Perfektes Mimikry

Graupenrisotto 14-klMit Risotto fing alles an. Zu meinem 29. Geburtstag bekam ich mein zweites Kochbuch geschenkt. Italienisch einfach. Zuvor war Herr H. der Kochbeauftragte gewesen. Ich beschloss, ihm das Feld streitig zu machen und kochte begeistert drauflos. Sehr schnell meinte ich das Grundprinzip des Risottokochens durchschaut zu haben. Fortan gab es Risotto. Mindestens dreimal pro Woche. In meine damaligen Risotti wanderte alles, was der Kühlschrank hergab und die Zusammenstellungen waren, nun ja, gewagt. Herr H. aß sie immer klaglos, mal mehr, oft weniger begeistert.

Das Ende der Risottophase fiel nicht zufällig mit der Geburt dieses Blogs zusammen. Ich stellte erstaunt fest, dass es auf dem Gebiet der Kochkunst noch unendlich viel zu lernen gab und kehrte reumütig zur strengen Rezeptbefolgung zurück. Als ich kürzlich auf der Suche nach einem schnellen Abendessen über ein Risotto ohne Reis stolperte, konnte ich nicht widerstehen. Und im den hintersten Winkel des Schranks befand sich sogar noch ein Rest Perlgraupen.

Für das Graupenrisotto:

  • 100 g Perlgraupen
  • 15 g Butter (ich: 10 g)
  • 90 g Olivenöl (ich: 15 g)
  • 1 Stange Staudensellerie, in 5mm große Würfel geschnitten
  • (ich: 1 Möhre, in 5mm große Würfel geschnitten)
  • 1 Schalotte, in 5mm große Würfel geschnitten
  • 2 Knoblauchzehen, in 2mm große Würfel geschnitten (ich: 1)
  • 2 Thymianzweige
  • 1/4 TL geräuchertes Paprikapulver
  • 1 Lorbeerblatt
  • Abrieb 1/2 Zitrone
  • 1/4 TL Chiliflocken
  • 1/2 Dose (400g) Tomatenstücke (ich: 200 g herrlich frische, gewürfelt)
  • 150 g passierte Tomaten aus der Dose (ich: 2 EL Tomatenmark + 130 g Wasser)
  • 350 g Gemüsebrühe

graupenrisotto kochen serie-klIch spülte die Graupen unter fließendem Wasser gründlich ab und ließ sie im Sieb abtropfen. Danach schnitt ich Gemüse, Zwiebeln und Knoblauch in winzige Würfel und Tomaten in eher grobe Stücke und erhitzte Butter und Olivenöl. Darin schwitzte ich zunächst Schalotten, Sellerie, Karotten und Knoblauch bei mittlerer Hitze ca. 5 Minuten an. Dann gab ich Graupen, Thymian, Paprikapulver, Lorbeer, Zitronenschale, Chiliflocken, Tomaten, Brühe und 1/4 TL Salz hinzu, verrührte alles gründlich und brachte es zum Kochen. Während das Graupenrisotto ca. 45 Minuten leise vor sich hin köchelte, bereitete ich den Feta vor.

Für den marinierten Feta:

  • 150 g Feta, in 2cm große Stücke gebrochen
  • 1 TL Kümmelsamen
  • 1 TL frische Oreganoblätter
  • 1 ELOlivenöl

Topping serie-klIch röstete den Kümmel ohne Fett in der Pfanne bis er zu duften begann und mörserte ihn anschließend grob. Dann gab ich zerbröselten Feta, Kümmel, Olivenöl und grob gehackten Oregano in eine Schüssel und mischte alles vorsichtig. Herr H. kam just in diesem Moment müde und hungrig zur Küchentür hinein und sah sich suchend um. Mal wieder Risotto? Nicht ganz, antwortete ich, Graupenrisotto, streng nach Rezept. Ich schmeckte das fertige Risotto mit Salz und Pfeffer ab und servierte.

Graupenrisotto 11-klFazit: Natürlich musste Herr H. es vor dem Essen noch ablichten. Danach probierten wir und waren restlos begeistert. So ein feines Risotto habe ich noch nie zuvor gekocht. Es schmeckte absolut rund. Am meisten faszinierte mich, dass ich die fehlenden Speckwürfel nicht vermisste. Ich war davon überzeugt gewesen, dass sie zwingend in ein solches Gericht gehörten und dass es ohne Speck irgendwie fad schmecken würde. Das war nicht der Fall. Das zarte Raucharoma des Paprikapulvers rundete des Geschmack perfekt ab und auch der Kümmel fügte sich bestens ein. Es sieht so aus,als würde es in Zukunft wieder öfter Risotto geben, wenn auch kein „echtes“.

Aus: Jerusalem – Das Kochbuch Ottolenghi/ Tamimi

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18 Gedanken zu „Perfektes Mimikry

    • Danke für den link, Sabine. Was du immer alles auftreibst.;-)
      Bei dem Kümmel war ich erst versucht, ihn durch Kreuzkümmel zu ersetzen. Wie gut, dass ich das nicht gemacht habe.:-)
      Falls du es nicht kaufen möchtest, kannst du es in der Bücherhalle leihen – wenn ich es wieder abgebe.

    • Danke, Susi. Ich leite dein Kompliment mal an Herrn H. weiter. Er schimpft immer, wenn ich allein koche oder backe und „wichtige“ Fotos einfach vergesse zu machen. 😉

  1. Sieht lecker aus. Hmm, das Jerusalem-Buch steht bei mir schon länger rum, aber nachgekocht habe ich daraus noch nie was. Irgendwie gefällt mir das Vegi-Buch von Ottolenghi besser. Aber vielleicht sollte ich mich dem doch mal widmen.

    Bei mir heisst übrigens Gerstotto, weil bei uns Graupen Gerste genannt wird. Hatte ich im Mai auch mal verbloggt – mit Spargel drin.

    • Danke, Henne. Mit dem Vegetarischen bin ich schon fast durch und Jerusalem bietet auch viel Interessantes, wobei sich einiges natürlich wiederholt.
      Dein Gerstotto habe ich natürlich gelesen. 🙂

      • Der Name ist in der Tat ein bisschen abschreckend. Irgendwie klingt das so nach 80er-verstaubt-Öko… aber wenn ich so sehe, was du da draus zauberst, muss ich da wohl dringend mal ein Vorurteil revidieren;-)

      • Ich war in den schlimmen 80ern Teenager und meine Eltern schwer auf dem Ökotrip. 😉 Dennoch gebe ich allem zumindest eine zweite Chance!

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