Les carottes en papillote

bumipü3-klKürzlich beim Einkaufen lachte mich ein erstes Bund zarter deutscher Möhrchen mit frischem Grün an. Die Wartezeit scheint beendet. Ich griff zu und trug meinen Schatz strahlend nach Hause. Dort angekommen, stibitzte ich ein Möhrchen aus dem Bund und biss hinein, herrlich, genau so wie aus Mutters Garten. Ganz zart süß und sehr aromatisch. Ich überlegte nicht lange, was ich mit ihnen anstellen wollte. Meerrettichkartoffelpüree und ein weiteres Frittierexperiment. Dieses Mal musste der Lachs daran glauben.

Für die Möhrchen aus dem Ofen:

  • 1 Bund frische Möhrchen
  • etwas Olivenöl zum Beträufeln
  • Salz, Pfeffer, eine Prise brauner Zucker

möhrenserieIch schnitt das Grün bis auf 3 cm ab, wusch die Möhrchen, schabte die unteren Enden ab und legte sie auf einen Bogen Backpapier. Anschließend heizte ich den Backofen auf 200°C vor, beträufelte die Möhrchen mit Olivenöl, salzte, pfefferte, zuckerte sie ein wenig und wickelte sie gut ein. Nach 15 – 20 Minuten waren sie gar, hatten aber noch etwas Biss.

Für das Meerrettichkartoffelpüree:

  • ca. 300 g mehligkochende Kartoffeln
  • 125 g Milch oder Milch/ Sahne gemischt (ich: Buttermilch)
  • 25 g kalte Butter
  • 1 EL geriebener Meerrettich
  • Salz, 1-2 Langpfefferkörner, gemahlen
  • Zitronenthymian, gehackt, nach Belieben

Ich dämpfte die Kartoffeln in der Schale in einer halben Stunde gar, es waren recht große Exemplare. Mahlte den Langpfeffer in der Gewürzmühle fein, hackte den Zitronenthymian und pellte die noch heißen Kartoffeln. Dann wollte ich die Milch aus dem Kühlschrank holen. Dort stehen normalerweise immer an die zwei Liter. Ich öffnete die Tür und blickte ins Nichts. Keine Milch da. Wie konnte das passieren? Die Kartoffeln dampften vor ich hin, ich hatte keine Zeit mehr, neue zu besorgen. Da fiel mein Blick auf die Buttermilch. Warum nicht? Es war einen Versuch wert. Ich erwärmte die Buttermilch bei schwacher Hitze, würzte mit Salz, Langpfeffer und Meerrettich und gab die Kartoffeln durch die Presse hinein. Umgerührt, abgeschmeckt, hmm, nicht übel. Anschließend arbeitete ich die kalte Butter stückchenweise unter und stellte den Topf abgedeckt in den Backofen. Herr H. lugte durch die Küchentür und schnupperte neugierig. Er hatte mit Pizza gerechnet.

Für den frittierten Lachs:

  • 2 Lachsfilets à 100-125 g
  • 1 kleines Ei, verkleppert
  • Mehl zum Wenden
  • Panko zum Panieren
  • 1/2 l Frittieröl (reicht in meiner schmalen, hohen Stilkasserole)

lachsserie-klNachdem ich Herrn H. über die Lage aufgeklärt hatte, drittelte ich die Lachsfilets und ließ sie durch die Panierstraße wandern. Herr H. erhitzte das Frittieröl auf 175°C und ich gab nach und nach die Lachsstückchen hinein. Nach jeweils 3-4 Minuten waren sie goldbraun und knuspig. Herr H. wollte unbedingt vorab vom Pü probieren, nahm ein Löffelchen und runzelte die Stirn. Es schmecke anders als sonst, irgendwie schwach säuerlich, aber sehr gut. Ich erzählte von dem Milchdisaster und er schmunzelte. Wir hätten doch am Vorabend Haselnuss- und Vanilleeismassen hergestellt, wie ich das hätte vergessen können…

bumipüFazit: Kartoffelpüree funktioniert tatsächlich auch mit Buttermilch, lediglich den Langpfeffer hätte ich etwas sparsamer dosieren sollen. Die Möhrchen aus dem Backpapier waren ein Traum in zart, knackig und aromatisch und der Lachs war, wie erwartet, die perfekte Mischung aus saftigem Inneren und knuspriger Kruste. Es geht doch nichts über Panko!

Und vielleicht sollte ich mehr Möhrchen essen, damit mein Gedächtnis mich nicht irgendwann ganz verläßt oder sind die nur gut für die Augen?

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14 Gedanken zu „Les carottes en papillote

  1. Aus der Not eine Tugend machen – wer kennt das nicht in der Küche? Aus dem gleichen Grund (keine Milch mehr da, wie konnte das nur passieren?) habe ich mal ein Kartoffelpüree mit Ziegenmilch gemacht – glücklicherweise hatte ich keinen Lachs dazu (das wäre dann vielleicht doch komisch gewesen). Aber Buttermilch zu Lachs kann ich mir schon vorstellen.

    • 🙂 Kartoffelpüree mit Ziegenmilch, das klingt doch ziemlich appart. Aber du hast recht, ein Nichtvorhandensein erforderlicher Zutaten fördert gelegentlich herrausragende Geschmackserlebnisse…

    • Danke, Toettchen. Ich brauche auch jeden Tag eine extragroße Portion Gemüse und jetzt beginnen meine liebsten Monate des Jahres – alles frisch vom Feld auf den Tisch. 🙂

  2. Oh…so ein tolles Gericht. Da mag ich alles über die Maßen!!!!
    Solche Möhren schaffen es bei mir allerdings meistens gar nicht auf den Teller…die verschwinden immer gleich so…. 🙂 🙂

    • Ja, ich finde auch, dass sie ganz für sich selbst stehen können. 🙂 Meine Mutter hat mich allerdings darüber aufgeklärt, dass das aus D noch keine Freilandmöhren sein können, die gibt’s erst in 3-4 Wochen… geschmeckt haben sie aber!

      • Das denke ich schon. Ihr seid ja fast 1000 km weiter südwestlich, wenn meine Geografiekenntnisse nicht allzu löchrig sind. 😉 Kommt natürlich auch auf Aussaatdatum etc. an. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf die aus Mutters Garten. 🙂

  3. Mit Panko panierte Sachen find ich sehr, sehr fein! Die knuspern immer ganz besonders. Das mit der Buttermilch hätt ich mich ehrlich gesagt nicht getraut, aber Versuch macht kluch, oder? 😉

    Schönes Wochenende wünsch ich!

    • Ja, du hattest neulich noch Nüsse drin. Zu spät gelesen…
      Und ja, macht kluch, aber manchmal geht’s auch gründlich in die Hose. Dieses Mal habe ich Glück gehabt. 😉
      Dir auch ein schönes, sonniges Wochenende!

  4. Panko ist einfach nur toll! Und Kartoffelpüree mit Buttermich und Meerrettich klingt ebenso.
    Möhrchen sind bestimmt für alles Mögliche gut – aber meinen meinen kurzsichtigen Augen kommt die Hilfe zu spät….. 😉

    • Ich habe eine große Tüte Panko direkt über dem Herd. 😉 Susi hatte letzt noch Nüsse beigegeben, aber das habe ich leider zu spät gelesen… Also sind Möhren doch nur für die Augen. Dann muss ich wohl mal wieder ein Gedicht auswendig lernen zwecks Gedächtnistraining. 🙂

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