Melonpan

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In Japan habe ich es zum ersten Mal gekostet: Melonpan/ Melonenbrot. Den Namen verdankt es eher seiner Form, aber natürlich gibt es Melonpan auch mit Melonengeschmack. Ich war hin und weg, konnte mir, damals backtechnisch noch nicht so bewandert, die Machart dieses himmlischen Gebäcks nicht erklären. Oben knusprig, zuckrig und irgendwie mürb, innen flauschig weich und saftig. Ich habe dort noch ziemlich viele verdrückt. Sie brannten sich in mein Geschmacksgedächtnis ein, gerieten dann aber in Vergessenheit. Bis vor ein paar Tagen. Meine Schwester organisierte das Rezept. Es lag näher als vermutet im Blog Kazuo von Mari aus Berlin und ich machte mich ans Werk.

Für sechs Melonpan:

Für die Mürbeteigkruste:
50 g Butter, Zimmertemperatur
55 g Zucker
30 g Ei (1/2 verqirltes Gr. L)
120 g Mehl 405
1/3 TL Backpulver

Zunächst rührte ich Butter und Zucker schaumig, gab nach und nach Ei und zum Schluss schnell das mit dem Backpulver gesiebte Mehl hinzu. Dann stellte ich den Teig auf der Fensterbank kühl (Winterfreuden). Anschließend knetete ich einen Hefeteig.

Für den Hefeteig:
200 g Mehl 550
5 g Trockenhefe (ich: 5 g frische Hefe, bei Hefe habe ich einen Sparzwang, funktionierte aber einwandfrei)
26 g Zucker
4 g Magermilchpulver (ich: nur Vollmilchpulver im Haus)
30 g Ei
96 g Wasser (die Temperatur sollte um die 37°C liegen)
16 g Butter, weich
3 g Salz

Ich gab einfach alle Zutaten in eine Schüssel, verrührte sie grob mit einem Löffel und legte dann Hand an. Anfangs war der Teig durch die Butter ziemlich klebrig, aber das gab sich nach fünfminütigem Kneten. Der Teig durfte knapp anderthalb Stunden in meiner kühlen Küche gehen, zwischendurch habe ich ihn einmal in der Schüssel gefaltet. Dann kam der interessante Teil. Ich teilte beide Teige in sechs gleich schwere Teile und rollte die Mürbeteigteile in einem Gefrierbeutel auf 9 cm Durchmesser aus. Dann wirkte ich die Hefeteigteile rund und setzte sie mit dem Schluss mittig auf die Mürbeteigplatte.

Und drückte die Ränder einigermaßen ordentlich an den Hefeteig. Zuletzt stippte ich sie in ein Schälchen Zucker. Herr H. war zwischenzeitlich heimgekehrt und lugte neugierig in die Küche. Was es denn Interessantes gäbe? Melonpan, erwiderte ich und schnitt den Mürbeteig rautenförmig ein. Er sah mich fragend an, “und zum Abendessen?” “Tempeh”. Auch damit konnte er nichts anfangen. Zum Glück ist sein Vertrauen in meine Kochkünste inzwischen so groß, dass er sich auf jede Mahlzeit freut.

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Nach einer guten Stunde waren die Melonpans ofenreif. Ich buk sie zunächst 7 Minuten bei 220°C und reduzierte die Temperatur auf 180°C. Obwohl ich fast die ganze Zeit vor meinem Backofen hockte, schlug er mir ein Schnippchen. Die guten Stücke solten nach Möglichkeit nur ganz zart gebräunt werden.

Hefemürbe4-klFazit: Nach dem Abendessen mussten sie natürlich unbedingt noch probiert werden. Mit Käse. Süß und salzig – herrlich! Und von der Konsistenz her genauso, wie ich sie in Erinnerung hatte. Vielleicht sogar noch besser. Sie schmecken natürlich auch ohne alles oder mit Erdbeermarmelade. Der Fantasie sind wie immer keine Grenzen gesetzt! Ob ihr sie nachbacken solltet, weiß ich jedoch nicht, sie haben großes Suchtpotential…

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34 Gedanken zu „Melonpan

  1. Wow! Die sehen ja super aus! Und so ein interessantes Rezept. Die muss ich bei Gelegenheit unbedingt einmal ausprobieren. Eine Frage hätte ich noch dazu. Ich habe hier bis jetzt immer nur Magermilchpulver in den Läden gefunden. Vollmilchpulver beziehe ich über indische Freunde aus England. Woher beziehst Du das Vollmilchpulver? Danke.

    Liebe Grüße
    Anna

  2. Drollig, die Form kam mir irgendwie bekannt vor… Gerade nachgeguckt, tatsächlich, 2007 hatte ich mir zwei Rezepte für diese Melon Pans aus dem Netz geholt, aber dann total vergessen. Danke für’s wieder Hervorholen – ich sollte mich doch mal dran versuchen.

  3. Ach, ich habe grade einen Hefeteig gemacht, der soll morgen an die Front. Ich fürchte, er ist ein bisschen salzig, meinst du, ich sollte es mal trotzdem versuchen? Bedenke, ich bin Backnulpe!

  4. Die sehen ja toll aus! Wie kann ich mir die innen vorstellen, so rein optisch? Fluffig, porig?
    Ist ja übrigens die reinste Kurt-Pan-Kuchen-alles-Mögliche-Back-Party, die am Sonntag durch Eure Blogs gerauscht ist ;-). Herrlich.

    • Die sind flauschig, nicht so fest wie reiner Wasser-Mehl-Hefeteig (eher wie Hefezpof, aber nicht so fest, schwer zu bechreiben), total lecker! Kriegst du auch hin :-) Und Grünkohlabend gut überstanden? Ich quäle mich schon wieder…

      • Ah, verstehe. Aber diese Art von Kunstwerken überlasse ich lieber Euch, ich habe noch mit den einfachen Backrezepten genug zu tun :-).
        Grünkohl-Abend war prima. Bin aber gerade ganz unprima auf dem Wege, krank zu werden, Magen und Hals können sich nur noch nicht entscheiden, wer das Rennen machen wird.

      • Ingwer ist auf jeden Fall für beides gut :-) Und ich empfehle zur Unterstüzung des Immunsystems “echte” Zinktabletten aus der Apotheke (Zinkorot). Sind zwar etwas teurer als die aus der Drogerie, aber ich war diesen Winter noch gar nicht krank (*knockonwood*)… Gute Besserung!

  5. Jep, sie sind heller. Da bin ich auch stolz drauf – mein Backofen hat nämlich kein Licht; ich backe seit langem im Dunkeln. Die Abdeckung der Birne will sich partout nicht mehr abschrauben lassen :-(

      • Wegen einer Glühbirnenabdeckung hole ich nicht den Kundendienst…allein die Anfahrt/Diagnose kostet schon 80 €. Ab und an rütteln wir an der Abdeckung – irgendwann wird sie sich wieder lösen. War bei diesen Ofen schon ein paar mal so…..

      • Das ist klar…vielleicht habt ihr die Anleitung noch und da steht was Schlaues drin? Ansonsten. Deine Backwaren aus dem “Dunkel” sehen jedenfalls immer gut aus ;-)

  6. Das ist ja so ähnlich wie mit den Windbeutelchen mit Mürbeteigkruste bei mir.
    Mit dem Hefeteilchen innendrin genial.
    Mein Sohn, seine Freundin und ich ..wir sind ganz verrückt auf alles was mit Japan zu tun hat.
    Wann warst du dort! Wie lang?…und überhaupt ??

    • Ja, deine Windbeutel kamen mir beim Backen auch in den Sinn ;-) War vor 4 Jahren für 4 Wochen dort. Schwester hat Japanologie studiert und war grad für ein Jahr da. Und hat mich gefragt, ob ich mit ihr auf Shikoku pilgern möchte. Und ob ich wollte :-) War herrlich und durch ihre Sprach-und Landeskenntnisse war es mehr als nur ein Urlaub. Glaube, man würde auf eigene Faust nicht soviel mitbekommen und das Essen – Hammer. Hab mir danach sofort einen Reiskocher zugelegt und mich an Sushi und vielen anderen Gerichten probiert. (Sushi kriege ich inzwischen ganz passabel hin, wir mögen es allerdings lieber, wenn’s draußen wärmer ist…). Und ganz villeicht fahren wir dieses Jahr nocmal :-)

  7. Der Hefe-Sparzwang ist bei japanischen Gebäck auch absolut angebracht. In Japan bekommt man nur so unheimlich superflauschige Brote und Brötchen. Die sind dann nach 2-3 Stunden schon halb ausgetrocknet, weil soviel Hefe verwendet wurde. Meine ersten Melon-Pan nach einem japanischen Rezept waren nach einer Nacht pupstrocken. Blöde, wenn man Gäste zum Brunch erwartet und die versprochenen Brötchen nicht auftischen kann.

      • Ich hatte diese Melonpan sogar am nächsten Tag noch zum Picknick mit und sie haben uns immer noch sehr gut geschmeckt.
        Was ist denn so schlimm an Hefe? Dass man Zucker reduziert oder an Fett spart, kann ich ja noch verstehen, aber Hefe? Ist Hefe ungesund?

      • Nein, soweit ich weiß, ist Hefe nicht ungesund. Die Mürbeteigkruste hält das Melonpan auf jeden fall saftig (vor allem, wenn man es luftdicht verpackt). In der Regel ist es aber so, dass Backwaren schneller austrocknen, wenn mehr Hefe hinzugegeben wird. Und wir essen teils lange an einem Brot. Zum anderen ist Hefe natürlich auch ein Geschmacksverstärker (Hefeextrakt in Biobrühe…) und ich mag lieber den möglichst reinen Getreidegeschmack…

    • Danke schön für die Info und auch die Mail. Nun ist mir einiges klarer. :-D
      Die Welt des Brot backens ist für mich wirklich noch voller Mysterien. Aber da komme ich auch noch hinter. *g*

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