Blumenkohl zum Letzten

Blumenkohl zum LetztenEigentlich kaufe ich nie Blumenkohl. Ich weiß nicht genau, wie es dieses Exemplar in meinen Korb geschafft hat. Jetzt liegt er vor mir. Undurchdringlich hält er seine Rosen fest an den Stiel gepresst. Wer sich ihm nähern will, muss sich aus dem Hinterhalt von unten durch den Strunk anschleichen. Ein Stückchen roh probiert. Zarter Kohlgeschmack. Was tun mit dir, oh Blumenkohl. Ich hätte auf mein leises, inneres Stimmchen hören sollen. Grain de sel hatte just an diesem Sonntag ein kochbuchwürdiges Blumenkohlrezept gepostet. Aber der innere Sturkopf beharrte auf einer eigenen Kreation. Ravioli mit Roggenanteil im Teig (wie ich es kürzlich bei Magentatzerl und Kamafoodra gesehen und für sehr spannend befunden hatte) gefüllt mit einer Blumenkohl-Pinienkern-Parmesan-Mischung. Ans Werk.

Für den Pastateig:

  • 110 g Spätzle- und Nudelmehl
  • 50 g Roggenmehl Typ 997
  • 1 Ei Gr. L
  • 20-30 g Wasser
  • Pr. Salz

Der Teig liess sich wider Erwarten gut kneten und ruhte zwei Stunden. Auch beim Ausrollen verhielt er sich kooperativ und passierte willig die zweitfeinste Stufe meiner Nudelmaschine. Doch zuvor bereitete ich die Füllung vor.

Für die Blumenkohlfüllung:

  • 300 g Blumenkohl (150 g hätten gereicht), in Röschen geteilt und in ca. 15 Minuten im Wasserdampf gegart
  • 40 Parmesan
  • eine Handvoll Pinienkerne, geröstet
  • eine großzügige Prise Muskatblüte, gemahlen
  • Salz, Pfeffer

Der Gedämpfte Blumenkohl durfte auf der Fensterbank auskühlen und möglichst viel Feuchtigkeit verlieren. Danach gab ich ihn mit Parmesan, den gerösteten Pinienkernen und den Gewürzen in den Zerkleinerer. Die Masse war genau richtig, nicht zu feucht und schmeckte würzig. Sie war allenfalls etwas krümelig, was das Füllen der Ravioli leicht erschwerte. Aber dank Herrn H.s unermüdlicher Hilfe war auch diese Hürde zu meistern.

Den Rest der Füllung gab ich in eine Auflaufform, legte weitere gedämpfte Röschen darauf und streute großzügig Büffelmozzarella darüber. Bei 200°C 20 Minuten goldig gebacken. Fertig war die Vorspeise, dachte ich.

Fehlte noch die Brühe. Zum Glück gab es einen Rest Bäckchenjus. Den kochte ich einfach auf und schmeckte ihn mit etwas Salz und Pfeffer ab. Die Ravioli kochte ich ein paar Minuten in leicht siedendem Salzwasser.

Foto. Abendessen. Die Vorspeise gab es als „Gemüsebeilage“. Und das war gut. Denn die Ravioli waren, hm, mir fehlen die Worte. Nach einigen Bissen schob Herr H. seinen Teller von sich und sah mich entschuldigend an. Er sei ja wirklich beim Essen nicht heikel, aber diese Ravioli könne er nicht hinunterbringen. Der Teig war durch die Roggenmehlbeigabe leicht süßlich und erinnerten mich an die Vollkornspiralnudeln aus meiner Kindheit *schüttel*. Es soll ja Menschen geben, die Vollkornpasta mögen. Wir gehören nicht dazu. Die Blumenkohlfüllung war nicht erschmeckbar, ging irgendwie völlig unter und die Brühe passte auch nicht. So etwas passiert eben auch mal. No risk, no fun. Wir hielten uns an die „Gemüsebeilage“ und zum Glück hatte es noch ein Karamellbrownie.

Fazit: Ein Blumenkohl wird sich so schnell nicht wieder in meine Küche verirren und falls doch, halte ich mich an das kochbuchwürdige Rezept. Und Roggenmehl nutze ich, wie bisher, ausschließlich zum Brot und Brötchen backen. Nichts für ungut.

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26 Gedanken zu „Blumenkohl zum Letzten

  1. Ach Eva, ich hätte sie trotzdem gegessen, so wie die aussehen! Ich habe persönlich auch nichts gegen Blumenkohl, finde ihn regelrecht sympathisch. So als Flan kann der auch recht fein schmecken. Gebraten natürlich auch. Hmmm, schau, trotz deines Misserfolgs hast du es geschafft, dass ich Lust drauf habe.
    Super, wenn mein ein Leckerli im Hause hat. Und dann auch noch Karamellbrownies! Ein Fest gegenüber meinen Nippons neulich.

    • Hätte ich das gewusst, hätte ich sie für dich eingefroren 😉 Und der Blumenkohl muss sich noch ein Weilchen gedulden, bis ich den Schmerz verwunden habe… Aber ich gebe ihm eine zweite Chance!

  2. Mir geht es wie der Küchenschabe, ich mag Blumenkohl auch nur als Salat, und auch nur, wenn ich wirklich muss. Und gebraten mag ich ihn gar nicht, mein Perlhühnchen liebt ihn aber gebraten. Scheint eine deutsche Leidenschaft zu sein dieser gebratene Blumenkohl, ich mag knusprigtrockenen Blumenkohl einfach nicht. Und Vollkornnudeln sowieso nicht. Nie. In keinster Art und Weise.
    Schade um die schönen Ravioli, um den Aufwand und so.

    • Jaa 😦 ich war wirklich unglücklich und habe gemacht, was ich sonst nur bei äußersten Notfällen (Schimmel o. ä.) tue: ab in die Tonne (immerhin Bio :-)). Aber mein Herz blutete…

  3. Doch..doch..kauf ihn noch mal.
    Teile ihn in kleine Röschen, würze nur mit Salz und Pfeffer und brate ihn in Butter goldbraun. Das dauert….dann… nichts dazu, nur den knusprigen Blumenkohl…schmeckt göttlich.
    Gibts jedes Jahr bei meiner Freundin auf ihrem Balkonfest.
    Auf dem Fest gibts immer NUR das und jeder ist glücklich!! 🙂

  4. Danke, dass du auch Misserfolge postest. Das finde ich so erfreulich menschlich.

    Karfiol (=Blumenkohl auf Österreichisch) mag ich am liebsten gebraten. Letztens habe ich die einzelnen Röschen nach einem Ottolenghi-Rezept frittiert, das war auch sehr gut. Das gesamte Rezept allerdings war ein Reinfall – nicht gut und hässlich oben drein.

  5. Ich finde, alles und jeder hat eine zweite Chance verdient. So auch der Blumenkohl. Versuch es doch mal mit im Ofen gebackenem Blumenkohl. Diesen in zirka einen Zentimeter dicke Scheiben schneiden. Eine Marinade aus Olivenöl, wenig Zitronensaft, Salz und Pfeffer, Fenchelsamen und etwas Muskat darüber träufeln und im Ofen backen. So behältst du den „Rosen-Strauss“ und bekommst den Geschmack erst wirklich mit.

    • Genau, habe eben geschaut, den mit Kirschtomaten, Dill und Kapern 😉 Ich habe ja noch einen halben übrig und vor kurzem ein Kilo Salzkapern erworben 🙂 Danke für den Tipp!

  6. Och, dabei sehen die so hübsch aus, Deine Täschchen. Ich schließe mich an, was das Roggenmehl in Pasta betrifft: Das passt eher zu derberen Genüssen, da müssen schon Speck, Kraut und solche Sachen her. Was den Blumenkohl betrifft, ein kleiner Tipp: Er gewinnt – wie jedes Gemüse – sehr an Aroma, wenn man ihn im Ofen backt und nicht dünstet.

    • Ja, der liebe Schein 😉 Falls ich irgendwann in ferner Zukunft unüberlegterweise nochmal einen Blumenkohl kaufen sollte, werde ich deinen Rat beherzigen 🙂 Eigentlich wollte ich Sushi mit ihm machen, du hattest mal sowas erwähnt, aber ich hatte absolut keine Idee, wie ich die krümelige Konsistenz in den Griff bekommen konnte…

      • Mit Zucker, Essig und Salz, wie beim Reis. Habe ich mal in einem Deli in Vancouver gegessen, noch mit Möhren und ganz kleinen Sprossen, und nachzubauen vesucht, ist aber ist schon bröseliger als Reis. Ich verblogge das vielleicht bald mal.

      • Hmm, da muss noch was zum binden rein… *grübel* vorrangig muss ich leider was für’s Abendessen überlegen (Hochzeitstag ;-)) und es ist schon so spät…

  7. Dass du uns trotz deines Misserfolgs an deinem Blumenkohl-Abenteuer teilhaben lässt, finde ich sehr sympathisch. Das ist eben auch ein Teil unseres Kochvergnügens: Herausfinden, was geht und was nicht geht. Ich mag Blumenkohl recht gern – allerdings am liebsten in sehr kräftiger Gewürz-Begleitung und möglichst nicht mit gleichen Farben (sprich: weißlich) kombiniert.
    Und zum Thema Vollkornnudeln kann ich mich ja auch nicht zurückhalten: Ich gehöre nämlich zu den Menschen, die sich bei weißen Nudeln schütteln (für mich sind das geschmacklose leere Kohlehydrate). Warum sollte ich *Lebens*mittel essen, bei denen man das Wertvollste entfernt hat? Glücklicherweise habe ich einen Mann gefunden, der das genauso sieht 😉

    • Danke für das Kompliment 🙂 Flops gehören einfach dazu. Zu den Nudeln. Ich finde, dass weisse Nudeln einen sehr feinen Geschmack haben (selbst gemachte jedenfalls). Und Vollkornnudeln schmecken süßlich. Ich habe weder gegen Vollkorn, noch gegen Süße etwas. Alles an seinem Ort 😉 Und du hast recht, dass der Mineralstoffgehalt in weissen Mehl niedriger ist, als in Vollkornweizen. Aber er ist nicht gleich Null. Und ich finde, dass jedes Mehl an seinem Platz glänzen darf 🙂

      • Wie gut, dass die Geschmäcker verschieden sind – es wäre sonst ja recht langweilig in der Kochszene 😉 Dir hat die Erfahrung in den 80ern das Vollkornnudel-Essen ausgetrieben – bei mir hats genau zum Gegenteil geführt. Mir geht es jedenfalls richtig gut damit. (Inzwischen haben die Vollkornpasta-Hersteller wie alle in der Bio-/Vollwert-Szene übrigens mächtig dazugelernt – und wer einen Bioladen von damals mit einem Bio-Gourmet-Tempel von heute miteinander vergleicht, ahnt was ich meine 😉

  8. Hmmm, komisch…ich empfinde Roggenmehl eher als säuerlich. Was mir allerdings auffällt, ist, dass sowohl in den Schlutzkrapfen als auch in Sauerkraut-Ravioli die Füllung Säure hat; vielleicht harmoniert das besser mit Roggen? Vollkornpasta mag ich nämlich eigentlich auch nicht; ich habe immer das Gefühl, ich kaue auf einem Päckchen Vollkornmehl herum ;-).
    Blumenkohl….mit Käsesauce…oder als Blumenkohl-Kartoffelcurry….kann ich auch nicht mehr sehen. Bei Chili und Ciabatta gab es aber letzte Woche ein Rezept, das heute direkt zum Blumenkohl-Kauf führte 🙂

    • Säuerlich? Hm, im Roggensauerteigbrot, ja. Aber sie schmeckten wirklich wie diese Vollkornspralnudeln aus den 80ern, kennst du die? Schrecklich. Nudeln mussen, genau wie Baguette oder feiner Kuchenteig, weiß sein. Für mich jedenfalls.
      Meinst du die Pakoras? 🙂 die sind mir auch aufgefallen (wenn bloß das Frittieren nicht wäre, vielleicht im Sommer. Ich hab‘ leider weder Abzugshaube noch Friteuse).

      • Ich meine den Nudelauflauf mit Blumenkohl; aber Pakoras kann man mit Blumenkohl natürlich auch machen.
        Diese Vollkornnudeln kenne ich – deswegen mag ich ja keine :-). Und das, obwohl ich eigentlich ein richtiges Vollkörnchen bin…..

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