Rapa statt Strattú

Orecchiete mit Cima di RapaFebruar und März sind die schlimmsten Monate des Jahres. Nicht, weil der Frühling noch auf sich warten lässt und auch nicht, weil schon drei Monate Kälte hinter einem liegen, sondern weil es partout kein frisches Gemüse gibt. Natürlich gibt es (gelagertes) Wurzelgemüse, Feldsalat, Lauch und alle möglichen Kohlsorten. Schön und gut für eine Weile. Aber ich liebe nun mal Tomaten ganz besonders und die werden zwar aus Spanien kommend zum Verkauf angeboten, aber, mal abgesehen von den fragwürdigen Produktionsmethoden, sie schmecken mir nicht. Da erschien mir die sizilianische Paste aus sonnengetrockneten Tomaten, von der Küchenschabe angepriesen, unendlich verlockend.

Auf zum italienischen Supermarkt. Leider befand sich im etwa 20 m langem Regal, das sich unter der Last unterschiedlichster Tomatenkonserven schier bog, kein Strattú. Leicht frustriert schlenderte ich noch eine Weile durch die Regalreihen. Irgend etwas, das meine Laune bessern würde, musste es doch geben.

Cima di RapaMehr zufällig landete ich vorm Gemüseregal und stutzte. Das war doch der in vielen Blogs gerühmte Kohl, Cima di Rappa, mit winzigen leuchtend gelben Blüten. Wunderschön! Der wanderte sogleich in meinen Einkaufswagen. Und die Peperoni sahen auch herrlich aus. Nachdem ich das halbe Regal leergeräumt hatte, fiel mir ein, dass Rapa traditionell mit Orecchiete serviert wird. Eingepackt. Eine gute Stunde später verließ ich das Geschäft mit voll gestopften Taschen, zwar ärmer, aber weitaus glücklicher.

Ori6klDa ich mich partout nicht entscheiden konnte, ob ich den Rapa wie bei Robert von Lamiacucia (u.a. dort) beschrieben, mit den Orecchiete zusammen kochen wollte oder ihn als warmen Salat mit alten Brotwürfeln wie bei der Wilden Henne gesehen, teilte ich ihn kurzerhand in zwei Haufen und machte beides. Salat als Vorspeise, Orecchiete als Hauptspeise.

Für den Rapa als Salat mit Brot:

  • 200-250 g Cima di Rapa, gewaschen, gestückelt
  • 1 Knoblauchzehe, gehackt
  • 1 – 2 rote Peperoni, in Ringe geschnitten oder gewürfelt
  • ca. 150 g altes, trockenes Brot, gewürfelt
  • Olivenöl, Pfeffer, Salz
  • Pecorino oder Parmesan

Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Knoblauch und Peperoni kurz anschwitzen, Rapa hinzugeben, ca. 10-15 Minuten dünsten, Brotwürfel hineingeben, würzen. Servieren, sobald die Brotwürfel den Sud aufgesogen haben. Käse darüber. Ein Gedicht. Musste umgehend verzehrt werden. Deshalb gibt’s auch keine Fotos.

Für die Orecchiete mit Rapa:

  • 160 g Orecchiete
  • 200-250 g Cima di Rapa, gestückelt
  • 1 Knoblauchzehe, gehackt
  • 1 – 2 rote Peperoni, in Ringe geschnitten oder gewürfelt
  • Olivenöl, Pfeffer, Salz
  • Pecorino oder Parmesan

Nudelwasser aufkochen, salzen, Orecchiete und Rapa hineingeben und nach Packungsaufschrift garen (bei mir 15 Minuten). In der Zwischenzeit Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und mit Knoblauch und Peperoni aromatisieren. Wenn die Orecchiete gar sind, nicht abgießen, sondern mit einer Schaumkelle aus dem Topf schöpfen und in eine angewärmte Schale geben. Das aromatisierte Olivenöl darunter mischen und mit Pfeffer und Salz abschmecken. Auf dem Teller mit Parmesanspänen bestreut anrichten.

Ori5klFazit: Auch diese Variante steht der ersten in Punkto Köstlichkeit in nichts nach. Ich werde stracks wieder losradeln und mehr Cima di Rapa kaufen. Nicht klar geworden ist mir, warum man die Pasta mit dem Rapa nicht einfach in ein Sieb abgießen soll. Es ist ziemlich schwierig, die letzten umherschwebenden Partikel mit der Schaumkelle aus dem Wasser zu fischen. Falls als jemand des Rätsels Lösung kennt, wäre ich über Aufklärung dankbar.

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29 Gedanken zu „Rapa statt Strattú

  1. Brauch ich nichts mehr dazu sagen.
    Schmeckt einfach super und steht bei mir fast wöchentlich auf dem Speiseplan.
    Schneeglöckchen wo?? Hier liegen gerade 10 cm Neuschnee….und es schneit munter weiter….

    • Werde ihn auch diese Woche wieder besorgen. Die Schneeglöckchen blühen noch nicht, sie sprießen bloß. Bei uns ist der Niederschlag zum Glück (noch) flüssig 🙂 und hoffentlich bleibt das so…

  2. gönne doch den feldern und gemüsebäuerinnen die ruhe, schliesslich wird dafür die nächste gemüsesaison umso üppiger und schöner. in der natur hat alles seinen sinn – auch das warten 🙂 ich helfe mir mit den farbenprächtigen randen über den winter, roh oder gekocht.

  3. Tolle Rezepte! Ja, man muss sofort zugreifen, wenn man bei uns solches Grünzeug angeboten sieht!! Leider auch in Wien viel zu selten, aber türkische Geschäfte sind oft ein guter Tipp. Ich hab kürzlich „Riesen“-Löwenzahn gekauft, den könnten man auch dafür verwenden, der hat auch eine bittere Note.
    Ich glaube nicht, dass es einen besonderen Grund hat, warum man die Öhrchen nicht abgießen soll, hab ich noch nirgends gelesen…
    lg

    • Habe ich gesehen, dass er es macht und ich habe die Brühe gestern für Suppe genommen (tu mich immer schwer mit dem Wegwerfen). Ich dachte nur, es könne etwas mit dem Geschmack des Gerichts zu tun haben…

  4. Da ist er wieder. Und ich werde ihn nie, nie, nie bekommen, ich armes Hascherl.
    Sieht super lecker aus, das Gericht, und die Cima-Blüten sind ja herrlich! Sind die essbar?
    Ich kann das dann ja mal mit Grünkohl probieren ;-).

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