„Schlank wie ein Essstäbchen“

Sauer Scharf Suppe 9

„Dank Ihrer eigenen Küche bleibt Ching-He Huang so schlank wie ein Essstäbchen“. Nachdem Herr H. diesen Satz auf der Rückseite eines neuen chinesischen Kochbuchs gelesen hatte, stürmte er triumphierend in mein Zimmer. Fortan solle ich ihm täglich Gerichte aus diesem Buch kochen. Ich schmunzelte und erwiderte, das sei kein Problem, nur befürchte ich, dass allein der Verzehr dieser Gerichte uns wohl nicht vom leidigen Winterspeck bereiten würde. Ein Tortenverzicht und viel Bewegung an frischer Luft sei zusätzlich angeraten. Herr H. runzelte nachdenklich die Stirn. Aber es sei zumindest ein Anfang, erklärte er schließlich, über den Tortenverzicht könnten wir später verhandeln. Als erstes wünsche er sich die traditionelle scharfsaure Suppe als Vorspeise. Ich willigte ein, erklärte jedoch, er solle sich schon einmal um die Suppe kümmern, während ich die Hauptspeise bereite. Er legte sogleich los.

Für die traditionelle scharfsaure Suppe:

  • 1 TL gekörnte Gemüsebrühe (ich: weg gelassen)
  • 500 g Wasser (ich: 300 g Hühnerbrühe + 200 g Wasser)
  • 1 TL frisch geriebener Ingwer
  • 1 mittelgroße, rote Chili, fein gehackt
  • 150 g gegarte Hühnchenbrust, in feine Streifen geschnitten (ich: weg gelassen)
  • 1 TL Shao Xing (oder trockener Sherry)
  • 2 EL dunkle Sojasauce
  • gut 100 g Bambussprossen, in Scheiben geschnitten
  • 5 g getrocknete Mu-Err-Pilze, 20 Minuten in heißem Wasser eingeweicht, in Steifen geschnitten
  • 50 g frischer, fester Tofu, in 1 x 5 cm großen Stiften (ich: 200 g)
  • 25 g eingelegtes Sichuangemüse, abgespült, n Steifen geschnitten (oder 25 g Cornichons und 1 kleine gehackte rote Chili)
  • 2 EL helle Sojasauce
  • 3 EL Chinkiang (schwarzer Reisessig oder Balsamico)
  • 1 EL Chiliöl
  • etwas weißer Pfeffer, frisch gemörsert
  • 1 Ei, leicht verquirlt
  • 1 EL Speisestärke in 2 EL Wasser verrührt
  • 1 Frühlingszwiebel, in dünne Ringe geschnitten
  • frisch gehacktes Koriandergrün nach Belieben

zutaten serieNachdem er alle Zutaten bereit gestellt hatte, er hat das „mis en place“ schon vor einer Weile eingeführt, schnitt er das Gemüse und den Tofu. Dann fragte er mich, was mit der Hühnerbrust sei. Ich erklärte ihm, dass wir darauf leider verzichten müssten, da unsere eingefrorenen Hühnerbrusthälften jeweils gut 600 g wögen, viel zu viel für so ein Süppchen. Er schnitt einfach noch den restliche Tofu aus der Packung und summte dabei vor sich hin. Dann kochte er Hühnerbrühe und Wasser auf, gab Ingwer, Chilis, Tofu, Reiswein, dunkle Sojasauce, Bambussprossen und die Pilze hinzu. Er reduzierte die Hitze, tat nun auch die Cornichons, die helle Sojasauce, Essig, Chiliöl und Pfeffer in die Brühe.

Erneut strinrunzelnd sah er in den Topf. Die Suppe sei viel heller als auf dem Foto im Buch. Er kostete einen Löffel und merkte an, sie schmecke nach nichts. Ich trat zu ihm und tatsächlich, die Suppe hatte keine kräftig braune, sondern eher eine zart karamellige Farbe. Ich holte kurzerhand alle Flaschen wieder hervor, gab noch einmal die gleiche Menge an Würze hinein (ist schon im Rezept berücksichtigt) und stellte fest, dass die Farbe nun passte. Herr H. schmeckte erneut ab und brummte zufrieden. So sei es schon viel besser. Er  rührte das verquirlte Ei und die aufgelöste Stärke unter und fragte mich, wie weit ich mit der Hauptspeise sei. Leider waren meine Bemühungen erfolglos geblieben. Ich erwärmte kurzerhand eine übrig gebliebene Portion Reisnudeln und schöpfte die Suppe darüber.

Sauer Scharf Suppe 11Fazit: Und wir wurden tatsächlich satt! Die scharfsaure Suppe, die erste die ich in meinem ganzen Leben gegessen habe, schmeckte mir wahnsinnig gut. Ich bin normalerweise eher ein Suppenkaspar, aber diese würzige, leicht säuerliche Suppe hat es mir angetan. Sie wurde sogleich in den wöchentlichen Speiseplan, also den theorethischen, praktisch habe ich immer noch keinen, aufgenommen und vielleicht kann sie sie beim nächsten Mal tatsächlich als Vorsuppe servieren. Herr H ist übrigens überzeugt, dass er sich der „Essstäbchenfigur“ schon ein gutes Stück genähert habe.

Aus: Chinesisch kochen ganz easy Ching-He Huang

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28 Gedanken zu „„Schlank wie ein Essstäbchen“

  1. Essen, und davon schlank wie ein Essstäbchen werden – wenn Du das hinbekommst, dann bist Du fein raus: die „Kochpoetin-hau-rein-aber-nimm-trotzdem-ab-Diät“ – ein Knaller. 😉
    Die Suppe sieht lecker aus, und hätte mir auch geschmeckt. Bis auf Tofu – damit kann ich nichts anfangen. Was mich aber vielmehr interessieren würde: Was war denn das Hauptgericht, das augenscheinlich „in die Hose“ gegangen ist? Oder war das nur ein Bluff, damit Herr H. leichter mit der Tatsache fertig wird, dass es „nur“ Suppe gibt?

    Liebe Grüsse

    Da Deifi

    • Je älter ich werde, desto mehr habe ich das Gefühl, dass die Gedanken die Hauptrolle spielen. Aber das würde jetzt zu weit führen. 😉 Ich bin übrigens sicher, dass dir der Tofu auf diese Art geschmeckt hätte, war überhaupt nicht fad!
      Das mit dem Hauptgericht war kein Bluff, aber ich kann jetzt noch nicht darüber sprechen, da ich gutes Hoffung bin, es bald in den Griff zu bekommen und dann werde ich berichten. Verzeih. 🙂
      Liebe Grüße,
      Eva

  2. Ein heißes Süppchen, sauer scharf – das könnte ich wohl vertragen nach einem langen Spaziergang (der eben auch das stäbchenartige an mir erhalten soll…).
    Die ganze Bloggerei macht es nicht besser, oder?
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    • Mir ist gerade auch danach und die Figur? Ich habe Glück, da ich vor ca. 14 Jahren das Laufen für mich entdeckt habe und ziemlich regelmäßig 3 – 4 Stunden pro Woche laufe, nicht in erster Linie wegen der Figur, sondern weil ich es liebe. Und seit ich die Hermé-Torten kennen gelernt habe, mag ich kaum noch etwas anderes Süßes essen. Ganz schön verwöhnt. 😉 Von daher ist das mit der Bloggerei nicht so schlimm.
      Liebe Grüße,
      Eva

  3. Wie ein Essstäbchen werde ich in diesem Leben sicher nicht mehr 😀 möchte ich aber auch gar nicht, dafür bin ich viel zu muskulös 😉
    Das asiatische Schönhheitideal ist aber auch ein bisschen anders.
    Dass ihr nach diesen vielen Torten nicht komplett durch die Gegend rollt, wundert mich sowieso!!

    • Das muss ja auch niemand, aber irgendwie gefiel mir den Satz als Titel besser als „Scharfsaure Suppe“. 😉 Und dass wr nicht komplett durch die Gegend rollen, liegt wohl daran, dass wir fleißig laufen und wandern und zwischendurch nicht „snacken“, also neben den Mahlzeiten.

  4. Na, mal sehen, ob die Suppe wirkt. Es muss ja nicht gleich die Essstäbchen-Figur sein 😉
    Aber Scherz beiseite – auch meinem Mann könnte ich mit dieser Suppe eine Riesenfreude machen – udn ich weiß auch schon, wann ich das tun werde 🙂
    Und jetzt würde mich noch brennend interessieren, mit welchem Hauptgericht Du dich vergeblich abgemüht hast 😉

    • Also ich denke, wenn man sich tatsächlich ausschließlich „asiatisch“ ernährt, könnte das etwas werden, aber das wäre mir auf Dauer doch etwas zu einseitig. Dafür gibt es viel zu viele Leckereien andreswo, wobei unsere Küche im Winter tatsächlich recht „asialastig“ ist, ein großes Bund Korinader geht pro Woche weg.
      Hochzeitstag oder Geburtstag? (Nein, ich bin gar nicht neugierig)
      Und das mit dem Hauptgericht, das werde ich hoffentlich bald meistern und dann werde ich berichten.

  5. So ein Asia-Löffelchen brauche ich auch, mal schauen, ob ich das in einem der Schnick-Schnack-Läden bekomme.

    Die Suppe sieht sehr gut aus! Ich muss mich doch endlich mal an Tofu wagen, bisher mache immer einen Bogen darum. Von der schlimmen Unverträglichkeitszeit kenne ich Soja-Produkte noch und mir war immer so flauch danach. Aber das könnte sich ja mittlerweile geändert haben…

    Und so ganz ohne Torte? Dann kann ich Herrn H. schon verstehen!

    • Danke, Sandra. In unserem Asia-Laden gab’s die Löffel ganz günstig. Ich habe nur zwei gekauft, aber wir werden wohl mehr brauchen. 😉
      Flau von Tofu? Hm. Sachen gibt’s. Aber im Originalrezept ist ja nicht soo viel Tofu drin und du könntest ja auch nur Huhn nehmen.
      Und nein, ohne Torten geht es (noch) nicht. 😉

  6. Unglaublich schön, wie du alle Zutaten in den Asia-Löffeln aufgereiht hast. Sehr stimmig schaut das aus.
    Mit der Skepsis Suppen gegenüber können wir uns die Hand geben. Die sind nämlich auch so gar nicht meins. Aber wenn du dann sagst, diese war wirklich gut, dann kommt die weit oben auf meine Nachkochliste.

    • Oh, danke Susi, ich werde das Kompliment an Herrn H. weiterleiten. Es war seine Idee. 🙂
      Dabei hattest du doch kürzlich diese cremige Maissuppe=? 😉 Also, diese kann ich dir wirklich empfehlen, würde mich sehr freuen, wenn ich deinen Geschmack damit treffen könte!

  7. Supersache, äh -suppe 😉 Mir fehlte da allerdings etwas Öl – was ich wohl dadurch „beheben“ würde, dass ich dem Tofu zunächst ein Bad in einer sesamölhaltigen Marinade verpasst oder ihn vorher frittiert hätte (das hängt aber auch damit zusammen, dass mir Tofu natur ohne Vorbehandlung immer etwas zu fade schmeckt).

    • Danke, Antje. Wieso fehlt Öl? Es ist doch Chiliöl drin. Und wie schon zu Tring bemerkt, ich war überrascht, wir zart und aromatisch der Tofu durch das Garen in der Brühe wurde, das hätte ich ohne dieses Rezept nie im Leben probiert, weil ich Natur-Tofu ansonsten auch eher fad finde.

  8. Das mit dem Tortenverzicht wäre aber schade – wie gut für uns, das dein Herr H. da skeptisch ist… 😉
    Die Suppe hört sich lecker an! Wie ist das Kochbuch denn sonst so? Das kenne ich noch gar nicht… 😉 Die Cornichons anstelle des eingelegten Sichuangemüses zu nehmen ist eine super Idee, wahrscheinlich kommen diese Salzgurken dem am nächsten – ich werde das beim nächsten Rezept dieser Art mal ausprobieren. Und der Tofu wird nicht gekocht, nur ziehen gelassen? War der nicht zu fest? Mit dem, den ich hier im Supermarkt bekomme könnte man immer Leute erschlagen (naja nicht ganz, aber fast…).
    Liebe Grüße auch an dein jetzt wandelndes Essstäbchen, Tring

    • Kein Sorge, Tring. Wir können uns doch nicht eines unserer liebsten Hobbies berauben. 😉
      Das Kochbuch. Hm, ich habe es nur ausgeliehen, weil ich das von Harumi Kurihara aus der Serie ganz gut fand. Beim ersten Durchblättern waren durchaus interessante Rezepte (eben, mit teils guten alternativen Zutaten, wobei Balsamessig meiner Meinung nach kein Ersatz ist) zu sichten. Das erste, das ich nachgekocht habe, war OK, dieses wie gesagt von den Mengenangaben her etwas schwach bemessen. Ich werde weitere testen!
      Der Tofu (Bio, auch aus dem Supermarkt), war recht fest, aber er saugte sich in der Zeit des Köcheln mit den leckeren Gewürzen aus der Brühe voll und wurde dadurch auch weicher. Ich war selbst überrascht, weil ich ihn bislang auch immer gebraten habe.
      Herr H. lässt zurück grüßen! 🙂

  9. 🙂 da gibt es also noch mehr Menschen als mich, die derzeit ein wenig mit der Figur zu kämpfen haben und ich hab ja noch nicht mal so leckere Torten wie ihr! 🙂

    • Na klar, aber ich denke, dass es den meisten ab einem gewissen Alter (und unserer vorwiegend sitzenden Lebensweise) so geht. Ich „jammere“ aber auf sehr hohem Niveau. 😉 Und überhaupt, mist, ich habe die nächste Torte heute noch nicht angefangen…

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