, war nicht einmal ein Reiskörnchen übrig geblieben. Den Frikadellenmöglichkeiten sind von nun an keine Grenzen mehr gesetzt und über einen Wurstfüllaufsatz verfügt der Fleischwolf auch, mir fehlen nur noch die Därme.

Entenfrikadellen aus: Der große Lafer Johann Lafer

Gemüse inspiriert von Asia Food Neil Perry

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30 Gedanken zu „Ente im Klops

  1. Ah, asiatische Entenfleischlaberl sozusagen! 🙂 Habt ihr sehr schön gemacht.

    Eheringe haben wir zwar aber ich meinen fast nie an der Hand, weil der erste Ehering liegt leider auf einem Campingplatz in Kalabrien in einer Abwasch. Das passiert mir mit dem zweiten sicher nie mehr wieder.

  2. Schöne Frikadellen 🙂

    Und bei uns läuft das nicht anders, ich habe mir letztes Jahr zu Weihnachten von IHM den Laptop aufrüsten lassen. Und dieses Jahr gab es Kamerazubehör. Das wird wenigstens alles genutzt -Punkt! 😉

    • Danke, Sandra. Eben. Sachen wollen benutzt werden, liegen sie nur herum, stauben sie ein und man bekommt ein schlechtes Gewissen, wenn man sie anschaut… irgendwie habe ich immer noch (trotz diverser Entrümpelungen) viel zu viel Zeug.

      • Das habe ich auch… Gerade am Freitag habe ich wieder zwei Küchenschränke aufgeräumt und ausgemistet! Sehr befreiend 😀 Bis auf den Sturz vom Tritt o.O

      • Oh, ich hoffe, du bist nicht ernsthaft zu Schaden gekommen? Und zum Ausmisten. Das steht bei mir diese Woche auch ganz weit oben auf der Liste. 🙂

  3. Sieht zum Anbeißen aus! (Und: Den Zuckerstreuer habe ich auch!)

    Bei Geschenken darf’s bei mir auch praktisch sein. Eheringe sind unpraktisch. Männer mögen Frikadellen. Fleischwolf allerdings haben wir unbenutzt wieder verkauft, wenn ich mich nicht irre, irgendwie war ich zu faul dafür und verwende für Hackfleisch immer die Moulinette. Eure Zusammenstellung gefällt mir, da hätte ich jetzt richtig Appetit drauf!

    • Danke, Barbara. Hätte mich auch gewundert, wenn den kein anderer hätte. 😉
      Ich habe auch lange überlegt, ob ich wirklich einen brauche, aber ich will unbedingt Würste selber machen können und dafür ist er ganz praktisch.

  4. Oh ich mag praktische Geschenke, zumindest für die Küche 😉 Meine Mitesser versuchen mich auch immer wieder zu Überreden den Wolf (Aufsatz für die Küchenmachine) aus dem Schrank zu holen, aber ich bin bisher immer gut daran vorbei gekommen. Ich mag einfach kein Hack. Aber wenn mans selber macht …vielleicht. Zumindest machen Deine deine Entenklöppse mich grad sehr neugierig. Liebe Grüße Emma

    • Du magst kein Hack, Emma? Echt seltsam. Was stört dich denn daran?
      Aber, eben, so sind die Geschmäcker verschieden und manches erschließt sich einem auch später. Bis vor einem Jahr hättest du mich mit frischem Korander sonstwohin jagen können. 😉

      • Roh mag ich es ab und an, aber angebraten hat Hack einen Geschmack den ich nicht mag. Ist irgendwie schwer zu beschreiben… Wie manche Käse nur geschmolzen mögen 😉 Bei Koriander scheiden sich auch die Geister. Aber bei deine Vorliebe für die Asia-Küche kann man ihn schätzen lernen 🙂

      • Aha. Ich werde beim nächsten Frikadellenbraten darauf achten. Und Asia mochte ich schon laange, bevor ich Koriander mochte, ich hab‘ ihn einfach weggelassen. Es ging mir mit einigen Lebensmittel so – inzwschen mag ich (fast) alles. 🙂

  5. Bislang bin ich noch nie auf die Idee gekommen, Ente und Wolf auf diese Weise zusammenzubringen. Aber das wäre wirklich einmal eine Idee zum Nachmachen, dann wecke ich auch mal den Wolf in der Abstellkammer… Tolles Rezept, danke dafür und für die Anregung!

      • neinnnn, das glaub ich nicht, ich freue mich jeden Tag an meinem Ring und wenn ich sehe, dass der Liebste seinen auch trägt!! (aber ich weiß schon, „Gusto und Ohrfeigen sind verschieden“, wie man bei uns sagt)
        😉
        und übrigens, deine Entenlaibchen sehen sehr gut aus, hab ich noch nie gegessen, lg

      • Danke, Friederike. „Gusto und Ohrfeigen“, den Spruch kannte ich noch nicht. 🙂 Und die Welt wäre auch ziemlich fad, wenn das nicht so wäre!

  6. Ach ja….praktische Geschenke…..ich habe immer Schwierigkeiten, meinen Mann davon zu überzeugen, dass ich mich auch über etwas praktisches freuen würde.
    Einen Fleischwolf habe ich….er schläft einen Dornröschenschlaf. Wenn ich mir die Frikadellen so ansehe, sollte ich ihn wohl aufwecken, den Wolf 🙂

    • Na dann, weck den Wolf. 😀
      Und viel Erfolg bei der Überzeugungsarbeit. Ich habe gerade eine neue Nudelmaschine bekommen. Hatte zuvor nur ein ganz günstiges Modell mit schiefen Walzen. Habe sie gestern ausprobiert – ein Traum!

  7. Entenfrikadellen, das ist ja eine hinreißende Idee..
    Einen Fleischwolf habe ich noch nicht, den müsste ich von meiner Mama ausleihen.
    Wobei es ja heißt, der Thermomix macht das auch, aber ich fürchte, das Fleisch wird dort eher zerfetzt, als durchgedrückt…
    Vielleicht probiere ich es mal aus mit etwas weniger Edlem als einem Entlein..
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    • Danke, Cheriechen. Das fand ich auch. Also ich habe mal gegartes Hühnchen im Zerkleinerer grob „gehackt“ und zu Bällchen verarbeitet. Das ging ganz gut, aber ich befürchte, rohes Fleisch ist dafür einfach zu wasserhaltig.
      Liebe Grüße,
      Eva

  8. Ente im Klops… toll! Für mich war der Gedanke an Hühner im Klops der Ausschlag für den Fleischwolf- jetzt hab ich schon allerhand dadurch gejagt aber Huhn immer noch keins. Meist wenn ich dann eins daliegen hab, wird es doch im Ganzen verarbeitet und genossen.

    • Danke, Nini. 🙂 Huhn wird bestimmt auch noch durchgedreht. Aber du hast recht, das verarbeite ich eigentlich lieber auch im Ganzen. Die Ente musste auch nur dran glauben, weil ich endlich den Wolf testen wollte und das Rezept angemarkert hatte. 🙂

  9. Entenhackbällchen! Wie geil ist das denn?! 🙂 Da wäre ich im Leben nie drauf gekommen! Mit all den asiatischen Begleitern! Das lässt mich gerade nicht mehr los und ich versuche mir das gerade geschmacklich vorzustellen! Steht schon auf meiner Nachkochliste! Die ist zwar lang, aber irgendwann kommt alles mal dran 🙂

    • Danke, Marco. Es war ja auch nicht meine, sondern Herrn Lafers Idee. Sie schmeckten wirklich sehr fein. Ich bin irgendwie sehr froh, keine solche Liste zu haben. Entweder koche ich etwas sofort nach oder – nie. 😉

    • Bitte sehr, Sabine. *rüberschieb*. Und, jeder wie er mag. 🙂 Mit Bescheidenheit hat meine Entscheidung auch nicht zu tun, habe mir gerade eine neue Nudelmaschine gegönnt. 😉

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