Wenn die Blätter fallen oder Stracci di castagne

maronennudeln Serie2Als wir im Urlaub unsere muskelkatergeplagten Beine in den mittleren, nur leicht an- und absteigenden Lagen der Berge ausruhten, stießen wir immer wieder auf stattliche Edelkastanien, an deren Stämmen wehrhafte Schilder das Sammeln der Früchte verboten. Ich wunderte mich sehr darüber, hatte ich doch vor einigen Jahren ofengeröstete Esskastanien oder Maronen probieren dürfen. Meine Schwester hatte sie aus dem mittleren Westen Deutschlands mitgebracht und wir alle waren gespannt auf die vermeintliche Delikatesse. Welch herbe Enttäuschung! Die Maronen waren so mehlig-trocken, dass man sie ohne weitere Flüssigkeitszufuhr kaum geschluckt bekam. Ich beschloss, die „Delikatesse“ den anderen zu überlassen und vergaß die Maronen. Die Sammelverbotsschilder gaben mir jedoch zu denken. Die Maronen schienen den Einwohnern so kostbar zu sein, dass sie es für angebracht hielten, Fremden das Sammeln zu verbieten. Wieder zu Hause angekommen, stieß ich beim Einkaufen auf ein Päckchen vorgegarter Maronen, legte sie kurzerhand in den Korb und bereitete sogleich einen Pastateig.

Für die Maronenpasta:

  • 80 g Weizenmehl 405er
  • 40 g Hartweizengrieß, fein
  • 60 g vorgegarte Maronen, fein gemahlen
  • 1 Ei Gr. M + 2 Eigelb
  • 1 TL Olivenöl
  • 1 Pr. Salz

Nudel roh SERIEIch öffnete das Päckchen Maronen und schnupperte daran. Die Maronen rochen sehr intensiv, leicht nach Steinpilz und Trüffel. Ich gab die Maronen mit einigen Esslöffeln Mehl in den Zerkleinerer. Nach kurzer Zeit war eine sehr feine mehlige Masse entstanden. Ich gab alle Zutaten in eine Schüssel, verrührte sie grob mit dem Löffel und knetete den Teig ca. 10 Minuten von Hand. Danach durfte er abgedeckt bei Zimmertemperatur ca. 2 Stunden ruhen. Als ich den Rosenkohl fast fertig geputzt hatte, kam Herr H. neugierig in die Küche. Er roch an den restlichen Maronen, sah den Rosenkohl – eins seiner absoluten Lieblingsgemüse – und strahlte über beide Ohren. Endlich einmal wieder selbstgemachte Pasta! Ich teilte den Teig in drei Kugeln, gab jede mehrmals auf größter Stufe durch die Nudelmaschine und rollte jede schließlich bis zur zweitkleinsten Stufe aus. Herr H. schnitt die Bahnen anschließend mit dem Wellenrädchen in Streifen, die auf mit Hartweizengrieß bestreuten Tüchern 1/2 Stunde antrocknen durften.

Für das Gemüse:

  • 125 g Wildpilze, geputzt, in mundgerechte Stücke geschnitten
  • 300 g Rosenkohl, geputzt, gedämpft, größere Köpfe nach dem Dämpfen halbiert/ geviertelt
  • (ich: 1 Schalotte, fein gewürfelt)
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • Olivenöl zum Anbraten
  • 25 g Butter
  • 40 g Maronen, vorgegart, halbiert (mehr schaden auf keinen Fall!)
  • 25 g Parmesan

Für die Salbeibutter:

  • 30 g Butter (oder mehr nach Belieben)
  • 6 frische Salbeiblätter
  • 1 TL Zitronensaft

zutaten serieZunächst dämpfte ich den geputzten Rosenkohl in ca. 20 Minuten gar. Herr H. stellte die restlichen Zutaten bereit. Ich schwitzte zunächst die Schalotte in Olivenöl und Butter an, gab die Pilze hinzu und nach einigen Minuten den Rosenkohl und die Maronen. Nach einigen Minuten schmeckte ich das Gemüse mit Salz und Pfeffer ab und stellte die Pfanne warm.

Herr H. zerließ die 30 g Butter in einer zweiten Pfanne bei mittlerer Hitze. Als sie schäumte und leicht anbräunte, zog er die Pfanne vom Herd und gab die Salbeiblätter (es kann spritzen!) und den Zitronensaft hinzu. Ich hatte inzwischen die Maronenpasta in 1-2 Minuten al dente gegart. Ich verteilte sie auf 2 Teller, gab Gemüse, Salbeibutter und Parmesan darüber. Es roch himmlisch! Das Fotografieren geriet zu einer echten Herausforderung.

maronennudeln Serie3Fazit: Lange, wirkliche lange Zeit haben wir nicht mehr ein derart köstliches und stimmiges Gericht gegessen! Die Aromen von Rosenkohl, Wildpilzen, Parmesan, Salbeibutter und natürlich der Pasta fügten sich zu einem Ganzen zusammen, dass die Summe der einzelnen Bestandteile bei weitem übertraf. Ich war so begeistert, dass ich gleich am nächsten Tag wieder loszog und mir einen Vorrat an Maronen und Rosenkohl zulegte. Jetzt verstehe ich auch nur zu gut, dass die Südtiroler ihre Maronen gern für sich behalten möchten.

Aus: Die neue vegetarische Küche Maria Elia

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26 Gedanken zu „Wenn die Blätter fallen oder Stracci di castagne

  1. Das klingt großartig, ich liebe Kastanien in jeder Form! Am liebsten die frischen, selbst im Ofen gerösteten, aber zur Zeitersparnis greife ich auch mal zu vorgegarten. Wenn ich nur den Rosenkohl meiner besseren Hälfte schmackhaft machen könnte…

    • Danke, Melanie. Mit den selbst Gerösteten hatte ich leider noch keine gute Erfahrung. Und den Rosenkohl kannst du dir ja schnappen und er bekommt – eine Handvoll Erbsen? 😉

  2. Ah, der Rosenkohl! Hübsche Bilder, trotz realistischer Rosenkohl-Grün-Farbe. 😉 Das Rezept werde ich mir mal gleich bookmarken. In Sachen Rosenkohl bin ich ja eine Spätbekehrte und habe mich erst in den letzten paar Jahren über pseudo-asiatisches Pfannengebrate angenähert. Aber das hier klingt gut. Und Maronen mag ich in jeder Darreichungsform – auch frisch aus dem Ofen!

    • Danke, Sabine. Ich hatte überlegt, es zu erwähnen, aber das hätte zu weit geführt. 😉 Ich mochte Rosenkohl auch lange nicht und kam auch erst durch das Rosenkohlcurry aus der Schrot & Korn auf den Geschmack. Maronen aus dem Ofen, hm, vielleicht probiere ich die auch noch irgendwann einmal…

  3. Ich fand Maronen einfach frisch aus dem Ofen immer sehr lecker – bis ich vor ein paar Jahren mal ein desaströses Geschmackserlebnis mit einer Maronen-Sahne-Torte hatte. Seitdem habe ich um die Esskastanien eher einen Bogen gemacht, aber dein Essen hört sich so an, als wäre es an der Zeit das nochmal zu probieren 😉

      • Genauer gesagt war es eine Maronen-Kokos-Sahne Torte – mit extremst viel Sahne (vielleicht lag es eher daran), die wirklich ganz furchtbar war und von mir dezent entsorgt wurde… Für ein Trauma-Kurier-Rezept von Dir wäre ich aber jederzeit zu haben 🙂

      • Verstehe, Kokos kann ich mir zu Maronen auch nur bedingt vorstellen, mein Rezept kommt jedenfalls ohne sie aus. Zuvor muss ich allerdings noch einmal den besten Apfelkuche der Welt backen. 🙂

  4. Hm. Maronen im Pastateig….ich nehme demnächst beim Einkaufen mal welche mit. Und Rosenkohl auch, und dann schauen wir mal weiter 🙂
    Hat man da eigentlich noch Maronenstückchen im Teig oder schafft der Zerkleinerer es, das alles zu pulverisieren?

    • Gell, köstlich, oder? 🙂 Meine Maronen sind im Zerkleinerer förmlich zu Staub zerfallen, keine Stückchen. Ich weiß aber nicht, ob es da Unterschiede gibt. Probier’s doch einfach mal aus.

  5. Perfekte Herbstkombination – köstlich! Hast du schon mal Pastateig mit Kastanienmehl statt gekochter Maronen gemacht? Ersteres habe ich schon ausprobiert (lecker) und mich würde der Unterschied interessieren.

  6. Maronen sind toll! Schmecken auch sehr lecker im Brot, hatte ich letztes Jahr 🙂 Suppen gehen bei mir sowieso immer – also auch mit Maronen.

    Und als Pasta – ja Wahnsinn, muss ich dringend mal „nachbasteln“! Und den Rest nehm ich auch, bis auf den Rosenkohl…. Sehr lecker!!

    • Danke, Sandra. Maronen im Brot werde ich testen – das Kastanienmehl ist schon auf dem Weg zu mir. 🙂 Viel Spaß beim Basteln, bin gespannt, wodurch du den Rosenkohl ersetzt, mir fällt da auf die Schnelle nichts ein.

  7. Oh, das klingt köstlich. Würde das Gericht in einem Restaurant auf der Speisekarte stehen, würde ich es sofort bestellen. Schade, dass ich keinen persönlichen Koch habe.
    Große Klasse!
    Liebe Grüße, Mari

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