Kunst oder Käse – Cheesecake-Würfel

ckDen Satz, mit Essen spielt man nicht, kennt sicher jeder. Als Kind wurde er mir mit mahnend erhobenem Zeigefinger an den Kopf geworfen, während ich meine Burg aus Kartoffelpü baute, den Burggraben mit Sosse flutete und die Erbsen als Burgbewohner auf dem Teller hin und her schob. Ich hatte noch als Erwachsene lange ein schlechtes Gewissen, wenn ich versuchte, aus diversen Teigen kleine Kunstwerke zu produzieren. Je länger ich mich allerdings mit Patisserie beschäftige, desto stärker wird mein Spieltrieb geweckt und ich staune jedes Mal auf’s Neue, was man mit relativ einfachen Mittel aus Butter, Eiern, Mehl und Zucker herstellen kann. Endlich befreit, stieß ich auf die Cheesecake-Würfel*. Und ich musste sie unbedingt haben. Ich halbierte die angegebene Teigmenge, benutze meine 16 cm Durchmesser Springform als Backrahmen und legte los.

Für den Teigboden:

  • 50 g TUC (oder andere) Salz-Cracker
  • 37 g weiche Butter
  • 25 feiner Kristallzucker
  • 12 g 405er Weizenmehl
  • 1 TL Wasser

Ich gab alle Zutaten in den Blitzhacker und mixte sie, bis ein homogener Teig entstanden war. Das dauerte ca. eine Minute. Einige Male musste ich den Teig vom Rand des Hackers lösen.

Ich fettete den Ring meiner Springform mit Butter und stellte sie auf ein mit Backpapier belegtes Blech. Leider ist es nicht 100%ig plan, ein kleiner Teil der Käsemasse drängte sich beim Backen unter dem Rand hindurch. Beim nächsten Mal würde ich deshalb Backpapier in die Form spannen. Dann strich ich den Teig mit einem Teelöffel so glatt es ging auf das Backpapier. Eine Winkelpalette wäre sicher hilfreich gewesen.

Für die Käsefüllmasse:

  • 160 g Doppelrahmfrischkäse
  • 80 g weiche Butter
  • 80 g feiner Kristallzucker
  • 2 Eier Gr. M

Ich gab alle Zutaten in eine Schüssel und verrührte sie mit dem Schneebesen. Leider war die Butter witterungsbedingt noch zu kühl und wollte sich nicht einfügen, also nahm ich den Zauberstab zur Hilfe und gab die Masse anschließend durch ein feines Sieb, um die Luftblasen zu entfernen. Die fertige Masse war recht flüssig. Ich gab sie auf den Boden und schob das Backblech in den auf 180°C vorgeheizten Backofen. Es trat, wie erwähnt, ein geringer Anteil der Masse aus. Nach 30 Minuten war der Kuchen an der Oberfläche leicht gebräunt und auch in der Mitte relativ fest. Nach dem Auskühlen ließ ich ihn abgedeckt im Kühlschrank übernachten.

Für die Käsecreme:

  • 2 Kiri-Frischkäse (ich: 40 g Doppelrahmfrischkäse, ein Päckchen Kiri hat 20 g)
  • 1/2 TL Vanilleessenz
  • 75 g Schlagsahne
  • 10 g Puderzucker

Ich schlug die Sahne halb steif, gab den Puderzucker und die Vanilleessenz hinzu und schlug sie fertig. Den Frischkäse rührte ich mit einem Spatel geschmeidig und hob die Sahne vorsichtig mit kreisenden Bewegungen darunter, um die luftige Konsistenz nicht zu zerstören. Danach entfernte ich den Ring der Springform vom Boden und strich die Käsecreme mit einem großen Santokumesser (mangels Palette) glatt darauf. Dann schnitt ich die Ränder der runden Form gerade (die Abschnitte schmecken, wenn auch optisch nicht schön, fantastisch) und teilte den so entstandenen Quader in neun Würfel mit 3x3x3 cm. Darauf legte ich, da keine Sauerkirschen in Sirup im Vorrat schlummerten, Traubenscheiben. Et voilà. Kunst!

Fazit: Ich bin inzwischen der Meinung, dass „Spielen“ mit Essen im positiven Sinn nicht nur „erlaubt“ ist, sondern den Alltag ungemein bereichern kann. Die Würfel erfordern kaum Patisserie-Vorkenntnisse und sind nicht nur köstlich, sondern auch wunderschön anzusehen. Ich musste die Aufbewahrungsbox mit Leib und Leben vor den Gelüsten der liebsten Nachbarin, deren Osterbesuch und Herrn H. verteidigen, sonst hätte ich kein Stückchen mehr abbekommen. Und zusätzlich bin ich mit den köstlichen Würfeln meiner Suche nach dem perfekten Käsekuchen einen großen Schritt näher gekommen!

* Die hohe Schule der Patisserie – Christophe Felder

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26 Gedanken zu „Kunst oder Käse – Cheesecake-Würfel

  1. Mit salzigen Keksen? Hört sich interessant an und kann ich mir auch zu einem schokoladigen oder karamelligem Cheesecake vorstellen 😉 von beidem bin ich ja groooßer Fan!

  2. Herzhaft hätten die mir auch gefallen. So hübsch! Fast (!) zu schade zum Essen. Bin gespannt, womit Du uns noch so überraschst, wenn Du weiterhin mit Essen spielst 🙂

  3. Ich hatte auch erst gedacht, sie seien herzhaft und freute mich beim Lesen über die unerwartete Wendung. Das probier ich auch aus. Vor allem kann man da ja immer nur so ein kleines Häppchen essen. Das spart ungemein an Kalorien! 😉

    • 😉 Als ich mir die Zutaten durchgelesen habe, dachte ich auch, nja, das kann gar nicht schlecht schmecken, aber darf man das auch guten Gewissens essen? Aber so als kleines Etwas… Köstlich (hatte grad noch einen :-))

  4. Liebe Eva,
    diesmal kann ich mich den anderen nur anschließen. Deine Würfel sehen sehr hübsch aus und ich finde sie viel ansprechender als die im Buch. Die dickere weiße Schicht macht sich sehr gut, und die Traubenscheibe obendrauf ist optisch viel stimmiger als die große Kirsche. (Vielleicht komme ich auf deine Idee zurück, wenn ich so weit bin *g*). Deine Würfel sind wunderbar gerade geschichtet und sauber geschnitten. Ich lass mal ein dickes Kompliment hier. ^___^
    btw
    Lustigerweise habe ich auch gerade Kiri gekauft, weil eines meiner nächsten anstehenden Cheescake Rezepte ebenfalls aus einer Kombi von Frischkäse (Kraft) + Kiri besteht.^^

    Liebe Grüße,
    Mari

    • Danke sehr! Freut mich, dass sie dir gefallen (ich war ein wenig unglücklich mit den nicht ganz geraden Boden…). Felders Mengenangabe war außerdem verwirrend. Ich habe aus der halben Menge 20 Würfel bekommen – er aus der doppelten nur 25… vielleicht sind das ja Riesenkirschen auf dem Bild 😉 Bin sehr neugierig auf dein nächstes Cheesecake Rezept! Liebe Grüße zurück, Eva

  5. Oh ja, bitte spiel weiter mit dem Essen! Die sehen phantastisch aus und machen Appetit. Im ersten Moment dachte ich, die seien pikant (und ich ertappe mich bereits beim Nachdenken über eine pikante Variante). Aber erstmal wird die süße ausprobiert.

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