Rumpsteak zweckentfremdet

rindfleisch mit schwarze bohnesauce Am letzten Samstag schlenderte ich bester Laune im strahlenden Sonnenschein über den Markt und bewunderte das reichhaltige Angebot der Saison. Selbst auf einem eher traditionell geprägten Markt wie diesem finden sich zahllose Tomatensorten, gelbe Zucchini, lila Blumenkohl, Thai-Basilikum als Topfpflanze und alles andere Mögliche oder Unmögliche, was man sich nur vorstellen kann. Es war bereits eine halbe Stunde vor Marktende. Die Tische bogen sich förmlich unter ihrer bunten Last und ich erinnerte mich daran, dass ich noch vor einigen Jahren bei einem verspätetem Marktbesuch oft hörte, nein, die glatte Petersilie ist schon aus. Aber ich schweife ab.

Sandra hatte kürzlich ein Rindfleischgericht mit schwarzen Bohnen, das mir nicht aus dem Kopf ging. Bei meinem Lieblingsschlachter lachten mich wunderschöne Rumpsteaks an. Ich fragte die Verkäuferin, was ein Steak wöge, 230 g, wie viele ich denn gern hätte? Oh, eins reicht mir, antwortete ich. Da lachte die Verkäuferin, ja, eins würde ihr allein auch reichen. Ich erklärte ihr, dass eins für uns zwei reiche und sie schüttelte ungläubig den Kopf.

Für die Marinade:

  • 1,5 EL dunkle Sojasauce
  • 1 EL Shao Xing-Reiswein (oder trockener Sherry)
  • 1/2 TL Zucker
  • frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 230 g Rumpsteak, in 3-4mm dünne Scheiben geschnitten

fleisch marinieren 2Während ich das Steak in dünne Streifen schnitt, rührte Herr H. die Marinade zusammen, bis der Zucker sich gelöst hatte. Ich gab die Streifen hinein und „massierte“ sie vorsichtig so lange, bis sie rundum von der Marinade überzogen waren. Nun durfte das Steak ca. 1 Stunde im Kühlschrank marinieren.

Für das pfannengerührte Gemüse:

  • 4-5 Baby Pak Choi, Blätter und Stiele getrennt zerkleinert
  • 150 g Mungbohnensprossen, heiß abgespült
  • 6 Baby-Maiskolben, der Länge nach halbiert oder geviertelt
  • 1 kleine rote Zwiebel, fein gewürfelt
  • 1 rote Chili, fein gehackt
  • 1 Knoblauchzehe, fein gewürfelt
  • 1 entsprechend großes Stück Ingwer, fein gewürfelt
  • 1 Frühlingszwiebel, in dünne Ringe geschnitten
  • frischer Koriander nach Belieben, gehackt
  • 2 EL schwarze Bohnenpaste
  • 3 EL helle Sojasauce
  • 3 EL Hühnerbrühe (ich: Wasser)
  • 150 g Reisnudeln, nach Packungsanleitung zubereitet

gemüse serieWährend Herr H. begann, das Messer zu schwingen, weichte ich die Reisnudeln in reichlich kochend heißem Wasser ein. Laut Packungsanleitung sollten sie nach 10 Minuten weich genug sein. Das war bei mir eher nach 20 Minuten der Fall. Anschließend half ich Herrn H. beim Schnippeln. Als alle Zutaten in Schüsseln bereit standen, erhitzte ich ca. 2 EL Maiskeimöl in der Wokpfanne bei starker Hitze, briet Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer und Chilis darin unter Rühren an, bis sie zu duften begannen. Dann gab ich die marinierten Steakstreifen hinzu und garte sie unter Rühren ca. 1 Minuten. Nun kamen Pak Choi Stiele, Maikölbchen, Bohnenpaste, Sojasauce und Wasser in die Pfanne. Nach weiteren 2 Minuten Rührbratens gab ich die kalt abgeschreckten Reisnudeln, Pak Choi Blätter und Sprossen hinein und rührte weiter, bis die Flüssigkeit fast ganz von den Nudeln aufgenommen war. Ich schmeckte noch einmal mit Sojasauce und Bohnenpaste ab, da die Reisnudeln viel Geschmack zogen und richtete eine Portion, bestreut mit Zwiebelringen und Korianderblättern, an. Unsere Portion durfte im auf 50°C vorgeheizten Backofen auf uns warten.

rindfleisch mit schwarze bohnesauce Fazit: Was für ein unglaublich köstliches Gericht! Wir beide sind fortan bekennende Liebhaber schwarzer Bohnenpaste. Die Steakstreifen waren butterzart, eine sensationell gute Fleischqualität. Zusammen mit dem Gemüse und den Reisnudeln eins meiner neuen Lieblingsgerichte. Vielen Dank nochmal für die Inspiration, Sandra! Und die Fleischmenge war so großzügig bemessen, dass Herr H. dankend ablehnte, als ich im von meinen, gefühlt sehr zahlreichen, Steakstreifen anbot. Das kommt eher selten vor.

Frei nach: Asian Takeaway – Köstliches aus der Garküche Les Huynh

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20 Gedanken zu „Rumpsteak zweckentfremdet

    • Danke, Claudia. Ich habe den Beitrag dazu bei dir gesehen. Meine Bohnenpaste ist aus fermentierten schwarzen Bohnen, Sojasauce, Zucker, Salz und einigen unerfreulichen Zutaten von der Firma LeeKumKee. Ich vermute, dass der Geschmack, leicht abgeschwächt, in die gleiche Richtung geht. Die puren fermentierten schwarzen Bohnen habe ich in meinem Asia_Laden leider noch nicht ausfindig machen können.

    • Huch? Wieso stehst du mit dem auf dem Kriegsfuß? Also, wie gesagt, ich hatte auch schon mal zähe Streifen, aber ich hatte eher das Gefühl, dass das mit der Fleischqualität zusammen hing. Dieses Gericht ist auf jeden Fall einen Versuch wert (und vielleicht get’s auch mit Lamm oder Schwein?). 🙂

  1. Oh das schaut aber auch lecker aus, ich nehme gerne noch von den Steakstreifen 😀
    Freut mich, dass ich bzw. Donna Dich inspiriert hat.

    Ich muss wohl dringend mal wieder in der Stadt auf den Markt gehen, da gibt es dann auch ein reichhaltiges Angebot, das ist bei uns auf dem Dorf weniger der Fall… Ich freu mich schon, wenn ich Ingwer und Kaiserschoten bekomme 😉

    • Ja, ich habe deinen Beitrag gesehen und der hat sich irgendwie festgesetzt, wobei es bei mir irgendwie immer noch etwas mehr Gemüse sein darf. 🙂

      Immerhin bekommst du Ingwer. Das wäre vor 10 Jahren auf dem Dorf wahrscheinlich nicht der Fall gewesen, aber es stimmt schon, das Angebot hier ist überwältigend!

  2. Wenn ich mir das so ansehe, fällt mir ein, es ist Essenszeit und ich habe wahnsinnig Hunger 🙂
    Wir sind in der gleichen Mengen Liga, die Zeiten, als 200 gr für mich alleine nur knapp genügten sind längst vorbei. Und auch meine Gäste bekommen meist bloss diese Fleischmenge (und bisher hat sich erstaunlicherweise noch nie jemand beklagt!).
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • Puh, da bin ich ja erleichtert. ich dachte schon, ich würde mit meinen Portionen zu „geizig“ sein. Aber wir finden halt auch irgendwie, dass es so reicht. Und die Gäste haben sich hier auch noch nie beklagt. 🙂
      Liebe Grüße aus Hamburg,
      Eva

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