Nest oder Krone?

filo serie-klEs war mal wieder ein Abend, an dem ich mich partout nicht entscheiden konnte, was ich kochen wollte. Die mich umzingelnden Kochbücher boten einfach zu viele Möglichkeiten. Ich blätterte mit zunehmender Verzweiflung – in weniger als einer Stunde würde ein sehr hungriger Herr H. zur Tür herein kommen – und plötzlich blieb mein Auge an einem Bild hängen. Kleine Nester mit einer Füllung aus Zucchini, Walnuss und Fetacrème. Oder waren es doch Krönchen? Egal, dachte ich mir. Hatte ich alle Zutaten dafür im Haus? Zucchini – Fehlanzeige, aber eine Aubergine würde es wohl auch tun und statt Walnüssen konnte ich einfach Pekannüsse nehmen. Und im Kühlschrank wartete noch ein Rest Frühlingsrollenblätter. Perfekt.

Für die Zucchini-Walnuss-Füllung (12er Muffinform):

  • 400 g Zucchini, in 5 mm Würfel geschnitten (ich: Aubergine + ein Rest Zucchini)
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln (ich: 2), in Ringe geschnitten
  • 50 g Walnusskerne, geröstet, gehackt (ich: Pekankerne)
  • Salz
  • Schwarzer Pfeffer
  • 1 Zitrone, Abrieb
  • 1 Bund Petersilie, gehackt (ich: 2 EL TK-Petersilie)

füllung serie-klIch hatte gerade begonnen, die Aubergine in Würfel zu schneiden, da hörte ich auch schon den Schlüssel im Haustürschloss. Herr H. war zum Glück nicht so fürchterlich hungrig wie am Tag zuvor und nahm mir sogleich das Messer aus der Hand. Ich röstete die Pekankerne ca. 10 Minuten  in der Pfanne auf dem Herd und hackte sie anschließend recht fein. Herr H. briet zunächst die weißen Frühlingszwiebelringe an und gab dann das restliche Gemüse hinzu. Nach wenigen Minuten waren die Auberginenwürfel leicht gebräunt. Ich würzte das Gemüse mit Salz, Pfeffer, Zitronenabrieb und Petersilie und stellte die Pfanne zum Abkühlen beiseite.

Für die Fetacrème:

  • 100 g Schmand (ich: Crème Fraîche)
  • 150 g Feta (den vom Schaf)
  • 1 Eigelb (ich: 1 Ei)
  • 1-2 TL Harissa (ich: 1 geh. TL Sambal Olek + 1 Pr. Garam Masala)
  • 2 TL Akazienhonig (ich: Eukalyptus)

topping serie-klIch holte den Feta aus dem Gefrierfach und schnitt ihn leise vor mich hin schimpfend in Würfel. Winzige Fetakrümel verbereiteten sich dabei in alle Richtungen. Anschließend gab ich ihn mit den restlichen Zutaten in den Mixbecher und betete, dass mein Pürierstab dem betonharten Feta gewachsen sei. Es dauerte zwar eine Weilchen, aber schließlich erhielt ich eine cremige Masse. Herr H. merkte an, dass das Leben mit einem gewissen Maß an Planung sicher leichter sei. Ich stimmte ihn zu, weiß aber, dass ich nie ein Planungsgenie sein werde.

Für die Tomaten-Paprika-Sauce:

  • 4 mittelgroße Tomaten, grob zerteilt
  • 2 kleine rote Spitzpaprika, grob gestückelt
  • 1 lange rote Chili, gehackt
  • 1 kleine Knoblauchzehe, gehackt
  • 170 g Wasser
  • 2 EL Apfelessig
  • 1 TL Zucker
  • 1/2 TL Salz
  • 1 TL gem. Kreuzkümmel
  • 1/2 Bund Thai-Basilikum, Blätter abgezupft

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs empfiehlt sich, die Sauce als erstes zuzubereiten, da sie erst lauwarm ihr volles Aroma entfaltet. Ich schwitzte Knoblauch und Chili in Olivenöl an, gab die Paprikawürfel hinzu und dünstete sie einige Minuten bei starker Hitze. Dann fügte ich die Tomatenwürfel, die Gewürze, den Essig und das Wasser hinzu und ließ die Sauce eine gute halbe Stunde leicht köcheln. Dann gab ich die Thai-Basilikumblätter, pürierte alles gründlich und stellte die Sauce zum Abkühlen beiseite. Herr H. hatte inzwischen die Muffinform mit Olivenöl ausgepinselt und den Ofen auf 180°C vorgeheizt. Ich holte die Frühlingsrollenblätter aus dem Kühlschrank und legte sie unter ein feuchtes Handtuch, damit sie nicht antrockneten. Dann löste ich drei Blätter ab, bepinselte das erste mit Olivenöl, legte das zweite darauf, bepinselte es ebenfalls und legte das dritte Blatt darauf.

füllen serie-klDann schnitt ich das so entstandene Quadrat in vier gleich große Teile und drapierte sie in die Mulden der Muffinform. Mit den restlichen Blättern verfuhr ich auf die gleiche Weise und bemerkte dabei leicht schockiert, welche Mengen an Olivenöl ich für das Bepinseln brauchte. Herr H. verteilte das abgekühlte Gemüse gleichmäßig in den Nestern und drückte sie vorsichtig etwas an. Ich goss schließlich die Fetacrème darüber und schob das Muffinblech in den Backofen. Nach 15 Minuten sollte die Frühlingsrollenblätter goldbraun sein. Das waren sie bei mir noch nicht. Ich setzte mich vor den Backofen und beobachtete den Bräunungsvorgang, der erst nach 25 Minuten zufriedenstellend war.

filo 4-klFazit: Nachdem wir die wunderschönen Nester abgelichtet hatten, ging es endlich an’s Probieren. Während Herr H. sich mit Messer und Gabel abmühte, griff ich mir ein Krönchen und biss beherzt ab. Mhmmm… ich weiß gar nicht, wie ich den Geschmack beschreiben soll. Die Hülle war herrlich knusprig, die Füllung nussig und gleichzeitig frisch und die Fetacrème rundete jeden Bissen vortrefflich ab. Wir schwelgten und es blieb kaum etwas übrig.

Die Tomatensauce jedoch gab erst den entscheidenden Dreh. Ich hätte nie gedacht, wie ein wenig Thai-Basilikum eine Tomatensauce so verändern kann. Dabei war die Idee am Vortag mehr aus Verlegenheit geboren worden, da ich das Basilikum nicht verderben lassen wollte. Und bereits da schmeckte sie uns so gut, dass ich sie gleich noch einmal machen musste. Ganz dringende Nachkochempfehlung für beides!

Krönchen oder Nester nach: Vegetarisch vom Feinsten Bettina Matthaei

Sauce nach: Ottolenghi Das Kochbuch Yotam Ottolenghi, Sami Tamimi

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34 Gedanken zu „Nest oder Krone?

  1. Fein sieht das wieder aus. Mit Aubergine und Feta bin ich leicht zu ködern….und wenn dann noch so schicke Krönchen gebastelt werden…..und Tomatensauce….ich fürchte, die könnte ich jeden Tag essen.
    Ich habe mal von einer Bekannten Apfelstrudel mit Vollkorn-Strudelteig vorgesetzt bekommen; die meinte, das Ausrollen wäre kein Problem. Selbst nehme ich aber immer Weißmehl.

    • Danke, Susanne. Ja, Tomatensauce liebe ich auch über alles.
      Strudel mit Vollkornteig, spannend, schmeckte der denn? Ich habe zwar auch das „Biologisch Backen“ aus den 80ern, aber soweit ich mich erinnere, war dort kein Strudel drin. Ich werde mal recherchieren. 🙂

      • Der war gut, der Strudel. Das Vollkorn ist gar nicht weiter aufgefallen. Blöderweise ist die Bekannte aus meinem Dunstkreis entschwunden, so dass ich sie nicht nach ihren geheimen Tricks fragen kann….und wenn ich Vollornmehl verwende, ist es selbstgemahlen. Das ist „schwerer“ als das gekaufte….da würde der Strudel vermutlich sehr gesund schmecken….

      • Nichts gegen gesundes Essen… 😉
        Tja, echt blöd, wenn Leute plötzlich so verschwinden. Ist mir auch schon öfter passiert. Es stimmt eben doch nicht, dass man sich immer zweimal trifft.

  2. Ich seh Dich vor meinem geistigen Auge vor dem Backofen sitzen und gespannt ins Innere starren – was für ein Bild 😉
    Euer Teamwork finde ich wirklich toll. Dieses Hand-in-Hand-arbeiten gefällt mir sehr. Ich bin ja in der Küche irgendwie immer alleine gewesen und es nicht gewohnt, dass man zu zweit am gleichen Gericht kochen kann. Das muss ich jetzt erst lernen 🙂

    • Du wirst es kaum glauben, aber ich starre oft ins backrohr, seit mir mal aufwändige Sachen schwupps verbrannt sind. 🙂
      Die gute Teamwork liegt vielleicht daran, dass wir ganz früher tatsächlich mal zusammen gearbeitet haben und es klappte von Anfang an. Viel Spaß beim lernen. 😉

  3. Kann man deinen Mann ausleihen zwecks Einschulung eines Turbohausmanns, wie sich das mit der Zusammenarbeit in der Küche gestalten sollte?

    Außerdem macht das Rezept verdammt hungrig! Tolle Fotos.

    • Danke, Susi. Ich habe Herrn H. gefragt, aber er würde sich in einer Lehrerrolle nicht wohlfühlen, also musst du den Turbohausmann selbst „erziehen“. Mit einem Gläschen kannst du ihn doch bestimmt locken. 😉

  4. Das sieht so lecker aus! Ich hätte jetzt Mittagspause, aber es ist wohl schon alles aufgegessen?!?!

    Filoteig müsste noch im Kühlschrank sein, aber ich glaube weder Zucchini noch Aubergine habe ich da… Ich schaue nachher mal, wie ich es auf die Schnelle nachbasteln kann 😀

  5. Du hast einen sehr geduldigen Herrn H muss ich sagen ;-), und dann hilft er auch immer noch so brav mit – beim Mitkoch bemerke ich hin und wieder die Tendenz, zwar bei mir in der Küche zu stehen, allerdings zum Tratschen, mit einem Glas Wein in der Hand, während ich schnipsle und koche …

    • Herr H. ist der bste Mann der Welt. 😉 Obwohl er manchmal schon echt lange auf’s Essen warten muss, aber mit einem Scheibchen Brot lässt sich die Wartezeit meist überbrücken. Wein trinken wir beide beim Kochen und Tratschen geht nebenbei auch!

  6. Große Begeisterung! Das sieht wirklich super aus. Und es motiviert mich, meinen schon länger gehegten Plan um zusetzen, mit Hilfe meines Strudelteig-Rezepts die Teigblätter selbst herzustellen – bisher habe ich die Fertigware jedenfalls noch nicht in der Vollkorn-Variante gefunden (wäre aber für entsprechende Hinweise sehr dankbar) 😉

    • Danke, Antje! Vollkornstrudelteig? Wow, das kann ich mir irgendwie nicht so richtig vorstellen. Im Vollkorn sind doch immer so kleine Spelzen. Zerrreißt der Teig beim so dünnen Ausrollen denn nicht? Ich bin gespannt auf deinen Versuch! 🙂

      • Beim Ausrollen reißt er nicht. Beim Aufrollen wirds dann allerdings heikel und es braucht viel Zeit, Fingerspitzengefühl und Trick 17 – weshalb ich Strudel äußerst selten mache. Aber für diese hübschen Krönchen/Nestchen müsste es eigentlich wunderbar funktionieren. Ich werde berichten.

      • Trick 17 sieht so aus: Strudelteig auf Silikonmatte hauchdünn ausrollen, Füllung darauf verteilen und dann gaaanz vorsichtig mit Hilfe der Matte aufrollen – dabei mit einer Teigkarte immer den Teig von der Matte lösen. Zentimeter für Zentimeter. Der letzte Strudel (Kartoffelstrudel) liegt ca. 3 Monate zurück. Er war sehr lecker, aber der Zeitaufwand steht dann doch in keinem Verhältnis zum Verputzaufwand 😉

      • Vielen Dank für die Vorabinfo! Vielleicht mache ich für einen herzhaft gefüllten Strudel mal die Vollkornvariante. 🙂 Und bei uns steht der „Arbeitsaufwand“ eigentlich nie im Verhältnis zur Verputzzeit. 😉 Aber das ist Ok, so lange dabei so köstliche Sachen herauskommen!

    • Mit langen Vorbereitungszeiten habe ich generell kein Problem, aber in diesem Fall war es mir eindeutig zu aufwändig. Andererseits habe ich auch noch keine vergleichbar leckere Variante von „Kartoffeln in Teig gewickelt“ gefunden 😉

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