Ein Huhn kommt selten allein

Menu Serie - klDie beste Nachbarin hatte vor einigen Wochen gefragt, wie wir Sylvester verbringen würden. Wie jedes Jahr, antwortete Herr H. ihr. Wir würden kochen, essen und genießen. Sie sei herzlich eingeladen und dürfe auch gerne den einen oder anderen Gast mitbringen. Wir suchten für die Runde nach einem flexibel erweiterbaren Essen, da zunächst nicht klar war, wie viele Gäste zu bewirten sein würden und bekanntlich ein Unglück Gast selten allein kommt. Was wäre also besser geeignet, als ein chinesisches Menue? Hier steht der Reis im Mittelpunkt , ein oder zwei würzige Fleisch- oder Fischgerichte können durch beliebig viele Gemüse oder Tofubeilagen ergänzt werden. Perfekte Flexibiltät! Und wenn alle Würzzutaten erst einmal bereit gestellt sind, kocht es sich quasi von allein.

Für das knusprige Hähnchen mit Essigglasur:

  • 1/2 in Meistersauce gegartes Hähnchen*
  • neutrales Öl zum Frittieren
  • 1 lange rote Chili, Samen entfernt, fein gehackt
  • 1 lange grüne Chili, Samen entfernt, fein gehackt
  • 1 große Handvoll Korianderblätter, fein gehackt
  • 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
  • 1 TL Ingwer, fein gehackt

Glasur mit schwarzem Essig:

  • 2 EL Zucker
  • 2 EL Shao Xing (chinesischer Reiswein)
  • 250 g Hühnerbrühe
  • 1 EL helle Sojasauce
  • 2 EL Auternsauce
  • 2 EL Chinkiang-Essig

huhn aus meistersosse zutaten serieIch kochte für die Glasur Zucker und Shao Xing auf, gab die Hühnerbrühe hinzu und ließ die Flüssigkeit um die Hälfte einkochen. Dann gab ich Sojasauce, Austernsauce und Chinkiang-Essig hinzu und schmeckte die Sauce ab. Sie sollte ausgewogen süß-salzig-sauer schmecken. Herr H. erhitzte derweil das Frittieröl auf 180°C, tupfte das Hähnchen trocken, frittierte die einzelnen Teile ca. 8 Minuten und bestrich sie nach dem Abtropfen mit der Glasur. Vor dem Servieren bestreute er das Fleisch mit Chili, Koriander, Knoblauch und Ingwer.

*In Meistersauce gegartes Hähnchen:

  • 1/2 Hähnchen (ca. 800 g)
  • 1 Frühlingszwiebel, nur das Weiße, in feine Streifen geschnitten
  • weißer Pfeffer

Für die Meistersauce:

  • 250 g helle Sojasauce
  • 125 g Shao Xing
  • 1200 g Wasser
  • 62 g gelber Kandiszucker, zerkleinert
  • 1/4 Bund Frühlingszwiebeln, nur dunkelgrünes Teile
  • 1 kleines Stück Ingwer, in Scheiben geschnitten
  • 2 Sternanis
  • 1 Zimtstange
  • 2 getrocknete Tangerinenschalen (ich: Orange)

meistersosse serieIm Kochbuch steht, diese Brühe trüge den Namen Meistersauce, da sie immer wieder verwendet werden kann. Nach dem Garen des Hähnchens friert man sie ein, ergänzt vor der nächsten Verwendung Wasser und Würzzutaten und nach mehreren Verwendungen  bekomme sie einen sehr ausgeprägten Geschmack und eine intensive Farbe. Es werde gemunkelt, es gäbe in China Meistersaucen, die Jahrhunderte alt seien. Nun, ich habe die Brühe eingefroren und werde es ausprobieren, auch wenn ich wohl nicht auf ein so hohes Alter kommen werde.

Die Zubereitung war denkbar einfach. Als erstes bedeckte ich das Hähnchen mit Wasser, kochte es auf und ließ es 1 Minuten garen. Dann nahn ich es heraus, spülte es kalt ab und legte es beiseite. Danach gab ich alle Zutaten für die Meistersauce in einen Topf, kochte sie auf und ließ sie 30 Minuten köcheln. Anschließend gab ich das Hähnchen in die Sauce (es sollte ganz bedeckt sein) und ließ es ca. 20 Minuten ohne Deckel bei mittlerer Hitze darin garen. Nun durfte das Hähnchen in der Sauce abkühlen. Als es abgekühlt war, nahm Herr H. es aus der Brühe, siebte sie und fror sie zur weiteren Verwendung ein.

meisterhuhn 3Für die geschmorten Shiitake-Pilze:

  • 18 getrocknete Shiitake-Pilze, 30 Minuten in ca. 600 g warmem Wasser eingeweicht, ca. 350 g des Einweichwassers aufgehoben, Stiele entfernt, halbiert
  • 1 kleines Stück Ingwer, geschält und gehackt
  • 1 Knoblauchzehe, gehackt
  • 2 TL Zucker
  • 1 1/2 EL Erdnussöl
  • 1 1/2 EL Shao Xing
  • 1 EL Pliz-Sojasauce
  • 1 EL gelbe Sojasauce (ich: helle)
  • 1 Frühlingszwiebel, in Ringe geschnitten
  • 1 Pr. weißer Pfeffer
  • 2 TL Sesamöl

zutaten SerieWährend Herr H. die Shiitake-Pilze entfußte, mörserte ich Ingwer, Knoblauch und Zucker zu einer grobkörnigen Paste. Dann erhitzte ich das Erdnussöl in der Wokpfanne, bis es zu rauchen begann, bräunte die Pilze an und briet die Paste unter Rühren , bis sie zu duften begann. Das dauerte keine Minute. Nun fügte ich die Einweichflüssigkeit und die Sojasauce hinzu, reduzierte die Temperatur und ließ die Plize ca. 15 Minuten offen köcheln. Als sie fertig waren, gab ich sie in eine Schale, beträufelte sie mit Sesamöl, Frühlingszwiebeln und weißem Pfeffer und stellte sie warm.

shitake 2 Für die geschmorte Bittermelone:

  • 2 Bittermelonen à 600 g, abgespült, weißes Inneres entfernt, in mundgerechte Stücke geschnitten
  • 2 EL neutrales Pflanzenöl
  • 2 EL helle Sojasauce
  • 2 EL Zucker
  • 2 TL Chiliöl
  • 250 g Wasser
  • 1 TL Sesamöl

bittermelone SerieHerr H. schnitt die Bittermelone in mundgerechte Stücke. Das Entfernen des Innenlebens entfiel, da ich sie bereits geputzt als Tiefkühlware gekauft hatte. Anschließend garte er die Stücke ca. 7 Minuten in kochendem Wasser, schreckte sie kalt ab und erhitzte das Öl in der Wokpfanne, bis es zu rauchen begann. Er briet die Melonenstücke, bis sie etwas Farbe annahmen, goß Sojasauce, Zucker, Wasser und Chiliöl hinzu und ließ alles bei mittlerer Hitze köcheln, bis die Sauce eine sirupartige Konsistenz bekommen hatte. Dann gab er alles in eine Schale, träufelte Sesamöl darüber und stellte sie warm.

Bittermelone 3Für den pfannengerührten Chinakohl mit Chinkiang-Essig:

  • 1/2 Chinakohl, in mundgerechte Stücke geschnitten
  • 2 EL Chinkiang-Essigf
  • 125 g Erdnussöl (ich: ca. 60 g)
  • 1 TL Ingwer, fein gehackt
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 EL Shao Xing
  • 1 TL Weißweinessig
  • 2 EL Palmzucker, fein gehackt
  • 2 EL Austernsauce

zutaten serieIch erhitzte die Hälfte es Öls bis zum Rauchpunkt, briet Ingwer und Knoblauch einige Sekunden darin an, gab den Kohl hinzu und pfannenrührte ihn ca. 2 Minuten. Dann löschte ich mit Shao Xing ab, gab beide Essigsorten, Zucker und Austernsauce hinzu und garte alles eine weitere Minute. Herr H. erhitzte in der Zwischenzeit das restliche Erdnussöl auf 180°C und übergoß den Kohl in der Schale vorsichtig damit. Der Reiskocher hatte inzwischen den Reis (Jasmin) wie üblich auf den Punkt gegart. Es klingelte. Et voilá, fertig war das Essen.

chinakohl 4Fazit: Bis auf die Bittermelonen fanden alle Gerichte starken Anklang. Das Hähnchen glänzte durch zartes, saftiges Fleisch, umhüllt von einer herrlich knusprigen Kruste. Der Chinakohl mit Chinkiang-Essig war absolut köstlich und ich weiß nun endlich eine alternative Zubereitung für ihn neben Kimchi. Auch die Shiitake in leicht süßer Umgebung schmeckten erfrischend anders. Übrig blieb nur ein kläglicher Rest an Bittermelonen, aber schließlich musste auch noch Platz für ein Törtchen bleiben. Ein war absolut gelungener Abend, bei dem wir den Jahreswechsel vertieft ins Spielen fast verpasst hätten.

Herrn H. und mir bleibt nun nur noch, allen ein frohes, gesundes und glückliches neues Jahr zu wünschen!

Aus: Asia Food Neil Perry

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27 Gedanken zu „Ein Huhn kommt selten allein

  1. Pingback: Die Guten ins Töpfchen… | Kochpoetin

  2. Hallo Eva, ich bin durch Zufall auf deine Seite gestoßen, und ich muss sagen, sie ist sehr ansprechend gestaltet. Ich bekomme hier richtig Appetit und Lust, einiges davon selbst auszuprobieren.

    Viele Grüße
    Angela

  3. Du bestärkst mich darin, die chinesische Küche weiter zu erforschen! Und gerade für das Chinakohlrezept bin ich Dir sehr dankbar, denn dieses Gemüse finde ich so langweilig, dass ich es bisher auch nur als Kimchi akzeptabel fand. Wo hattest Du denn die Bittermelone her?

    • Du hast doch dieses wunderbare Buch aus London mitgebracht. Vielleicht könntest du einige Sachen daraus vorstellen. 🙂 Ich habe bislang noch kein zufriedenstellendes chinesisches Kochbuch gefunden.
      Die Bittermelonen gibt’s frisch oder bereits „ausgenommen“ tiefgekühlt bei Vinh Loi.

  4. Ein tolles Menü und auch genau nach meinem Geschmack! Hoffe du bist auch gut ins neue Jahr gerutscht, aber bei dem Menü habe ich keine Zweifel. Liebe Grüße und ein tolles 2014 🙂 Emma

  5. Ebenfalls noch ein frohes neues Jahr!
    Ansonsten frage ich mich, was länger gedauert haben mag: alles einzukaufen, vor- und dann noch zuzubereiten…. Oder alles im Bild zu dokumentieren und aufzuschreiben….
    In jedem Fall viel Arbeit für ein sicher köstliches Silvestermenü.

    Mit leckerem Gruß, Peter

    • Dir auch ein wunderbares neues Jahr, Peter!
      Zu deinen Fragen. Das Einkaufen ging schnell, das meiste habe ich eh immer da, das Zubereiten ging auch recht zügig – allein Bildbearbeitung und schreiben haben etwas gedauert… 😉
      Liebe Grüße,
      Eva

  6. Das ist ja wieder ein tolles Essen! Dass diese Meistersauce immer besser wird, kann ich mir gut vorstellen. Und ich warte gespannt auf weitere Berichte, wie sich die Sauce so tut.

    Wie schmeckt Bittermelone? Ich habe sie zwar schon gesehen, aber noch nie gegessen.

    • Danke, Susi. Ich werde berichten.
      Bittermelone schmeckt, tja, wie der Name schon sagt, bitter. Sie bekam zwar durch die Zubereitung etwas Süße, aber meinen Mitesser reichte das nicht. Vielleicht gibt es sie in deinem Asia-Laden auch eingefroren?

  7. Bist Du für kommendes Silvester noch zu haben? 🙂
    Im Ernst, Du hast genau meinen Geschmack getroffen. Und das Rezept für den Chinakohl, das ist schon gespeichert. Chinakohl gehört zu den Gemüsen, die ich eigentlich sehr gerne mag, die aber doch zu kurz kommen, weil bei der Zubereitung eine gewisse Phantasielosigkeit bei mir überhand nimmt….

    • Wir haben noch keine Pläne. 😉
      Chinakohl fand ich ansonsten auch immer schwierig, aber der Chinkinag-Essig mit seiner leicht karamelligen Note ist dazu wirklich perfekt!

  8. Die Bittermelone ist wirklich nicht jedermanns Sache, aber gerade so als Abwechslung unter mehreren Gerichten finde ich die wirklich lecker. Ich habe allerdings auch ein paar Anläufe gebraucht, bis ich sie mochte 😉 Frohes neues Jahr!

    • Ich mochte sie auf Anhieb, aber nicht in rauen Mengen, sondern eher als geschmackliche Abwechslung. Die Mitesser waren nicht zu überzeugen, bitter ist ja immer schwierig. 😉
      Dir auch nochmal ein wunderbares Jahr!

  9. Das heißt, du kochst das Hähnchen zuerst in der Sauce, und dann wird es frittiert und anschließend glasiert, hab ich das richtig verstanden?
    Übrigens: „entfußen“ ist ein sehr nettes Wort :-))
    Euch beiden auch alles Gute für dieses Jahr!

    • Absolut richtig. Ich hatte befürchtet, dass das Huhn diese ganzen Garprozesse mit gummiartiger Konsistenz quittieren würde, aber es war wirklich zart und saftig innen.
      Jaja, die Analogiebildungen. 😉
      Euch auch noch einmal alles Gute!

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