Das Rundumglücklich-Gericht

mejadra serieSabine von Schmeckt nach mehr hat die Seelenfutterzeit ausgerufen und fordert uns auf, unsere besten Mittel gegen schlechte Laune und Schmuddelwetter preiszugeben. Meine Seelentröster wechseln je nach Jahreszeit und Laune. Pizza stand lange Zeit unangefochten auf Platz eins. Mit dünnen, knusprigen Teig, Salami, Tomaten, Champignons und schwarzen Oliven. Es gab nichts, was mich glücklicher machen konnte. Dicht gefolgt von Chili, ob mit oder ohne Fleisch, auf jeden Fall mit selbst gebackenen Ciabatta und Guacamole. Die beiden Favoriten haben allerdings in den letzten Wochen eine ernstzunehmende Konkurrenz bekommen von einem Gericht, das viele Namen trägt. Ich konnte weder seinen Ursprung, noch seine eindeutige Bezeichnung ausfindig machen. In Indien steht es angeblich schon auf dem Frühstückstisch. Kichri (Indien), Khichari (Irak), Kosheri (Ägypten), Mejadra (Israel), Mseto (Tansania) besteht in erster Linie aus Linsen (aller Art) und Basmatireis. Was Würzung und Beilagen angeht, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Nach wiederholten Versuchen ist dies meine derzeitige Lieblingsvariante.

Für das Kosheri:

  • 125 g braune Linsen
  • 100 g Basmatireis
  • 200 g Hühnerbrühe (oder Wasser)
  • 2 Möhren, in winzige Würfel geschnitten
  • 2 Stangen Staudensellerie, in winzige Würfel geschnitten
  • je 1/2 TL Piment, Koriander, Kreuzkümmel, geröstet und gemahlen
  • 1/4 TL Kurkuma
  • 1 kleine Zimtstange
  • 2 rote oder weiße Zwiebeln, in Ringe geschnitten
  • Öl zum Frittieren

Für die pikante Tomatensauce:

  • 5 reife Tomaten, gehackt (ersatzweise eine kleine Dose Tomaten)
  • 1 scharfe rote Chili, entkernt, grob gehackt
  • 1 kleine Knoblauchzehe, zerdrückt
  • 2 EL Apfelessig
  • 1 TL Kreuzkümmel, geröstet und gemahlen
  • Salz, schwarzer Pfeffer
  • eine handvoll frisches Thai-Basilikum (oder Koriander)

GEWÜRZE serieAls erstes spülte ich die Linsen unter klarem Wasser und kochte sie dann mit der dreifachen Flüssigkeitsmenge (375ml) und der Zimtstange in ca. 45 Minuten gar. Dann wusch ich den Reis und ließ ihn in einem Sieb abtropfen. Anschließend hackte ich die Tomaten und die Chili, zerdrückte den Knoblauch und briet ihn und die Chilistückchen in Olivenöl kurz an. Dann gab ich Tomaten, ca. 200 ml Wasser, Essig, Kreuzkümmel und Salz hinzu und ließ die Sauce offen eine gute halbe Stunde köcheln. Da Herr H. noch aushäusig war, würfelte ich Sellerie und Möhren. Übung macht den Meister, inzwischen kann ich das fast schon schneller als er.

Ich erhitzte etwas Olivenöl in einem Topf, briet die Gemüsewürfel einige Minuten an und fügte den Reis und die Brühe hinzu. Nun durfte der Reis 12 Minuten köcheln. Inzwischen waren die Linsen gar. Ich gab sie zum Reis, zog den Topf von der Platte, verrührte alles gründlich und legte ein Geschirrtuch zwischen Topf und Deckel. Dadurch wird der Reis schön körnig.

Ich erhitzte auf der gleichen Platte Frittieröl ca. 3cm hoch in einer weiten Pfanne und gab die Zwiebelringe hinein. Nach knapp 10 Minuten waren sie goldbraun. Ich fischte sie aus dem Öl und ließ sie auf Küchenpapier abtropfen. Herr H. lugte neugierig um die Ecke, ah, endlich wieder Kosheri, freute er sich. Ich pürierte die Tomatensauce mit dem Thai-Basilikum, schmeckte noch einmal ab und servierte.

mejadra 3Fazit: Wir genossen schweigend und Herr H. fragte, direkt nachdem wir aufgegessen hatten, wann es wieder Kosheri gäbe. Von mir aus jeden Tag, entgegnete ich.

Wir haben auch schon eine Joghurtsauce dazu probiert. Mit gefällt die saure Tomatensauce aber eindeutig besser. Das Thai-Basilikum ist beim ersten Kochversuch mehr zufällig in der Sauce gelandet, weil ich keinen frischen Korinader zur Hand hatte. Aber es machte sich dort so umwerfend gut, dass ich es jetzt immer hinein gebe. Auch im letzten Pizzasugo schmeckte es hervorragend!

Ich habe außerdem versucht, die Zwiebeln einfach zu braten, da das Frittieren schon recht geruchsintensiv ist, aber sie werden bei weitem nicht so knusprig. Also öffne ich beim Frittieren einfach das Fenster groß und erfreue die gesamte Nachbarschaft mit köstlichem Zwiebelduft.

Es ist wirklich lange nicht mehr passiert, dass mich ein Gericht, noch dazu ein so schlichtes, dermaßen begeistert, dass ich es ständig essen könnte. Und deshalb ist es ein perfekter Kandidat für Sabines Event „Seelenfutter„.

Frei nach: Das Kochbuch Yotam Ottolenghi

Advertisements

23 Gedanken zu „Das Rundumglücklich-Gericht

  1. Pingback: Blogevent Seelenfutter: Die Zusammenfassung | Schmeckt nach mehr

  2. Wie lecker! Im Jerusalem-Kochbuch von Ottolenghi befindet sich ein sehr ähnliches Gericht, dass ich auch schon mit großer Begeisterung ausprobiert habe. Dort kommt auch noch Kardamom zum Einsatz. Die Tomatensauce dazu ist eine tolle Idee von Dir – dem Reis allein fehlt ja ein bisschen das Frische.

    Beim Thema Zwiebelnbraten kann ich der Henne nur zustimmen: mehlierte Zwiebeln zu braten funktioniert sehr gut. Noch besser: Zwiebeln mehlieren und im Ofen backen, dabei mehrfach wenden. Sie werden dabei sehr fein und knusprig.

    • Danke, Claudia. Meinst du Mejadra? Das habe ich auch schon öfter gemacht, allerdings mit Kurkuma und Piment neben Koriander und Kreuzkümmel… und, ähm, die Tomatensauce war (mit frischem Koriander) beim Kosheri-Rezept dabei. Ok, ich habe das Thai-Basilikum beigesteuert. 😉
      Das mit dem Ofen kann ich mir gut vorstellen. Danke für den Tipp!

  3. Ist ja witzig. Herr Schnürschuh wünschte sich gestern was „würzig-orientalisches“ – passend zur Jahreszeit. Ich konnte mich partout nicht entscheiden, ob es Reis, Kichererbsen, Korinthen mit frittierten Zwiebeln oder Mejadra (Reis, Linsen, frittierte Zwiebeln) – beides von Ottolenghi – werden sollte. Am Ende besuchte uns ganz spontan eine liebe Kollegin und es wurde nichts mehr draus. Aber morgen! Nach deinem Post erst Recht 😉

  4. Linsen und Reis ist eine tolle Kombi. Das mag ich auch sehr gerne.

    Noch ein Tipp für die Zwiebelringe
    Die Ringe mit Mehl bestäuben und in Bratbutter braten. Braucht viel weniger Fett, stinkt nicht so sehr wie frittieren und knusprig werden die Ringe ebenfalls. Mir schmecken sie so jedenfalls viel besser als wenn sie frittiert sind.

    • Ich weiß. 😉
      Zu den Zwiebeln. Ich habe mal probiert, sie mehlbestäubt zu frittieren, aber da ist das ganze Mehl abgefallen und hat am Topfboden hässlich geklumpt… Aber du meinst, beim Braten passiert das nicht? Ich werde es ausprobieren. 🙂

  5. Das ist wirklich SEELENFUTTER! Ich liebe Linsen, irgendwie essen wir die nur nicht so oft, warum auch immer… *kopf-kratz*

    Die Zwiebeln darfst Du behalten, ich bin kein Zwiebel-Fan, aber vom Rest würde ich jetzt mal eine Portion nehmen ;D

  6. Oh ja….das kenne ich…das gibt es oft – in verschiedenen Varianten.Manchmal einfach als „Linsenreis“, machmal etwas elaborierter….es ist einfach herrlich. Und es ist doch immer wieder faszinierend, wie aus so wenigen einfachen Zutaten eine derartige Köstlichkeit werden kann…
    Im letzten rezensierten Kochbuch gab es eine Variante mit Grünkern statt Reis, da habe ich mich drauf gestürzt – gibt es bald.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s