Fingerlickin‘ good!

spare ribs 1Am Samstag Morgen, wir hatten gerade gemütlich gefrühstückt, sah Herr H. mich versonnen an. Was wir denn am Wochenende Schönes kochen würden? Ich zuckte die Schultern. Das Tortenrezept war bereits ausgesucht und alles andere interessierte mich in diesem Moment herzlich wenig. Herr H. blätterte, merkte an, dass wir das Buch bald wieder in der Bücherei abgeben müssten und fing plötzlich an zu strahlen. Er wisse nun, was er wolle, Spareribs! Ich sah ihn leicht verständnislos an und gab zu bedenken, dass doch gerade Winter und somit keine Grillsaison sei. Papperlapapp, entgegnete er, die Rippchen würden ganz langsam im Ofen schmoren, dazu wünsche er Cole Slaw, ob wir denn endlich einkaufen gehen könnten. Da ich wusste, dass jeglicher Widerstand zwecklos ist, wenn Herr H. sich etwas in den Kopf gesetzt hat, zog ich einfach den Mantel an und schon konnte es losgehen.

Für die Marinade der Spareribs (Marinierzeit 1-2 Tage):

  • 1 Orange, Schale
  • 2 rote Chili, entkernt, in Streifen geschnitten
  • ein Stück Ingwer, in dünne Scheiben geschnitten
  • einige Pimentkörner, angedrückt
  • 1 Lorbeerblatt
  • ca 1 kg Spareribs (ich: Babybackribs, der Schlachter hatte mir für 2 Personen zwar 2 kg verkauft, aber als ich sie zu Hause betrachtete, beschloss ich, dass die Hälfte reichen würde)
  • 150 g Rapsöl
  • Salz

marinieren SerieHerr H. wusch die Rippchen, tupfte sie trocken und halbierte den Strang. Ich rieb sie mit Öl ein, salzte sie und belegte sie mit den Zutaten für die Marinade. Dann verstaute ich das Ganze in einem Gefrierbeutel, sog die Luft heraus und legte das Paket in den Kühlschrank. Dort durfte es anderthalb Tage verweilen.

Am Zubereitungstag heizte ich den Backofen auf 120°C vor, legte die Rippchen auf ein mit Backpapier belegtes Blech und schob sie in den Ofen. Dort garten sie ca. 3 Stunden. Herr H. bestrich sie ab und an mit dem Marinieröl.

Für die BBC-Sauce (ca. 300 g):

  • 1 milde Peperoni, Samen entfernt, grob zerkleinert
  • 1 kleine rote Chili, Samen entfernt, grob zerkleinert
  • 1 kleine Zwiebel, grob gehackt
  • 1 Knoblauchzehe, grob zerkleinert
  • 25 g Knollensellerie, grob zerkleinert
  • Saft 1 Orange (ca. 90 g)
  • 35 g getrocknete Pflaumen
  • 1 EL brauner Zucker
  • 3 cl Whiskey
  • 35 g Worcestershiresauce
  • 100 g passierte Tomaten
  • 2 EL Sojasauce
  • 25g Tamarindenpüree
  • 50 g Apfelmus (ich: Stückchen)
  • 1 TL Kräuter der Provence
  • 1/2 TL Rauchsalz (ich: normales + 1/2 TL gerächertes Paprikapulver)

barbequesosse serieWährend Herr H. die einzelnen Saucenzutaten, zerkleinerte und bereits stellte, erhitzte ich etwas Öl in der Pfanne und schwitzte, Zwiebeln, Knoblauch, Peperoni und Chili ca. 5 Minuten darin an. Dann fügte ich den Sellerie und die Apfellwürfel hinzu, streute den Zucker ein und ließ alles ein wenig karamellisieren. Das dauerte einige Minuten. Danach löschte ich mit Whiskey ab, ließ ihn vollstänidig verdunsten und gab die restlichen Zutaten hinein. Nun durfte die Sauce bei kleiner Hitze eine knappe halbe Stunde offen einköcheln. Als sie fertig war, pürierte ich sie mit dem Stabmixer und stellte sie beiseite.

Für den Coleslaw:

  • 1/2 kleiner Chinakohl, vom Strunk befreit, quer in feine Streifen geschnitten
  • 2 kleine Möhren, in feine Streifen geschnitten
  • 1/2 Scheibe Knollensellerie, in feine Steifen geschnitten
  • 1 EL Holunderblütenessig
  • 2-3 EL Olivenöl
  • 1 TL Senf
  • 1 TL Honig
  • 3 EL Crème Fraîche
  • Salz, Pfeffer
  • etwas Koriandergrün und Thai-Basilikum, nach Belieben

cole slaw SerieIch kümmerte mich um den Chinakohl, während Herr H. Möhre und Sellerie mit dem Julienne-Schneider in feine Streifen hobelte. Dann gab ich Essig, Senf, Honig, Salz und Pfeffer in ein Schälchen, schlug alles gründlich mit dem Schneebesen und ließ, während ich weiter schlug, das Olivenöl eintröpfeln. Herr H. hackte das Grünzeugs und vermengte schließlich alle Zutaten in einer großen Schüssel. Später sollten wir feststellen, dass der Coleslaw eine ordentliche Zusatzportion an Gewürzen benötigt hätte, da er die zugegebenen einfach „schluckte“. Nächstes Mal also großzügier würzen!

Ich hatte in der Zwischenzeit einige Kartoffeln in der Pelle gegart. Nun nahm ich die Rippchen aus dem Backofen, bepinselte die halbierten Kartoffeln mit Öl und heizte den Backofengrill auf höchster Stufe an. Die Kartoffeln durften auf mittlerer Schiene etwas anknuspern, während die Rippchen direkt unter dem Grill ca. 2-3 Minuten pro Seite bräunten. Zuguterletzt bestrich ich sie auf der Oberseite großzügig mit BBC-Sauce und ließ sie einige Minuten glasieren. Fertig!

spare ribs mit DetailsFazit. Nach dem Essen leckte ich mir genussvoll die Finger und fragte Herrn H., warum wir eigentlich zuvor noch nie Rippchen hatten. Sie waren herrlich saftig und für „Knochen-abgnag-Fans“ wie mich ein wahrer Hochgenuss. Auch Herr H. war hochzufrieden. Es wird in Zukunft definitiv häufiger Rippchen geben. Ich habe mir schon einige Rezepte markiert. Der Coleslaw war leider mit fortschreitender Zeit ein wenig fad geworden, aber die BBC-Sauce zu den knusprigen Kartoffeln machten das mehr als wett.

Rippchen und BBC-Sauce aus: Slow Cooking, Kochen mit Zeit, Lust & Liebe Hans Gerlach

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32 Gedanken zu „Fingerlickin‘ good!

  1. Pingback: Best Burger in Town! | Kochpoetin – In jedem Gericht ein Gedicht

  2. Ui, was ich alles verpasst habe hier! Musste jetzt erst mal nachlesen, nachdem bei mir der Stress etwas nachgelassen hat. Und Rippchen … da habe ich gleich beim Lesen Appetit bekommen! Extrem lecker finde ich sie ja auch in Karamell gekocht (ist, glaube ich, vietnamesisch). Aber diese BBQ-Sauce klingt gut, die probiere ich sicher mal aus!

  3. Ich komme spät, sorry, weil viel los war hier, gestern begann der Aushub für unser neues Haus, aber nicht nur deswegen. Rippchen werden hier, also bei uns, meist zu Brühe für die verschiedensten Gaeng und Suppen verkocht oder seltener gegrillt. Dein Langsam-Ofen-Rezept wird 100%ig nachgemacht. Es freut, dass Du sogar Tamarindenpüree vorrätig hast. Beim Coleslaw bin ich noch nicht sicher, sehr alte Erinnerungen an McD oder KFC kommen auf, aber die Anleitung hier lässt besseres erahnen.

    • Noch was: Hier zählen 3 Kräuter als Thai Basilikum, Grapao, Horapa und Maenglak, die aber recht verschieden schmecken und riechen. Welchen der 3 nennt man in DE Thai Basilikum?

      • Schaute im deutschen Wikipedia, nichts neues, alle 3 gehen unter Thai Basilikum. Ungenau dort ist noch, dass Horapa in Vietnam zum Essen gereicht werde. Das ist auch in Thailand so, man rupft die Blättchen von den Stängeln und stopft sie zwischen 2 Löffeln von Hand in den Mund.

      • Auf der Verpackung steht zumindest Horapa, es richt und schmeckt irgendwie minzig-anisig und ist recht dominat. Gerade im Winter (jetzt ich er da, oh Graus) liebe ich es sehr, da meine Kräuter auf der Fensterbank ins Kellerwinterquartier umsiedeln mussten und das Bedürfnis nach etwas Frischem besonders groß ist. Besonders gut schmeckt es auch püriert, nach dem Kochen zugegeben in einer schlichten Tomatensauce. 🙂

    • Das macht überhaupt nichts – ist doch keine Pflichtveranstaltung.;-) Erst die Mauer, dann das Haus, ich glaube, ich hätte anders herum angefangen, aber ich kenne ja eure Umstände nicht. Suppen kann man aus den Rippchen natürlich auch excellent machen, aber ich gnage wirklich zu gern Knochen ab.
      Und es gibt recht wenig, das ich nicht vorrätig habe, eine große logistische Herausforderung, möchte man nichts wegwerfen müssen, bislang gelingt es mir aber ganz gut.

  4. Über Spare-Ribs hab ich auch schon nachgedacht, gabs eeewig nicht und aus dem Ofen sind meine sowieso immer. Deine klingen hervorragend… und Cloeslaw braucht definiert mehr, mein Rezept verlangt 4 El Essig und auch etliches an Senf…

  5. Mmmh Rippchen…genau mein Ding! Die Bilder machen richtig appetit! Ich mach die eigentlich immer im Ofen und nur zum Knusprig werden (ankohlen) kommen die aufm Grill. Was für ein Zufall! Auf Coleslaw habe ich schon seit ein paar Tagen Lust. Habe auch alle Zutaten daheim, aber irgendwie finde ich keine Zeit.

    • Und ich bei einem privaten Barbecue in Kanada. 🙂 Setzt natürlich so einen Hightec-Grill voraus – den wir nicht haben. Aber die aus dem Ofen waren auch gut.
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  6. Ach, waren das auch bei dir die ersten Rippchen? Find ich lustig, dass wir beide so lange damit gewartet haben, um endlich einmal Ripperln zu machen. Dein Rezept kopiere ich mir, das kommt beim nächsten Mal dran, wenn ich wieder mal schöne Rippen sehe.

    • Ja, das waren tatsächlich meine ersten. Keine Ahnung, warum. Es ist ja nicht so, dass man ein besonders exklusives Stück Fleisch verhauen würde, wenn’s nicht geklappt hätte. Vielleicht werden sie einfach zu selten zum Verkauf angeboten?

  7. Ich mag es wie ihr/du die Beiträge erstellt: alle Zutaten nochmals als Einzelfotos neben dem fertigen Gericht = super! Aber bestimmt sehr zeitaufwändig oder??

    Rippchen im Backofen….hat was! Ich mag ja bekanntlich nichts, wo noch Knochen dran sind, der Mitgenießer dafür aber umso mehr…daher danke fürs Rezept.

    • Freut mich, dass dir die Fotos gefallen. Und, ja, es ist sehr zeitaufwendig, aber da wir uns die Arbeit teilen, kriegen wir es irgendwie hin. Während Herr H. die Bilder bearbeitet, schreibe ich. 🙂
      Echt, du bist kein KNochenfan? Herr H. eigentlich auch nicht, umso besser für mich, so bekomme ich seine Reste zum Abgnagen. 🙂

  8. Oh wie toll! Ich knabber auch gerne, muss gleich mal am Samstag auf dem Markt nach Rippchen fragen bzw. welche bestellen 🙂

    Und auf Cole Slaw mit Chinakohl wäre ich nie gekommen. Ich nehme meistens Spitz- oder Weisskohl. Aber da weiß ich jetzt wenigstens, was ich mit dem Rest Chinakohl hier mache 🙂

    • Ich habe den Rest ja zum Glück noch eingefroren. 🙂

      Ich glaube, nächstes Mal werde ich einfach einen „ordinären“ Krautsalat dazu machen, aber etwas kräftiger gewürzt, wäre der Coleslaw sicher gut gewesen.

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