Bittersüßes Vergnügen

melone

Schon oft stand ich im Asialaden vor dem Gemüseregal und betrachtete die an Gurken erinnernden, warzigen und quietschgrünen Früchte. „Bitter Melon“ stand auf dem Etikett, aber was um alles in der Welt fängt man mit ihnen an? Kürzlich begegneten mir in zwei unterschiedlichen Kochbüchern Rezepte zum Thema Bittermelone und meine Neugier konnte endlich befriedigt werden.

Als erstes probierten wir die Bittermelone gefüllt mit Klebreis*. Dazu höhlte ich eine Bittermelone mit einem Stäbchen vorsichtig aus und blanchierte sie etwa eine Minute in kochendem Wasser. Es wird empfohlen, Alaun oder frische Bambusblätter in das Kochwasser zu geben, um den bitteren Geschmack zu mildern. Aber ein mutiger Geschmackstest der rohen Frucht offenbarte, dass sie gar nicht so arg bitter wie vermutet war.

Für die Füllung einer 150g Bittermelone (vor dem Aushöhlen):

  • 50g Klebreis (ich nahm meinen Shinode Sushireis)
  • 30 – 40g Zucker
  • einige Tropfen geröstetes Sesamöl
  • 1 EL Rapsöl
  • einige rote Adzukibohnen, gekocht (hatte ich nicht)
  • 1 getrocknete schwarze Dattel (ich: 1 braune)
  • 1 getrocknete rote Dattel (hatte ich nicht)
  • 3 chinesische Wolfsbeeren (hatte ich auch nicht, stattdessen 1 EL getrocknete Cranberries)
  • 8 g Trockenfrüchte und kandierte Früchte (ich: Orangeat)
  • 1 Pr. schwarzer Sesam, geröstet

Ich wusch den Reis und mein Reiskocher erledigte den Rest. Den fertigen Reis mischte ich mit den anderen Zutaten. Die Mischung schmeckte lecker, aber für meinen Geschmack zu süß. Dann füllte ich die Reismischung in die ausgehöhlte Bittermelone. Das ging am besten mit der Hand. Ich hielt das eine Ende der Gurke zu und schob am anderen Ende die Reismischung hinein und drückte sie fest an. Danach gab ich die gefüllte Bittermelone in einem Dämpfeinsatz in einen mit 3 cm hoch mit Wasser gefüllten Topf und dämpfte sie ca. 20 Minuten. Nachdem sie etwas ausgekühlt war, schnitt ich sie in ca. 1,5 cm dicke Scheiben. Und nun stellte sich heraus, dass die Süße von der Bitterkeit der Melone perfekt ausbalaciert wurde. Selbst Herrn H. schmeckten die Scheiben sehr.

Bittermelone ist reich an Vitamin C, enthält Saponine und eine From des Insulins. Sie wird traditionell gegen zu viel Hitze gegeben, hilft bei Entzündungen und Pickeln, senkt den Blutzuckerspiegel, bindet Cholesterin, unterstützt die Gewichtsabnahme und wirkt präventiv gegen Darmkrebs.*

Die Wunderwirkungen der Bittermelone sind leider laut Wikipedia klinisch noch nicht belegt. Aber wer weiss schon, ob das wichtig ist. Ich würde sie auch nicht aus diesen Gründen wieder zubereiten, sondern weil sie einfach gut schmeckte. Die zweite Bittermelone wanderte in ein thailändisches Omelette.*²

Für das Omelette:

  • 100 g Bittermelone, in 2-3 cm dicke Ringe geschnitten, Fruchtfleisch entfernt
  • 1/4 TL Salz
  • 2 Eier Gr. L
  • 1TL helle Sojasauce
  • 1 EL Öl
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • gemahlener weißer Pfeffer

melone8Nach dem Scheiden bestreute ich die Melonenstücke mit Salz und ließ sie eine halbe Stunde stehen. Danach spülte ich das Salz gründlich ab und probierte. Fast zu wenig bitter, wenn man bitter mag. Ich verquirlte Eier und Sojasauce leicht schaumig, erhitzte das Öl bei mittlerer Hitze in der Eisenpfanne und gab den Knoblauch hinein. Kurz bevor er anfing zu bräunen, gab ich die Melonenstücke hinzu und briet sie unter Rühren ca. 2 Minuten an. Dann gab ich die Eimasse darüber und bräunte die Unterseite. Nicht rühren! Nach 2 Minuten wendete ich das Omelette. Leider scheint meine Eisenpfanne nicht perfekt eingebraten zu sein. Das schöne runde Omelette war leicht angesetzt und ließ sich nicht in einem Stück wenden.

Ich servierte das Omelette mit dieser Sesamölsauce:

  • 1 TL Sesam, geröstet
  • einige Tropfen geröstetes Sesamöl
  • 1 EL Wasser
  • 1 EL helle Sojasauce

Nach dem Rösten zerdrückte ich die Sesamkörner im Mörser und rührte die restlichen Zutaten hinein.

melone6Fazit: Ich bin sehr froh, dass ich ein neugieriger und recht furchloser Mensch bin. In meiner Familie kursiert eine Geschichte, derzufolge ich im zarten Alter von einem Jahr aus meinem Gitterbett hinaus gekrabbelt, weiter in den Garten und hinauf auf einen kleinen Apfelbaum geklettert bin. Als meine Mutter aus dem Fenster blickte und mich dort sah, muss sie einen Riesenschreck bekommen haben. Die Bittermelonen werden jedenfalls unseren Speiseplan in Zukunft öfter bereichern.

* Die chinesische Tempelkücke – Vegetarische Originalrezepte aus berühmten buddhistischen Klöstern Martina Hasse

Thailändisch kochen Oi Cheepchaiissara

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36 Gedanken zu „Bittersüßes Vergnügen

  1. Ich hatte noch nie das Verlangen, Bittermelonen zuzubereiten. Als Kind mag man ja eh meist nichts Bitteres. Aber du hast Recht. Das Geschmacksempfinden ändert sich.
    Gut möglich, dass sie mir jetzt schmecken. Aber wahrscheinlich werde ich sie erst zubereiten, wenn sie mir im Rahmen eines Durchkochprojekts über den Weg laufen. 😛
    Liebe Grüße,
    Mari

    • 🙂 Vielleicht läut dir das Buch über die chinesische Tempelkücke (rein vegetarisch) ja mal über den Weg. Das sind noch einige Sachen drin, die ich ausprobieren möchte. Ich koche es nicht komplett durch (einige Zutaten sind einfach zu speziell), aber ich denke, ich kann einen Überblick bieten 🙂 Liebe Grüße Eva

  2. Die Dinger sehen ja interessant aus, aber komischerweise regt sich da überhaupt nichts in mir. Also nix mit «Boah, will ich auch haben». Manchmal erwischt man doch Gartengurken, die bitter sind. Irgendwie stelle ich mir Deine Bittermelonen so vor. Ich mag ja eigentlich bitter, aber diese warzigen Dinger gelüsten mich irgendwie nicht.

    • Bittere Gartenguken, echt? Hab‘ ich noch nie erwischt. Ja, sie sehen schon urig aus. Vielleicht bist du mal in Hamburg, dann könnte ich dir eine Scheibe zum Kosten geben 🙂

      • Ja, doch, wenn man alte Sorten von den Salatgurken bekommt, dann können die vor allem an den Enden schon mal bitter sein. Die handelsüblichen Sorten haben das Bittere aber bei uns schon lange rausgezüchtet bekommen.

      • Ah, daher kommt das, dass man die Enden der Salatgurken entfernen soll! Das mit dem „Bitterwegzüchten“ hatten wir ja letzt schon mal… hoffentlich habe ich bald meinen eigenen Garten, dann kann ich das testen (oder meine Mutter bitten, Gurken anzubauen, aber die gehen in unseren Breiten nur im Gewächshaus, glaube ich).

      • Doch, es gibt bei uns Freilandgurken. Die halten sogar mein Balkonien (Dachgeschoß und Westseite) aus. Die Schale kann man bei diesen Gurken aber vergessen, die ist nicht essbar weil hart und ledrig. Ich habe meine Samen und/oder Pflanzen allerdings nicht aus dem „normalen“ Handel sondern von http://www.arche-noah.at .

      • Cool. Schöne Seite! Schmeckt deine Gurke denn geschält wie eine Salatgurke? Der EU-Gurke wurde vermutlich einfach die ledrige Haut weggezüchtet 😉

      • Ja, die Freilandgurken schmecken wie Glashausgurken, nur ein bissl kräftiger. Man muss auch die Kerne in jedem Fall entfernen, denn die sind auch kräftiger. Schau mal hier: http://turbohausfrau.blogspot.co.at/2012/08/salate-fur-die-hundstage.html Ein bissl runterscrollen bis zum Gurkensalat, da ist ein kleines Foto, das man aber anclicken kann. Da sieht man eine noch recht kleine Freilandgurke und eine schon ausgewachsene Kugelgurke. Beide hatte ich letztes Jahr auf Balkonien. Der Freilandgurke sieht man schon an, was die für eine Schale bekommt, wenn sie groß wird. Die Kugelgurke sah schalentechnisch harmlos aus, aber die Schale war auch gar nicht essbar.

      • Wow, die sehen urig aus 🙂 Tjaa, ich hab‘ noch nicht mal Balkonien, sondern nur einen Kräuterkasten vorm Küchenfenster. Ups, und der ist noch gar nicht bepflanzt… wird Zeit, will versuchen, Koriander zu ziehen. Aber erstmal muss ich mich auskurieren! Wünsche dir ein frühlingshaft sonniges Wochenende!

  3. Oh interessant! Habe hier auch so einige asiatische Rezepte, die noch versucht werden müssen.
    Die „Gurken“ sehen sehr lecker aus und mit sauer-bitter hat ER es eigentlich, mal schauen, ob ich hier sowas irgendwo bekomme…
    Die Lust ist geweckt !

  4. Wenn etwas „Bitter“ im Namen hat, lasse ich tunlichst die Finger davon. Schmecke ich doch Bitteres aus Dingen heraus, bei denen alle anderen nichts Bitteres finden können! So schön Du sie also beschrieben hast – Bittermelonen (die für mich aussehen wie Gurken) kommen mir nicht in die Küche 😉

    • Ging mir früher auch so (dass ich nix Bitteres mochte), aber irgendwie hat sich mein Geschmacksempfinden verändert („helle“ Schoki mag ich gar nicht mehr so gern). Musst halt immer wieder probieren 🙂

  5. Meine letzten Versuche mit Bittergurken klar zu kommen, liegen etwa ein Jahr zurück. Entweder waren sie scheusslich bitterbitterbitter oder schmeckten irgendwie tranig. Aber die erste Kombination mit Reis und Trockenfrüchten klingt so absonderlich, dass ich es einfach ausprobieren muss. 😀

    • Tranig fand ich sie gar nicht, naja, ein Apfel der gleichen Sorte kann ja auch sehr unterschiedlich schmecken… Ja, die Kombi mit dem (extrem) süßen Reis ist klasse! 🙂

  6. Echt ne bizarre Frucht (Gemüse, was ist das eigentlich). Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, sowas zuzubereiten. Sehr mutig und deine Blümchen sehen toll aus! Wie schmeckt das? gurkig? Ach, ich muss mal zum Vinh Loi, da gibt es bestimmt auch sowas, oder?

    • Gemüse wohl eher, gehört ja zu den Kürbissen. Frucht eigentlich nur botanisch als Pflanzenteilbeschreibung. Danke dir, Uda! Ja, sie schmecken leicht gurkig mit bitterer Note. Und ja, ich hab‘ sei bei Vinh Loi gekauft. Abenteuer Asialaden 😉

  7. Das klingt ja abenteuerlich 😉 Lässt sich der Geschmack der reinen Bittermelone irgendwie beschreiben? Ich habe diese Frucht schon häufiger bei „meinem“ Pflanzen- und Samenhändler bestaunt und überlegt, ob ich mir sowas in den Garten setzen sollte. Es gab aber bisher niemanden, der/die mir sagen konnte, wie die Dinger schmecken. Bin auf jeden Fall begeistert, dass ich nun von dir schon mal weiß, dass man die Dinger offensichtliich mit Genuss verspeisen kann. Danke dafür!!!

    • Mhm… von der Konsistenz her etwas fester als Gurke, auch nach dem Dünsten noch. Roh fein bitter, vielleicht wie Radicchio? Aber da heute ja den meisten Sachen die Bitterstoffe weggezüchtet werden, schwer zu sagen. Familienmäßig gehören sie zu den Kürbissen. Und ein Pflänzchen hat doch sicher in deinem Garten Platz? 🙂

  8. Och, hast Du auch diese Neigung, komisches Zeug zu kaufen und Dir hinterher zu überlegen was Du damit anfängst? Ich war da früher besser…..jetzt habe ich mit nölenden Kindern zu; das verleidet mir die Abenteuerlust manchmal etwas….

    • Ja, ehrlich gesagt kaufe ich immer ein, was mich anspricht und überlege dann 😉 und manchmal gibt’s dann auch sehr seltsame Kombis… nölende Kinder hab‘ ich nicht 🙂

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