Rauch im Nudelbauch

ravi5-klKürzlich sah ich bei Eline vom Küchentanz mit Hechtfarce gefüllte Tascherl in Senfsauce mit Gurkenragout und war absolut hingerissen. Mein Habenwollen war so stark, dass ich direkt nach dem Lesen in die Küche stürzte und schon mal einen Pastateig vorbereitete. Danach begann das Grübeln. Natürlich hatte ich keinen Hecht, weder tiefgefroren noch frisch und zum Einkaufen war es zu spät. Da fiel mein suchender Blick im Kühlschrank auf die geräucherten Forellenfilets, die eigentlich für das nächste Sushi gedacht waren. Ob ich nicht die nehmen könnte? Geräucherter Fisch in Pastateig? Sehr merkwürdig. Aber meine Experimentierlust siegte.

Für den Pastateig:

  • 110 g Weizenmehl 405er
  • 40 g Semola di grano duro rimacinata
  • 1 Ei Gr. L + 1 Eigelb
  • 1 TL Olivenöl
  • 1 Prise Salz
  • evtl. 1-2 EL Wasser

Für die Füllung:

  • 2 mild geräucherte Forellenfilets, ca. 150 g
  • 1 EL Petersilie, fein gehackt
  • 1 EL Minze, fein gehackt
  • 1/2 TL Zitronenschale, fein gerieben
  • Salz, 1/2 TL Szechuanpfeffer, gemörsert
  • 1-2 EL Doppelrahmfrischkäse

raviserie1-klAls Herr H. nach Hause kam, hatte ich die Füllung schon zubereitet, indem ich einfach alle Zutaten mit der Gabel in einer Schüssel zerdrückte und vermengte, so dass eine recht feste Masse entstand. Er roch skeptisch an dem Schälchen und fragte, was das denn sein solle. Forellenfüllung für Ravioli, entgegnete ich, schraubte die Nudelmaschine am Küchentisch fest und knetete das erste Teigdrittel mit ihrer größten Stufe. Dann ließ ich den Teig bis zur dünnsten Stufe durchlaufen. Zu der feinen Fischfüllung stellte ich mir nur einen Hauch von Nudel vor. Es gelang, der Teig war elastisch genug. Blieb einzig die Herausforderung der Formgebung. Ich hatte mir am Rand gefältelte Täschchen vorgestellt, aber Hirn und Hand verweigerten die Kooperation. So wurden aus den Halbmonden eben seltsame Hütchen.

Für die Gurkenragout-Senfsauce:

  • 200 g Gurke, mit wenig Minze und Petersilie püriert, durch ein Tuch oder feinstmaschiges Sieb abgeseiht
  • 1 EL Butter
  • 1 kleine Schalotte, fein gewürfelt
  • 150 ml Geflügelfond
  • 100 g Gurkensaft
  • 2 EL Verjus
  • 50 g Sahne
  • 2 EL grobkörniger, milder Senf (ich hatte leider nur gemahlenen)
  • 1 Prise Zitronenabrieb, Zucker Salz
  • 200 g sehr festes Gurkenfleisch, geschält, entkernt, fein gewürfelt

grüneserie-klIch pürierte die Gurke und gab das Püree durch mein feinstmaschiges Sieb. Mit dem Seihtuch wäre der Saft sicher noch klarer gewesen. Dann schwitzte ich die Schalotten in der Butter glasig und löschte mit Fond, Verjus und Gurkensaft ab. Ich ließ die Flüssigkeit etwa um ein Drittel reduzieren, gab die Sahne hinzu und dummerweise die Gurkenwürfelchen. Eigentlich hätte die Sahne auch noch reduziert werden sollen, aber in der Zeit hätten sich die Würfel einfach aufgelöst. Ich gab rasch die restlichen Zutaten hinzu, mogelte ein Stärke hinein und probierte. Geschmacklich einwandfrei, leider war die Konsistenz durch die Stärke suboptimal. Nächstes Mal: konzentrierter kochen.

ravi1-klFazit: Herr H. spießte ein Hütchen auf und steckte es zögernd in den Mund. Ich zögerte nicht und, Wahnsinn, der zarte Rauchgeschmack war einfach köstlich, frisch durch Zitrone und Minze, cremig durch den Frischkäse. Eine Wucht. Das zweite Hütchen wanderte schon etwas schneller in Herrn H.s Mund. Er schloß die Augen und bestätigte mein Urteil. Allerdings, so merkte er an, sei der Räuchergeschmack schon ein wenig befremdlich, wenn man nicht mit ihm rechne. Dennoch: unbedingte Nachkochempfehlung! Nächstes Mal kooperien vielleicht Hände und Hirn besser für eine elegantere Formgebung.

Und weil die Forelle eine köstlicher Süßwasserfisch ist, nehme ich an Peggys Süßwasserfischevent teil. Die Filets stammten von gezüchteten Forellen aus Niedersachsen. (http://www.benecke-forellenzucht.de/index.html)

Advertisements

20 Gedanken zu „Rauch im Nudelbauch

  1. Nach ewigem Schlummern auf der Nachkochliste endlich geschafft. Ein sehr leckeres Essen, wenn auch unsere Ravioli eher “rustikal“ aussahen 😉

  2. Ich finde nicht, dass Räucherfisch in Nudelteig nach einer merkwürdigen Kombination klingt. Und Deine Hütchen, die sind ja superschick geworden. Für sowas fehlt mir immer die Geduld….bei mir wären es schlichte Ravioli geworden.
    Und stimmt, Gurken sind ein unterschätztes Gemüse. Ich mag die gerne pfannengerührt nach Sichuan-Art mit ordentlich Chili und Sichuan-Pfeffer.

    • Dir fehlt Geduld? Das kann ich kaum glauben. 🙂 Danke schön. Schlichte Ravioli gab’s heute auch, weil wir wieder an der Falttechnik gescheitert sind – dabei sah’s im Video soo einfach aus. Vielleicht mache ich doch mal eine Pastakurs…
      Und ja, pfannengerührte Gurken scharf, yummy!

  3. Das ist doch ein Blogger-Traum: Jemanden mit einem Rezept so zu faszinieren, dass ein Leser sofort danach in die Küche stürzt und anfängt mit dem Nachkochen.
    Deine Teigtascherln sind sehr hübsch geworden! Chapeau!

    • Das stimmt! Obwohl ich ja ganz schön improvisieren musste. 😉
      Danke für das Kompliment, Susi. Heute gab’s schon wieder Ravioli, boah waren die gut. Irgendwie wird das zur Sucht…

  4. Bin begeistert – besonders von deiner Gurkenkreation. Ich finde ja, dass Gurken ein unterschätztes Gemüse jenseits von Salatrezepten sind und beteilige mich immer wieder gern daran, sie in ganz andere Szenen zu setzen. So wie diese hier zum Beispiel. Verjus habe ich schätzen gelernt, als ich in den Hochzeiten meiner Histaminunverträglichkeit weder Zitronensaft noch Essig vertragen habe. Ein absoluter Gewinn für die feine Küche.

    • Danke, Antje. Ich liebe Gurken über alles, besonders den Geruch, wenn man die erste Scheibe abschneidet. Meiner Meinung nach machen sie sich am besten in einer schlichten Kapamakirolle, halbes Noriblatt, etwas Wasabi, Reis, Gurke – göttlich! Und ich liebe die tiefgrüne Farbe des Gurkensafts, mal sehen, was ich noch so damit anstellen werde. 🙂

  5. Schoene Huetchen!
    So kann ein Rezept mutieren 😉
    Raeucherfisch passt durchaus gut in Nudelteig. Ich wuerde allerdings eine andere Sauce dazu waehlen: Rote Rueben-, Kren- Obers- oder Kerbel-Sauce.

    • Danke, Eline. Ja, alles ist ständig in Bewegung. 😉 Das mit der Kren-Obers-Sauce werde ich beim nächsten mal probieren! Ich fand halt gerade deine Sauce so fein, aber so gut habe ich sie leider nicht hinbekommen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s