Das große Rollen

Koreanisches Menu 13Am Sonntag vor einer Woche war es endlich soweit. Die beste Nachbarin hatte mir zum Geburtstag eine Einladung in das koreanische Restaurant Han Mi (die Website befindet sich noch im Aufbau) geschenkt. Erwartungsvoll betraten wir das geschmackvoll schlicht eingerichtete Lokal. Und unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Das Essen war ein Gedicht und der Service sehr aufmerksam. Ich hatte als Hauptgericht mariniertes Schweinefleisch, dass mir unglaublich gut schmeckte. Ich vermutete Gochujang, Knoblauch, Lauchzwiebeln und Sojasauce natürlich, aber den Rest konnte ich nicht zuordnen. Ich fragte die Kellnerin nach dem Rezept. So genau wisse sie es nicht, das Fleisch werde auf jeden Fall am Vortag in eine Marinade gelegt und am nächsten Tag bei starker Hitze gebraten. Zum Glück wußte ich, an wen ich mich für nähere Informationen wenden konnte. Missboulette (bzw. Gastautor Martin) lieferte zuverlässig das passende Rezept. Herr H. und ich machten uns gleich anlässlich eines anstehenden Besuchs daran.

Für das Jejuk Bokkeum (scharf mariniertes Schweinefleisch):

  • 500 g Schweinebauch oder -nacken (ich: Nacken)
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln
  • 1 kleine Zwiebel

Für die Marinade:

  • 2 EL Chilipaste (Gochujang)
  • 2 TL Chiliflocken (Gochugaru)
  • 3 EL helle Sojasauce
  • 3 EL Reiswein
  • 2 EL Sesamöl
  • 3 Knoblauchzehen
  • 1 EL Ingwer, gerieben
  • 1 Apfel, gerieben (ich: in winzige Würfel geschnitten)

fleisch serieWährend Herr H. das Fleisch in ganz feine Streifen schnitt, schnippelte ich die Zwiebeln, den Apfel und rührte die Marinade an. Dann gab ich alles in eine große Schüssel, vermengte es gründlich und ließ die Schüssel abgedeckt kühl ca. 3 Stunden stehen. Am Vortag hatte ich bereits das Gurkenkimchi (Oisobagi) vorbereitet. Als ich die neu dafür gekaufte Gurke in den Kühlschrank legen wollte, entdeckte ich eine spanische Biogurke, deren Existenz mir entfallen war. Sie hatte sich mindestens zwei Wochen im Gemüsefach versteckt und war optisch und geschmacklich noch einwandfrei. Irgendwie unheimlich.

Für das Gurkenkimchi (Oisobagi):

  • 12 kleine Einmachgurken oder 2 Schlangengurken
  • 3 EL Salz
  • 1 Bund Buchu (Schnittknoblauch), in 1cm lange Stücke geschnitten
  • 1 mittelgroße Möhre, in sehr feine Julienne geschnitten
  • 2 TL Gochugaru
  • 1 TL Sesamsaat, geröstet
  • 1 TL Salz
  • 1/2 TL Zucker
  • (optional: 1/2 Zwiebel)

kimchi serieEs war mein erstes Gurkenkimchi und so richtig gut ist es nicht gelungen, da ich mir partout nicht vorstellen konnte, wie man Gurken vier bis sechs Mal einschneidet, ohne dass die Gurke dabei auseinanderfällt. (Jetzt bin ich schlauer, sie werden wie Salzzitronen der Länge nach geviertelt, nur das obere Ende bleibt ganz). Beim Versuch, Salz in die Schnitte zu reiben brachen mir mehrere Stücke ab, so dass ich beschloss, sie gleich alle zu zerteilen. Ich gab die Gurkenstücke mit 3 EL Salz in eine Schüssel und vermengte alles gut. Nun durften die Gurken zwei Stunden ruhen, einmal wendete ich sie zwischendurch. In der Zwischenzeit bereitete ich die Füllung vor. Nach den zwei Stunden füllte ich die Schüssel zweimal mit Wasser auf, spülte die Gurken gründlich ab und ließ sie im Sieb abtropfen. Dann drückte ich sie vorsichtig aus und vermengte sie mit der Füllung, die eigentlich in die Schnitte gerieben werden sollte und stellte sie über Nacht kalt.

Für den Lauchsalat (Pajeoli):

  • 1 große Lauchstange, weiße Hälfte, in ca. 5cm lange, sehr dünne Julienne geschnitten
  • 1 EL Gochugaru
  • 1 EL Zucker
  • 2 EL Apfelessig
  • 1/2 EL Sesamöl
  • 1/2 EL Sesamsaat, geröstet
  • Salz nach Belieben

lauchsalat serieHerr H. übernahm die Aufgabe, die feinen Lauchstreifen zu schneiden und bedeckte sie anschließend in einer Schüssel mit Wasser und 1 EL Essig. Das soll die Schärfe des Lauchs ausschwemmen und ihn etwas „aufspringen“ lassen. Nach einer Stunde gab er die Lauchstreifen vorsichtig in ein Sieb und ließ sie gründlich abtropfen. Man sollte sie nicht ausdrücken, da sie ansonsten ihr Volumen verlieren. Anschließend vermengte er den Lauch vorsichtig mit dem Dressing und inzwischen war auch der Besuch eingetrudelt. Ich erhitzte eine Wokpfanne mit etwas Öl bei starker Hitze und gab das marinierte Schweinefleisch hinein. Unter Rühren ließ ich es ca. 8 Minuten braten und dann konnte serviert werden.

Im Han Mi gab es alle Beilagen, es waren noch frittierte Auberginen, gekochter Spinat und karamellisierte Lotuswurzelscheiben darunter, in gleich großen viereckigen Schalen. Wir versuchten verzweifelt die einzelnen Füllungen mit den Metall(!)stäbchen (unglaublich schwer zu handhaben und ich kann eigentlich gut mit Stäbchen essen) auf ein Salatblatt zu bugsieren und es anschließend gerollt zu verspeisen, was mit einem Eichblattsalat nicht wirklich gut funktioniert und auch der Eisbergsalat ist kein geeigneter Kandidat, seine Blätter sind zu fest. Also hatte ich einen schlichten Kopfsalat mit recht „weichen“ Blättern besorgt. Den Reis hatte der Reiskocher nebenbei perfekt gegart. Und den Spinat dünstete ich einfach kurz mit etwas fein gewürfeltem frischen Ingwer.

Koreanisches Menu serie 1Fazit: Die beste Freundin, die bislang noch keine Berührung mit der koreanischen Küche gemacht hatte, war sehr angetan. Sie bemerkte treffend, dass die Kombination von Schärfe, Süße, erdigem Spinat und mildem Reis vortefflich sei, nachdem sie sich an einem Häppchen Schweinefleisch solo fast verschluckt hatte, weil es für sich doch recht scharf war. Herr H. war zwar trotz der geeigneteren Salatblätter vom Gerolle nicht sehr angetan, da mir der Spinat etwas zu feucht geraten war und das Wasser beim ersten Biss in die Rolle fröhlich in alle Richtungen spritze, aber ich war glücklich! Das Jeyuk Bokkeum schmeckte mir sogar noch besser als das im Restaurant genossene und ich bin mit diesem Gericht ein noch größerer Anhänger der koreanischen Küche geworden.

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23 Gedanken zu „Das große Rollen

  1. Pingback: Des Fleisches beraubt | Kochpoetin – In jedem Gericht ein Gedicht

  2. Da haben wir beide eine beste Nachbarin von allen mit ähnlichen Geschenken: Wir gehen demnächst auch auf Nachbarins Kosten essen, weil ich von ihr einen Gutschein bekommen habe.

    Von mir auch nachträglich alles Gute zum Geburtstag!
    Koreanisches Essen kenne ich eigentlich kaum, aber das hier klingt auf jeden Fall sehr lecker!

    • Wird denn deine beste Nachbarin auch so gut von dir versorgt? 😉
      Danke für den Glückwunsch, ich sage nächstes Jahr rechtzeitig Bescheid. Das marinierte Schweinefleisch ist sehr empfehlenswert!

  3. Oh wie lecker. Ich wünsch dann auch mal noch alles Gute, auch wenn es schon eine Weile zurück liegt. Habe es bestimmt auch verpasst…

    Den Wok müsste ich auch mal wieder rausholen! Wenn ich die Köstlichkeiten da bei Dir so sehe!
    Ich trainiere mein Scharf-Gefühl ja noch… aber die Kombination süss-scharf und süss-salzig LIEBE ich 😀

    • Danke, Sandra. Nee, du hast nix verpasst, ich habe ihn seinerzeit einfach verschwiegen. 😉
      Das Gericht ist auf jeden Fall nachkochenswert, hast du die Chilipaste da oder soll ich dir vielleicht welche schicken? 🙂

  4. Auch von mir alles Liebe nachträglich! Das Gurkenkimchi balstel ich mir nach, hab mir neulich schon dieses Chilipulver besorgt. Und ich freue mich schon auf ein Mittag mit dem Schweinefleisch. Bei mir isst ja niemand was, wo fett dran sein könnte. Ich ja schon. muss mir auch immer komische Blicke einfangen, wenn ich Bauch auf den Grill lege. Das sieht alles hinreißend aus und ich klau dir einfach das Rezept. Oder ich geh zu han mi.
    Witzig – ich war grade bei Google Maps und habe han mi gesucht, da steht vor mir das Haus, in dem ich 4 Jahre gewohnt habe und die Kinder ihr erstes Zuhause hatten. Wir wohnen jetzt nur einen Katzensprung davon entfernt. Kann mir zwar nicht vorstellen, wo da ein Restaurant sein soll, aber ich schlapp mal vorbei.

    • Danke, Uda. Schön, mal wieder was von dir zu hören. 🙂 Ich habe zum Glück aus nichts gegen ein bisschen Fett. Und zum Han Mi, das liegt in einer Art „Center“ auf dem Hinterhof hinter der Tankstelle, ist aber nicht zu übersehen. Geh‘ unbedingt mal hin! Aber das Essen soll abends besser sein als zum Mittag…

      • Ach, jetzt weiß ich auch, wo das ist. Da war vorher so ein sehr merkwürdiger Club drin. Bin neulich dran vorbei gegangen und hab mich gewundert, dass da jetzt ein Restaurant ist! Ja, wird gemacht, da geh ich hin!! Danke für den Tipp!

  5. Oh, auch von mir nachträglich alles, alles Gute! Und danke, dass Du uns nachträglich an einem so großartigen Geburtstagsessen teilhaben lässt. Das ist genau meine Geschmacksrichtung und macht wirklich viel, viel Lust aufs Nachkochen.

  6. Wie schön dass Du geboren bist,
    wir hätten Dich sonst sehr vermisst!

    Ja, Deine Beiträge in der großen Community der Food- oder Koch- oder Genussblogs sind ncht wegzudenken und immer wieder ein Höhepunkt.

    Alles Liebe und Gute nachträglich zum Geburtstag.

    Toettchen

    • Ein Ständchen, 🙂 danke Toettchen, ich bin gerührt, auch wenn ich schon vor zwei Monaten Geburtstag hatte. 🙂 Und deine Beiträge sind auch stets ein Hochgenuss für mich!
      Liebe Grüße,
      Eva

    • Danke, Eva. Wie gesagt, ist schon bisschen was her, wir haben bloß keinen früheren Termin gefunden. Das Han Mi kann ich (zu Testzwecken) uneingeschränkt empfehlen, dann könntest du ganz bequem probieren. 😉

  7. Na dann erst mal alles Gute nachträglich!
    Koreanisches Essen ist einfach so was von lecker. Allerdings tue ich mich mit den Metallstäbchen auch immer noch ein bisschen schwer 😉 Danke fürs Rezept!

    • Danke, Tring. Mein Geburtstag ist allerdings schon eine Weile her. Das war ein Gutschein. 🙂
      Ich wüsste zu gern, warum die Stäbchen aus Metall sind. Auf jeden Fall sind sie unpraktisch!

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