Die Listenfrage oder Vanille-Matcha-Mousse

matcha vanille 4Ich bin immer wieder fasziniert davon, dass die meisten Food-Blogger Listen zu haben scheinen, die sie sukzessive abarbeiten, also nachkochen oder -backen. Solche Listen scheinen das Leben ungemein zu vereinfachen. Ein Blick genügt und schon ist klar, was nun an der Reihe ist. So hat man stets einen Plan. Ich habe meistens keinen Plan und stehe abends meist ratlos vor der Frage, was ich kochen könnte. Es gibt immer etwas, dass es dringend zu verbrauchen gilt, aber mir fällt im dem Moment einfach nichts dazu ein. Zum Glück gibt es in den meisten Kochbüchern Zutatenregister. Die haben mich schon oft gerettet. Herr H. rauft sich ob meiner Herangehensweise oft die Haare. Er liebt Listen und würde niemals ohne sie einkaufen gehen. Dadurch vergisst er nie etwas, kauft aber auch immer nur das, was auf der Liste steht. Ein Blick nach rechts und links bleibt aus, verlockende, neue Dinge werden übersehen. Wie zum Beispiel das Vanille-Matcha-Mousse von Mari. Ich sah es und wusste, ich will es unbedingt probieren.

Für die Vanille-Matcha-Mousse (1/2 Menge für eine 15er Kastenform + 1 kleines Glas):

  • 2,5 g Gelatine, in kaltes Wasser eingeweicht (ich habe beim 2. Versuch 3 g genommen)
  • 125 g Milch
  • 1/8 Vanilleschote (ich: 1/2 TL Vanilleesenz)
  • 30 g Eigelb (ca. 1,5)
  • 15 g Zucker A
  • 100 g Sahne
  • 60 g Eiweiß (ca. 2)
  • 10 g Zucker B
  • 1 g Matcha, in ca. 1,5 TL heißem Wasser aufgelöst

füllen serieZunächst weichte ich die Gelatine in kaltem Wasser ein, erhitzte die Milch mit der Vanilleessenz und rührte das Eigelb mit Zucker A weiß-cremig. Dann gab ich die heiße Milch unter Rühren hinzu, füllte sie wieder in den Topf und zog sie zur Rose ab (unter Rühren auf 83°C erhitzen). Ich nahm den Topf vom Herd, löste die gut ausgedrückte Gelatine in der Masse auf, gab sie durch ein Sieb in eine Schüssel und stellte in ein kaltes Wasserbad. Dort durfte sie bei gelegentlichem Rühren abkühlen (auf ca. 20°C). Nun schlug ich die Sahne zu 70% auf, schlug das Eiweiß mit Zucker B steif und löste den Matcha in heißem Wasser auf.

Zum Schluss rührte ich zunächst ein Drittel der Sahne unter die Eigelbmasse und hob diese Mischung unter die restliche Sahne. Darunter hob ich ein Drittel des Eischnees und anschließend den Rest. Dann nahm ich ein Drittel der Mousse ab, rührte den aufgelösten Matcha unter und gab zunächst etwas helle Mousse in die Kastenform. Darauf gab ich die grüne Mousse und schloss mit einer letzten Schicht heller Mousse ab. Ich versuchte mit einem Löffelstiel eine Marmorierung zu erzeugen, die beim ersten Versuch in der 20er Kastenform nicht besonders gut gelang.

matcha vanille 1Ich stellte die Form für ca. 6 Stunden in den Kühlschrank, tauchte sie dann kurz in heißes Wasser und stürzte sie auf eine Glasplatte. Die Stücke waren im Verhältniss zur Breite viel zu flach und die Marmorierung kaum vorhanden. Außerdem drohten sie schon während des Fotografierens umzustürzen. Also machte ich einen zweite Versuch mit leicht erhöhter Gelatinemenge und Herr H. durfte den Stiel spiralförmig durch die fertige Mousse ziehen, was ihm wesentlich besser gelang als mir. Vielleicht sollte ich doch mal einen Marmorkuchen backen.

matcha vanilla 5Fazit: Die Listenfrage konnte ich nicht klären, aber ich schließe mich Maris Meinung uneingeschränkt an. Die Mousse ist die zarteste, fein schmelzenste, die ich je gegessen haben. Der feine, leicht herb-bittere Matchageschmack passt perfekt zu der kräftig-süßen Vanille. Auch Herr H. war sehr angetan von dieser Mousse und die beste Nachbarin, die zuerst nur ein Löffelchen probieren wollte, vertilgte den ganzen Rest ohne mit der Wimper zu zucken. Ich bin sehr froh, mich auf meine spontane Intuition verlassen zu haben! Aber was mache ich bloß mit dem Chinakohl, der sich klammheimlich in mein Gemüsefach geschlichen hat?

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33 Gedanken zu „Die Listenfrage oder Vanille-Matcha-Mousse

  1. Pingback: Vanille Mandarinen Mousse | lieberlecker

  2. Solche Listen habe ich auch. Wahrscheinlich koche ich nie alles nach. Aber manchmal, wenn ich nichts besseres weiß, schaue ich die Liste durch – und siehe da, da ist wieder ein Rezept, auf das ich Luste habe. Ich arbeite nicht ab, sondern bin listig.

    • „Listig“ zu sein, scheint mir auch eine gute Strategie. 😉 Mir geht es, wenn ich einfallslos bin und „Marker“ sehe, meist so, dass ich keine Lust verspüre, dass Gemarkerte umzusetzen…

  3. Bei dem Anblick bekomme ich doch glatt wieder Appetit drauf. 🙂
    Chinakohl esse ich am liebsten als Auflauf, chinesische Art. Leider mag Kazu derzeit noch keinen Kohl.
    Liebe Grüße, Mari

      • Nein, bei Kochrezepten bin ich etwas träge. Hab es auch noch nicht übersetzt.
        Abgesehen davon ist das Rezept auch (wie in China üblich) für eine Speise, die Teil eines Ganzen ist. Also keine komplette Mahlzeit.
        Hm, ich sollte mal wieder richtig chinesisch kochen. *g*

      • Schade. Naja, die eine Hälfe des Chinakohls ist gestern einfach ins Ragú gewandert – war erstaunlich passend. Chinesisch kochen würde ich auch gern, aber mir fehlt ein richtig gutes Kochbuch. Aber ich hab‘ schon eins anvisiert. 🙂

  4. Haha…Ich mache meinem Mann immer Listen zum einkaufen, damit er nichts vergisst. Und ich liebe Listen generell. Nein das ist falsch gesagt, ich liebe es Listen zu erstellen, aber irgendwie ist es nicht so toll sie abzuhaken, wie ich es mit beim herstellen immer denke. 😀 Deswegen habe ich für vieles Listen, aber halte mich nie daran. Es wird spontan gekocht, was in meinem Kopf zu zusammenpasst. Aber dieses Mousse hat mich auch auf Maris Blog schon angelächelt. Vielleicht sollte ich mich jetzt nach dem zweiten positiven Feedback doch auch mal daran versuchen.

    Mach weiter so!
    LG JamsingSama

    • Mhm… Listen zu erstellen, an die man sich dann eh nicht hält, erscheint mir als Zeitverschwendung oder sortieren sich dadurch die Gedanken? Ich bleibe auf jeden Fall bei meiner Listenlosigkeit und ja, die Mousse ist absolut empfehlenswert, du solltest es probieren. 🙂

      Liebe Grüße,
      Eva

      • Um Gedanken zu sortieren, ist es unheimlich nützlich. Man könnte es auch betrachten wie einen Spickzettel, etwas das man nicht nutzt, aber was eine unheimlich gute Gedankenstütze ist.

        Beste Grüße

      • Das ist ein Argument. Ich habe früher zum lernen die Vokabeln auc einfach einmal in mein Heft geschrieben und hatte sie damit schon (fast) gelernt. Vielleicht sollte ich es mal mit diesem Ansatz probieren.
        Liebe Grüße,
        Eva

  5. Ich habe auch angefangen die Rezepte anderer Blogs mit Evernote zu speichern und greife auch ab und zu mal darauf zu. Ich bin beim Kochen auch eher chaotisch, meist überlege ich mir erst wenn ich aus dem Büro losgehe, was ich kochen will und ob ich noch was einkaufen muss. Dann habe ich aber nie meine Kochbücher zur Hand und weiß manchmal auch nicht mehr ganz genau was sich noch im Küchenschrank und Kühlschrank verbirgt. Aber zum Glück kann ich auch ganz gut improvisieren… 😉

    • Es lebe die Improvisation, obwohl ich in den letzten Wochen immer häufiger festgestellt habe, dass durch langes Überlegen und ein gewisses Maß an Struktur doch recht ansehnliche Gerichte entstehen können. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, meine improvisierten Gerichte fielen doch meist eher in die Kategorie „interessant“. 😉

  6. Bist du narrisch, das schaut gut aus! o.o
    Ich bin ja so eine, die sich immer wieder Rezepte abspeichert, um sie nachzukochen, aber irgendwie geht das nicht, wenn man 3 Rezepte am Tag speichert und aber nur einmal täglich kocht. Scheint wohl deine Variante die geschicktere.

    Chinakohl im Kühlschrank: Kimchi machen!

    • Danke, Susi. Beim 2. Mal passte die Form auch besser. 🙂
      Und eben, ich sehe pro Tag mindestens 10 Rezepte, die ich gern kochen würde – bleibt eben nur das, was sich am stärksten einprägt.
      Und schon die zweite Stimme für Kimchi… *seufz*

  7. Testblog – Sandra, du bist ja ein Genie 🙂
    Ich speichere die interessanten Dinge auf Evernote….und ab und zu komme ich mal dazu, etwas nachzubasteln. Nebenbei hab ich noch so kleine Zettel am Küchlschrank. Eine Planung mache ich auch, sonst würde ich wohl intergehen mit 4 Personen hier. Heißt aber nicht, dass ich mich dann auch dran halten. Oft kann man dann ja aus den Zutaten auch was ganz anderes machen.
    Und jetzt speichere ich deine Mousse, die sieht nämlich herrlich aus!

    • Danke, Susanne. 🙂
      Für eine ganze Familie zu kochen stelle ich mir unheimlich schwierig vor – der ein mag das nicht, der andere dies…
      Und dass man aus den gleichen Zutaten etwas ganz anderes zaubern kann, fasziniert mich immer wieder beim Kochen. Habe gestern mal einen verstaubten Klassiker neu aufgelegt, war super. Nur leider habe ich keine Bilder, also gibt es den wohl zeitnah wieder. 🙂

  8. Die Mousse sieht wunderbar schaumig-locker aus – auch wenn Matcha nicht ganz so meins ist 😉

    Eine reale Liste habe ich – zumindest allgemein – auch nicht, eher eine Mischung aus Klebezetteln an Kochbüchern und gespeicherten und noch nicht ausprobierten Rezepten, in denen ich dann über die Suchfunktion bzw. das Register nach Zutaten suchen kann. Komplett nach Liste kochen würde bei mir auch keinen Sinn machen, weil mir sonst mein Abokisten-Gemüse liegen bleiben würde. Insofern habe ich eine Wochen- aber keine allgemeine Kochliste 😉

    • Danke, Tring. 🙂 Vielleicht könnte man das Drittel auch mit etwas in heißem Wasser aufgelöstem Kakaopulver aromatisieren?
      Mit Klebzetteln habe ich ganz schlechte Erfahrungen gemacht. Alle Kochbücher waren voll davon und gekocht habe ich letztlich ein unmarkiertes Rezept: 😉 Und klar, so eine Biokiste erfordert natürlich Fexibilität, aber es sieht aus, als kämest du gut damit klar!

  9. Oh, das sieht wunderbar aus, und ich glaube gerne, dass die Kombination herb-süß toll schmeckt. Speicher ich dann mal sofort ab … 😉 Nee, eine systematische Liste habe ich auch nicht, aber ich speichere mir Rezepte immer in Zotero ab und verschlagworte sie. Manchmal finde ich dann tatsächlich im richtigen Moment Inspiration.
    Und zum Chinakohl: Ich finde, das Beste, was man mit diesem langweiligen Gemüse machen kann, ist Kimchi.

    • Danke, Sabine. Wie gesagt, die Mousse ist fantastisch. Was ist Zotero? Eine Datenbank? Sowas wäe vielleicht auch eine gute Alternative. Immerhin habe ich es geschaft, mir einen Feedreader zu organisieren. 😉
      Kimchi, jahaa, ich stimme generell zu, nur beansprucht das dann wieder eine Menge Platz in meinem ohnehin chronisch überfüllten Kühlschrank… mal sehen, ich weiß gar nicht, ob er überhaupt noch „gut“ ist, vielleicht hat sich das Problem schon von allein gelöst.

  10. Ich sehe so etwas wie diese Mousse, denke, die will ich auch mal machen, schreibe mir aber nicht auf, bei wem ich das gesehen habe und wenn ich in einigen Monaten so einen Geistesblitz „Vanillemousse“ habe, weiss ich überhaupt nicht mehr, wo ich suchen muss! 😦 Aber vielleicht schreibe ich es mir diesmal auf.
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Da ist mein Hirn zum Glück besser auf Zack, ich erinnere mich meist, wo ich etwas Begehrenswertes gesehen habe, auch wenn ich dann im entsprechenden Blog lange suchen muss, weil ich mir den genauen Titel nicht gemerkt habe. 😉 Du solltest aus dem „vielleicht“ ein „bestimmt“ machen, es lohnt sich. 🙂
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

  11. Ich hatte die ganze Zeit auch Listen, aber mit der Zeit wurde das einfach zu unübersichtlich, am Ende war es schon ein DIN-A4 Ordner voller Rezepte. Das Probleme habe ich jetzt anders gelöst – ich habe einen Testblog, wo ich immer Änderungen teste, bevor ich sie am richtigen Blog teste. Dort sammeln sich gerade über 100 Rezepte als Entwurf-Posts *g*
    Ich kann die Suchfunktion nutzen, habe das Rezept und den Link zum ursprünglich Post zur Hand – wunderbar 😀

    Und zum Mousse – es schaut sehr verlockend aus! Ich mag Matcha und Vanille sowieso! Bis auf das Ei… aber probieren geht trotzdem 🙂

    • Das mit dem Testblog ist eine hervorragende Idee, ich speichere die unausgegorenen Post als Entwürfe, lösche sie aber dann meist irgendwann, weil sie nicht umsonst Entwurf geblieben sind. Vielleicht lege ich mir also lieber auch so eins zu. 🙂
      Und danke, Sandra, leider lässt sich das Ei in der Mousse (soweit ich weiß) durch nichts ersetzen…

      • Anfangs hatte ich die Ideen bzw. Nachkoch/backsachen auch im normalen Blog, aber das wird ein riesen Durcheinander….

        Von der Mousse würde ich trotzdem mal naschen 😉

      • Du machst, glaube ich, auch viel mehr als ich, in der Woche koche ich zumeist bilderlos – so auch gestern, so ein Mist, es war nämlich richtig gut…
        Ich schieb dir ein Löffelchen ‚rüber! 🙂

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